Diese Comic-Serie in Schwarz und Weiß, nimmt den Leser nun schon seit etlichen Jahren mit hinab in eine Welt, die schrecklicher eigentlich gar nicht sein kann. Es geht in eine Welt, in der die Restbestände der Menschheit sich tagtäglich dem Überlebenskampf stellen müssen. Diese Schlacht wird jedoch nicht nur draußen im apokalyptischen Wirkungsbereich gegen Zombies ausgetragen, sondern auch gegen andere Überlebende, die oftmals weder Moral, Ethik noch Menschlichkeit innetragen.

Auch die sozialen Aspekte spielen unter ihnen eine Rolle, die des Öfteren zu einem noch schwierigeren Faktor im Kampf um die eigene Haut werden.  Diese Comic-Reihe atmet die Luft des Sozialdramas wie kein anderes, verbindet dies mit Survival-Horror, Charakterabgründen und nicht zu vergessen mit der endzeitlichen Zombieinvasion. Jeder Fan von Graphic Novels, der einen Hang zum Zombietum oder menschlichen Tragödien verspürt, kommt an der „The Walking Dead“-Reihe nicht vorbei.

Die Geburt des apokalyptischen Wahnsinns

Den Zombie-Hype ins Rollen brachte der renommierte US-Verlag Image Comics, der im Oktober 2003 den allerersten Einzelband der Serie veröffentlichte. Mittlerweile ist „The Walking Dead“ beim 103. Band angekommen und die Geschichte ist noch lange nicht erzählt. Leser und Fans hierzulande wurden im Jahr 2006 infiziert, als es der Zombiekult über den großen Teich geschafft hatte. Dafür verantwortlich zeichnete sich damals wie heute der deutsche Comic-Verlag Cross Cult aus, der die Serie in Deutschland populär machte. Besonders hochwertig im Hardcover produziert, gibt es die schwarz-weiße Zombiekunst mittlerweile in 18 Sammelbänden, wovon der aktuellste Band den Titel „The Walking Dead 18: Grenzen“ trägt. Ins Deutsche übersetzt findet der geneigte Leser pro Band einen Teil der beeindruckenden Geschichte der US-Einzelbände.

Die Macher des apokalyptischen Wahnsinns

„The Walking Dead“ besitzt eine extrem tief gehende Story, die fast jede Ecke des Möglichen und Unmöglichen beleuchtet, sodass die größte Ehre dem Autor gebührt. Dies ist kein geringerer als Robert Kirkman, der auch für Titel wie „Invincible“ oder „Marvel Zombies“ seine Feder in die Tinte tauchte. Seit Beginn der TWD-Comic-Serie ist er derjenige, der die schwarz-weißen Panels mit seinen Texten verbindet. Für die Zeichnungen stand bis zur sechsten Ausgabe Tony Moore Gewehr bei Fuß, wurde aber vom Briten Charlie Adlard als Zeichner ersetzt. Seitdem sind Kirkman und Adlard ein schier unzertrennliches Team, bei dem sprichwörtlich der Deckel seinen Topf gefunden hat. Sie agieren sehr stilvoll miteinander, schaffen Produktivität und treiben diese grandios fesselnde Geschichte von Ausgabe zu Ausgabe immer weiter voran.

Die Geschichte des apokalyptischen Wahnsinns

Diese handelt von einer Gruppe Menschen, die in einer Welt leben, in der man sekündlich um sein Leben fürchten muss. Dafür verantwortlich ist eine Seuche, die einen Großteil der Erdbevölkerung dahingerafft oder alternativ zu gierigen, Fleisch verspeisenden Zombies gemacht hat. Wann genau dieses apokalyptische Szenario ausbrach - dazu schweigt der Autor. Dabei ist es ziemlich egal, wann, wo oder wie diese menschliche Endzeit entstanden ist. Was das Grüppchen Überlebender um den Kleinstadtpolizisten Rick Grimes tangiert, ist fortan eh nur eines, Überleben um jeden Preis! „The Walking Dead“ beginnt in Band eins mit Rick, der nach einem Einsatz schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht wird. Als er dort aus dem Koma erwacht, muss er erschrocken feststellen, dass er alleine ist im Hospital. Und weit mehr noch, alles liegt in Trümmern und Blutschmierereien verzieren die Gänge des Krankenhauses. Draußen vor der Türe schaut dieses unglaubliche Weltbild noch wesentlich schlimmer aus.

