Basketball hat die NBA, Fußball die Champions League und Wrestling hat World Wrestling Entertainment, besser bekannt als die WWE, den absoluten Primus im Sports-Entertainment-Bereich, bei dem Legenden wie Triple H, John Cena oder der Undertaker unter Vertrag stehen. Für einen Wrestler gibt es wohl kaum einen größeren Traum, als ein WWE-Superstar zu werden – dieser Traum könnte nun bald deutsche Wrestlerinnen und Wrestler wahr werden. 44 Leistungssportler haben es versucht und wurden zum ersten WWE Tryout in Deutschland eingeladen, das in Köln stattfand. Und wir waren einen Tag vor Ort live dabei.

Eine Woche durch die Hölle

Das WWE Tryout ist im Grunde nichts anderes als ein Casting, bei dem die hiesigen Wrestler unter die Lupe genommen werden, sowohl im Ring als auch außerhalb davon. Denn ausschließlich Talent reicht nicht, man muss auch die richtige Einstellung und das gewisse Etwas mitbringen, um es am Ende wirklich zur WWE zu schaffen. Und genau darum geht es in dieser Art Bootcamp. 

Trainer und Wrestling-Veteranen wie Matt Bloom und Robbie Brookside, die normalerweise die WWE-Talente und -Superstars im Performance Center trainieren, haben in dieser Woche die Kandidaten an ihr körperliches Limit und darüber hinaus gebracht. Immer mehr geben, besser sein wollen, die Lust zu haben, ein Star zu sein. Wie verkaufe ich mein Match und wie unterhalte ich die Fans? Darum geht es den Coaches. Sie fördern Talent, versuchen mit ihrer Erfahrung zu helfen und den (vielleicht) zukünftigen WWE-Superstars unter die Arme zu greifen, ihr volles Potential zu entfesseln.

Im Gespräch mit MANN.TV betonte Ilja Rukober, besser bekannt als Ilja Dragunov, dass genau dieser Fakt „eine unglaublich wichtige Erfahrung ist. Coaches wie Matt Bloom und Robbie Brookside, die weit über 1000 Matches in ihrer Karriere hatten – während du mit deinen gerade mal 200 daher kommst – diesen Leuten kannst du nix erzählen, sie sind absolute Experten. Du gehst nach diesen Tagen mit so viel mehr nach Hause, als du mitgebracht hast.“

Die WWE – eine Klasse für sich

Ilja Dragunov dürfte den meisten kein Begriff sein, dabei ist er in der Indie-Szene ein echter Mega-Star und kämpfte bereits in Deutschland, Amerika oder England vor zig tausenden Fans und gilt etwa in der deutschen Wrestling-Liga wXw als einer der absoluten Publikumslieblinge. Das gilt auch für andere Teilnehmer des Tryouts, aber genau das ist der Unterschied. Es gibt weltweit und auch in Deutschland viele, herausragende Talente, die innerhalb der Szene bestens bekannt und erfolgreich sind. 

Aber die WWE ist eben noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Sie ist weltweit tätig, hat mit Wrestlemania die größte Wrestling-Veranstaltung der Welt geschaffen und Millionen Fans. Es geht um die Chance auf einen möglichen Sprung auf die ganz große Wrestling-Bühne. Und diesen Unterschied merkten in den sieben Tagen auch die Kandidaten, wie Ilja bestätigt: 

„Sind wir doch mal ehrlich. Die meisten sind durch die WWE zu Wrestling-Fans geworden und so ging es auch mir.  Denn hier sind eigentlich die Besten der Welt. Und als Wrestler will man sich immer verbessern und fragt sich, ob man wirklich gut genug hierfür ist. Mit dem Tryout hat man  nun die Gelegenheit, das herauszufinden. Dieses Tryout ist großartig und eröffnet deutschen Wrestlern mehr Chancen als je zuvor. Es ist unfassbar, mit welcher Euphorie hier gearbeitet wird, die Leute für das Wrestling leben und Teil von etwas Großem sein wollen und stolz darauf sind.“

Einmal WWE-Superstar sein

Unzählige Stunden Training, literweise Schweiß und eine einmalige Erfahrung für die Sportler, aber am Ende steht die Frage: Hat der Wrestler oder die Wrestlerin wirklich das Zeug, ein WWE-Star zu werden? Leider konnten wir nicht in Erfahrung bringen, ob es einer der 44 Kandidaten am Ende geschafft hat und ins berühmte WWE Performance Center in Amerika eingeladen wird. 

Auch die Wrestler selber berichteten uns, dass sie noch keine Beurteilungen erhalten haben und somit einfach nur ihr Bestes geben können – und müssen.  Aber eines steht definitiv fest: Es ist kein Zufall, dass die WWE ein solches Tryout in Deutschland abhält. Der deutsche Markt ist für die größte Wrestling-Liga der Welt wieder interessant geworden. Die Fanbase hierzulande wächst und man hat mittlerweile eine Indie-Szene, die selbst über die Grenzen hinaus für Aufsehen sorgt. 

Die Wahrscheinlichkeit ist jedenfalls gestiegen und das sieht auch abschließend Ilja Dragunov so: „Wenn man jemals die Karriere eines Wrestlers einschlagen und mit Wrestling anfangen wollte: Jetzt ist die Gelegenheit dazu! So etwas wie das hier, das erste deutsche WWE Tryout, ist einfach großartig und die Chancen waren nie so gut wie heute.“ 

Wer weiß, vielleicht sehen wir in naher Zukunft wirklich endlich einmal auch einen deutschen Wrestler bei Wrestlemania?