Am 6.April 2014 ist es wieder so weit: Wrestlemania steht vor der Tür und jährt sich 2014 bereits zum 30. Mal! Grund genug für mann.tv, wrestlingbegeisterten Herren der Schöpfung einen kleinen Vorgeschmack auf das Mega-Event zu bieten. Wir sprachen mit WWE Diva Natalya: über das kommende Ereignis und ihre Teilnahme bei „Total Divas“. Über die Wichtigkeit, von (männlichen) Fans angehimmelt zu werden, – aber auch über den Druck, dem man unterworfen ist, wenn man Teil eines so berühmten Wrestler-Clans ist. Im Gespräch begegnete uns Natalya ebenso bodenständig und menschlich wie auch ambitioniert: eine Dame, die weiß, was sie will.  
 
Wrestlemania 30 – eine lange Zeit, in der viel passiert ist. Was ist dein persönlicher Lieblingsmoment bei Wrestlemania – und wieso?
Das war definitiv Wrestlemania 26. Weißt du, das Leben eines Wrestlers ist geprägt von Reisen und Touren – es ist ein Job, den wir lieben, aber man ist auch viel unterwegs. Da war es einfach schön, bei Wrestlemania 26 die ganze Familie versammelt zu sehen. Als Mitglied der Hart-Familie stehe ich da natürlich in langer Tradition und dann noch das Highlight der Fehde zwischen meinem Onkel Bret und Mr. McMahon. Die ganze Familie war versammelt, um mitzufiebern. Ein toller Moment, der für mich unvergesslich bleiben wird.     

Für dich als WWE Diva, was macht Wrestlemania so besonders? So besonders, dass sich seit Jahren Städte um eine Austragung bewerben, wie es sonst nur etwa bei den Olympischen Spielen der Fall ist.
Das Besondere an Wrestlemania ist einfach die schiere Größe, der Umfang. Dann die Nähe zu unseren Fans. Es ist einfach eine riesige Plattform – nicht nur für die WWE und unsere Fans, sondern für wirklich alle Beteiligten. Da geht es nicht nur um das reine Showevent und die Kämpfe, sondern um weit mehr. Vor allem auch darum, etwas zurückzugeben und die Gesellschaft als Ganzes zu stärken. Das gilt für die ganze WWE, nicht nur für Wrestlemania. Die Menschen zu stärken, die Kraft aus unserem Tun ziehen. Das macht es für mich aus. Der Gesellschaft etwas zurückzugeben.  

Wrestlemania besteht ja nicht nur aus dem eigentlichen Event. Die Hall of Fame-Veranstaltung ist genauso Teil der Zeit, wie verschiedene Fanfests und die fast schon legendäre anschließende RAW-Ausgabe. Menschen aus der ganzen Welt reisen an, um an diesen Tagen Wrestling zu zelebrieren. Bei all dem Stress: Kriegt ihr überhaupt mit, aus wie vielen verschiedenen Ländern die Fans angereist sind und wie die Stimmung in der Stadt ist?
Sicher, wir sind uns dessen natürlich voll bewusst und unseren Fans dankbar, welche Strapazen sie auf sich nehmen, um mit uns gemeinsam Wrestling zu erleben. Die Stimmung ist einfach immer großartig, was an unseren fantastischen Fans liegt, die stets respektvoll und höflich sind – auch im Umgang mit uns. Und wie ich schon sagte, es geht eben nicht nur um das eigentliche Event: Mit unseren Kampagnen wollen wir etwas von der positiven Stimmung, die wir bekommen, zurückgeben.  Wrestlemania steht nicht nur für die Events, sondern auch für Charity, zum Beispiel für unsere Kampagne „Wrestlemania Reading Challenge“, die den Leuten das Lesen näherbringen sollen. Oder unsere Kampagne gegen Mobbing und Gewalt an Schulen.