Zu all dem Übel gesellt sich ein noch schier unglaublicheres Straßenbild hinzu - Zombies, umherwankende Untote, die das Straßenbild zum puren Horrorszenario umgestalten. Ziemlich viel Chaos für den angeschlagenen Polizisten, der aber dennoch eines nicht verloren hat, Hoffnung. Eben diese Hoffnung ist übrigens eines der existenziellen Antriebspunkte im gesamten Walking Dead-Kosmos - die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Daher macht sich Rick auf den beschwerlichen Weg, seine Familie wiederzufinden. Denn sein Lebensmut ist noch lange nicht erloschen.

So schafft er es tatsächlich nach den ersten Stunden in der neuen lebensfeindlichen Welt, eine Gruppe Überlebender zu finden, darunter auch seine Frau Lori sowie Sohnemann Carl. Von nun an fühlt er sich dazu berufen, diese Gruppe anzuführen und unter Einsatz seines eigenen Lebens, das Häufchen Menschen zu beschützen – vor den Zombies, perversen Banden als auch voreinander. Angetrieben werden sie von der bereits erwähnten Hoffnung, denn der Zukunftsglaube nach einer neuen Zuflucht, einem neuen Domizil in dieser geschrotteten, lebensgefährlichen Welt, hält sie am Leben – nun ja, nicht alle natürlich. Denn die Sterberate oder die Chance in einen Zombie verwandelt zu werden, ist logischerweise überaus hoch.

Die Gruppe reist infolgedessen von Ort zu Ort, von Zuflucht zu Zuflucht, sie verlieren teilweise auf tragische Weise ihre Liebsten, Weggefährten und Freunde. Sie kämpfen gegen eine Armee von Zombies, gegen selbst ernannte Führer, Perverslingen, gegen Abgründe der Menschlichkeit und gegen sich selbst. Nur eines ist gewiss, das Leben in Zombieland ist hart, denn Leid frisst Seele auf! An dieser Stelle wollen wir auch gar nicht zu viel verraten. Vor allem für jene nicht, die eben jetzt erst frisch in diese Reihe einsteigen möchten. Denn das eigene Erleben dieser epischen Geschichte, mitsamt seinen Gefühlsauslösern, muss man einfach selbst angehen.

The Walking Dead: Das Innenleben

Es gibt Vieles an dieser Serie, was man in den Comic-Himmel loben kann. Doch das, was „The Walking Dead“ wirklich an die Spitze des Genres treibt, ist, dass es eben alles andere ist, als ein stupides Gemetzel Mensch gegen Zombie. Sicherlich geht es stellenweise brutal und blutrünstig zur Sache, aber der Fokus liegt eben nicht darauf, dass sich auf unterschiedlichste Art und Weise die Eingeweide aus den Körpern geprügelt werden. „The Walking Dead“ blickt wesentlich tiefer in die Abgründe einer solchen Zeit und deren Bewohnern. Das Hauptaugenmerk wird in dieser Serie klar auf die Charaktere, deren Entwicklung, sozialen Problemen sowie den zwischenmenschlichen Dramen in dieser lebensschädlichen Welt gelegt. Charlie Adlard ist diesbezüglich ein begnadeter Zeichenstiftschwinger, der die teils heftigen Emotionen in seinen Bildern perfekt zu transportieren weis. Außerdem generiert er mit seinen erstklassigen Schwarz-Weiß-Zeichnungen eine eindrucksvolle, düstere Endzeitatmosphäre. Die sichere Fusion von Panels und Text schafft es nachweislich, dass Leser und Betrachter in dieser Serie vielleicht nicht ihr Seelenheil finden, aber mindestens Unterhaltung auf allerhöchstem Niveau. Einmal in ihrem Bann, kommt man einfach nicht mehr davon los. Das ist an dieser Stelle keine Lobhudelei, sondern ein Faktum, dem Fans und Kenner der Serie sicher beipflichten werden.

Infos aktueller Band:

The Walking Dead 18: Grenzen
Erscheinungsdatum: 23.08.2013
Kurzinhalt: Mit US-Heft 100 hat Robert Kirkman sein im Vorfeld mehrfach geäußertes Versprechen gehalten und eine neue Ära eingeleitet. Rick Grimes Zeiten als Anführer neigen sich dem Ende. Er und seine Weggefährten erkennen, dass sie an ihre Grenzen gestoßen sind und sich vor ihnen wirklich eine größere Welt auftut. Eine zwar, die besonders das Böse kennt, die aber auch Schutzengel parat halten könnte … Ezekiel. Band 18 versammelt die US-Hefte 103 bis 108 und liefert das, wofür „The Walking Dead“ berühmt geworden ist: Spannung pur!
Preis: 16,00 €
ISBN: 978-3-86425-100-9