Undertaker, Hulk Hogan oder John Cena – diese Namen sind wohl jedem Wrestling-Fan in Deutschland bekannt. Aber wie sieht es mit Timothy Thatcher, Ilja Dragunov oder Walter aus? Nur die Wenigsten dürften mit diesen Namen etwas anfangen können, aber das ist ein Fehler – denn professionelles Wrestling gibt es auch abseits der WWE. Um genau zu sein, sogar aus Deutschland: Bei der wXw, einer deutschen Wrestling-Promotion, die unlängst mit dem „16 Carat Gold 2018“ ihren größten Event des Jahres veranstaltet und dabei förmlich die Halle abgerissen hat.

Die volle Ladung Wrestling

Beim „16 Carat Gold“ handelt es sich um ein Turnier, das über drei Tage geht. 16 Topstars der Indie-Szene treten in K.O.-Einzel-Matches gegeneinander an, um am Ende herauszufinden, wer die begehrte Trophäe in Händen halten wird. Zusätzlich gibt es noch weitere Titel-Matches, Tag-Team-Action oder Frauen-Wrestling.

Und wem das eigentliche „16 Carat Gold“ nicht genügt, der findet mit der Fan Expo, feuchtfröhlichen Aftershow-Partys und weiteren Events mehr als genügend Veranstaltungen, die das Fanherz höherschlagen lassen. Kein Wunder, dass Jahr für Jahr Wrestling-Fans aus ganz Europa nach Oberhausen pilgern, um sich dieses Spektakel nicht entgehen zu lassen. Schließlich dreht sich an diesen drei Tagen im Ruhrpott doch alles nur um eines: Wrestling! 

Stimmung wie im Fußballstadion

Der gemeine Wrestling-Fan, der lediglich die WWE verfolgt, wird sich sicher fragen: „Aber wieso sollte ich dort hingehen? Was ist bei der wXw so anders?“. Um diese Frage zu beantworten, muss man etwas ausholen. Es fängt mit der Location an, statt in einem Stadion oder einer gigantischen Halle findet das „16 Carat Gold“ in der Turbinenhalle statt. Und anders als bei der WWE sind nicht alle Plätze bestuhlt, sondern die meisten Zuschauer stehen um den Ring herum. Keine Absperrzäune, keine Security, die meckert, weil man mal etwas lauter ist. Diese Konstellation sorgt für eine ganz spezielle Atmosphäre.

Die Wrestler werden frenetisch gefeiert, angefeuert, ausgebuht oder lautstark besungen – eine Stimmung, die man sonst so nur aus einem Fußballstadion kennt. In diesem Jahr waren über 1000 Zuschauer in der Halle und machten zeitweise einen Krach wie 5.000. Dies liegt mitunter auch daran, dass man als Fan näher dabei ist, von den Wrestlern mehr beachtet wird und gemeinsam Spaß hat.

Gutes Wrestling ohne große Namen

Zum anderen muss sich die Action nicht hinter Mega-Ligen wie der WWE verstecken, im Gegenteil! Zwar ist der Ring kleiner als beim Marktführer, aber die Kämpfe dafür umso spektakulärer. Dafür sorgen alleine schon Wrestler, wie David Starr, Absolute Andy, Ilja Dragunov oder Lucky Kid. Athleten, die dem Mainstream zwar nicht bekannt sind, von den den wXw-Fans aber umso euphorischer gefeiert werden. Absolut zu Recht!

In den drei Tagen „16 Carat Gold 2018“ gab es gleich eine Reihe von fantastischen Kämpfen voller Spannung und Athletik. Den Stars wird freie Hand gelassen, angestachelt durch die dichte Atmosphäre in der Halle nehmen sie so manches Risiko in Kauf. Wobei man als Zuschauer stets aufmerksam sein sollte – denn es kann gut sein, dass im nächsten Moment ein Wrestler im Publikum landet. „Mittendrin, statt nur dabei“ lautet hierbei ganz klar das Motto!

Entertainment und Emotionen

In Sachen Inszenierung zeigt die wXw, dass Wrestling in Deutschland mittlerweile absolut professionell ist. Eine riesige Leinwand zeigt immer mal wieder Promo-Videos, jeder Wrestler hat seinen eigenen Entrance-Song nebst Lichtshow. Da es eine besondere Veranstaltung ist, spielt auch schon einmal die Rockband „Fights & Fires“, während Topstar John „Bad Bones“ Klinger den Ring betritt. Wer das Ganze nicht live in der Halle miterleben kann, hat die Möglichkeit, über den Onlinedienst „wXw Now“ die komplette Veranstaltung mitsamt Kommentatoren anzusehen.

Generell muss man sagen, dass die wXw auf ihre Fans achtet und spürbar auch für besondere Momente sorgen will. Dies gelang an diesem Wochenende gleich mehrfach, wobei etwa der Turniersieg von Absolute Andy im Finale gegen David Starr ein Highlight darstellte, das nur noch vom überraschenden Comeback Ilja Dragunovs getoppt wurde. In dem Augenblick rastete die Crowd dermaßen aus, dass man das Gefühl hatte, das Hallendach könnte jederzeit wegfliegen. Ein Moment, so beeindruckend, dass sogar WWE-Superstar Kevin Owens via Twitter mitteilte, er habe eine Gänsehaut empfunden, als er das sah.

Die wXw ist nicht die WWE, sie ist anders, lauter, intensiver und zu einem gewissen Grad auch verrückter. Aber ist das schlechter oder besser? Das kann jeder Wrestling-Fan nur für sich beantworten. Findet es heraus und besucht eine wXw-Veranstaltung, oder bildet euch über wXwNow eine Meinung. Das „16 Carat Gold“ war eine fantastische Veranstaltung, die zeigte, dass professionelles Wrestling in Deutschland nicht nur möglich ist, sondern auch verdammt gut sein kann!