Apropos Stress: Seit einiger Zeit läuft in den USA sehr erfolgreich die Realityserie „Total Divas“  – und auch der Start am 27. Januar in Deutschland auf E! Entertainment steht vor der Tür. Was war dein erster Gedanke, als du erfahren hast, dass es zu dieser Serie kommen wird, wo auch du eine Rolle spielst?
Ich empfand es als riesige Ehre, dass Größen wie Mr. McMahon und die Leute bei E! und der WWE mich ernsthaft für eine Teilnahme an der Show in Betracht zogen – gemeinsam mit Eva Marie und Jojo vor der Kamera zu stehen. Einfach toll! Natürlich war ich am Anfang supernervös, aber das lag nicht so sehr am eigentlichen Druck der Sendung oder der Kameras. Daran gewöhnt man sich als Wrestlerin. Der Druck kam von mir selber. Ich fragte mich, ob ich damit umgehen könnte, wenn die Leute zuhause sehen, wie ich lebe. Wenn sie mich mit meinen Fehlern erleben. Ich bin nämlich eine Perfektionistin und konnte eine Zeitlang nicht mit diesem Gefühl umgehen – bis ich es als Teil von mir akzeptiert habe.

Die Kamera ist stets präsent und begleitet euch sowohl backstage als auch bei sehr privaten Momenten. So wurde etwa deine Hochzeit mit Tyson Kidd aufgenommen und ausgestrahlt. Wie ist es für dich als Diva, solche privaten Momente mit den Zuschauern zu teilen? Und gab es Situationen, bei denen du die Notbremse gezogen hast?
Naja, darauf wollte ich hinaus: Man darf eben keine Angst haben, auch seine Fehler zu zeigen. Ich habe mich relativ schnell entspannt und erkannt, dass meine Fehler mich natürlich auch als Mensch definieren. Und so zeige ich meine wirkliche Persönlichkeit in dieser Sendung, mit allem, was mich ausmacht – und teile diese Momente mit meinen Fans. Aber natürlich habe ich auch eine persönliche Grenze, wie wohl jeder Mensch.

Die Show ist überaus erfolgreich und erreicht auch Zielgruppen außerhalb des Wrestlings. Wie erklärst du dir dies? Und gibt es bereits neue Ideen und Pläne, diesen Erfolg auszubauen?
Ich kann es dir nur damit erklären, dass wir authentisch und ehrlich sind, sich dadurch auch andere Leute für das Leben einer Diva interessieren. Was langfristige Pläne angeht, so weiß ich darüber nichts. Aber ich kann sagen, dass ich persönlich keine langfristigen Pläne mache. Ich lebe mein Leben so, wie es kommt – Planungen können da meist eh nicht mithalten. Ich liebe die Erfahrung, dass jeder Tag anders ist, mir ganz neue Chancen bietet. Das möchte ich mir durch Langzeitpläne nicht selbst nehmen.

Dann kann ich mir die nächste Frage ja fast sparen. Ich wollte dich eigentlich fragen, ob du nach deinen mittlerweile sieben Jahren bei der WWE schon absehen kannst, wie lange du noch weiter wrestlen möchtest. Und ob du schon Pläne für die Zeit danach hast ...
Ich nehme das Leben wirklich, wie es kommt. Aber ich kann dir sagen: Mein Leben als Diva, wie es bislang verläuft, ist einfach fantastisch. Da sehe ich gar keinen Grund, irgendetwas für Zeiten nach oder außerhalb der WWE zu planen. Weil ich mich hier glücklich fühle. Ich liebte es, ein Teil von RAW zu sein und auch wieder bei Smackdown. Ich war Diva Champion. Erlebe neue Talente, die in die Branche eintreten. Und kann mich mit ihnen messen. Ich bin glücklich, mache genau das, was ich gerne machen möchte – und bin dankbar dafür. Das ist ein Geschenk, das wirklich nicht jeder hat. Aber dass ich glücklich bin, darf man nicht mit Zufriedenheit verwechseln, wenn es um meinen Ehrgeiz geht. Ich habe eine harte Arbeitsmoral, will mich stetig verbessern und wrestlerisch an mir arbeiten.   

Ein gutes Stichwort. Kommen wir auf dein Leben als WWE-Diva zu sprechen. Du giltst unter Fans als eine der wrestlerisch stärksten Diven. Kein Wunder, wenn man Leute wie Jim „The Anvil“ Neidhart und Bret Hart in der Familie hat. War dieser Familienhintergrund für dich zu Beginn deiner Karriere eher hilfreich, oder doch eine schwere Last, da mit dem Namen „Hart“ gleich andere Erwartungen verbunden sind?
Nein, es wird dich überraschen, aber auch hier ist die Antwort: Der Druck kam vor allem von mir selbst. Von meinem eigenen Perfektionismus. Wenn man im Leben seinen Weg gehen will, dann muss man genau das tun: Seinen ganz eigenen Weg beschreiten. Sich ein Vermächtnis schaffen, sich von den Erwartungen lösen, die an einen gerichtet werden. Das klingt schwer, gerade bei meiner Familie, mit Legenden wie Dad, Onkel Owen oder Onkel Bret. Aber genau deshalb muss ich auch meinen eigenen Weg gehen und mich durchsetzen. Das ist nichts, worauf man sich ausruhen darf.

Wie hat man sich deinen Alltag als WWE Diva vorzustellen und welche Kniffe und Tricks nutzt du, um Privatleben und Berufsleben unter einen Hut zu bringen?
Ich versuche, die Balance zu halten. Das ist das Wichtigste: dass das Leben im Gleichgewicht ist. Habe ich von einem Aspekt sehr viel, versuche ich, das mit einem anderen Aspekt auszugleichen. Ich bin ein absoluter Familienmensch – musste ich also viel reisen, dann kannst du dich darauf verlassen, dass ich die Zeit danach oder in längeren Zeiträumen dazwischen Kontakt mit meiner Familie halte. Ansonsten versuche ich, mein Leben so zu bestreiten, dass ich im Umgang mit anderen so höflich bin, wie ich es selbst von anderen erwarte. Fair bleibe. Fairness und Balance helfen mir, auf dem Boden zu bleiben. 

Viele männliche Fans sehen in euch natürlich Traumfrauen und Sexsymbole. Hand aufs Herz, ist dieser Umstand für euch Diven eher förderlich oder störend? Und gab es bestimmte Momente, wo du dich gar sehr geschmeichelt fühltest?
Sicher, schmeichelhafte Momente gab es. Um ganz ehrlich zu sein: Das gehört dazu. Es ist Teil des Jobs als WWE-Diva, ein wenig angehimmelt zu werden – und welcher Frau gefällt das nicht? Das ist etwas, das einem als Frau Bestätigung verleiht. Es ist also durchaus förderlich – stören darf uns an unseren Fans ohnehin nichts und sollte es auch nicht. Wir haben nämlich die großartigsten Anhänger überhaupt. Als Menschen, die im Licht der Öffentlichkeit stehen, gehört der Kontakt mit ihnen – und damit der Respekt vor ihnen – einfach zum Job. Ich weiß, das klingt jetzt wieder sehr abgedroschen, aber ich meine das so. Wir sind auf einer Reise, die WWE, ich und meine Fans – und Nähe und das Gefühl der Gemeinsamkeit gehört dazu. Das kannst du bei mir auch persönlich und live erleben, ein Blick in meinen Twitter-Account reicht, um zu sehen, dass ich hinter dem stehe, was ich hier sage. Ich folge dort auch meinen Fans, beantworte ihre Fragen. Mir ist das sehr wichtig.  

Vielen Dank für deine Zeit. Abschließend bleibt natürlich die Frage aller Fragen: Wenn du die Wahl hättest, gegen wen würdest du am liebsten im Ring stehen?
Ganz ehrlich? Da muss ich nicht lange überlegen. Die Bella Twins. Ich kenne sie seit unserer gemeinsamen Zeit in der FCW. Das sind taffe, tolle Ladys, die sich vor allem durch eines auszeichnen: Sie sind hungrig. Ehrgeizig. Sie arbeiten konstant an sich selbst, verbessern sich und scheuen vor keinem Wettstreit zurück. Da sind wir uns sehr ähnlich, die beiden und ich. Ich würde mich gerne mit ihnen messen, aber wenn es dazu käme, dann richtig: wenn ich gegen sie antreten dürfte, dann allein gegen beide. Im Tag-Team. 

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