Momentan die größten Themen im Netz: Podcasts und Crowdfunding. Während Podcasts bereits seit längerer Zeit auf dem Durchmarsch sind, positionieren sich derzeit allerlei neue Crowdfunding-Angebote.

Crowdfunding bedeutet, dass interessierte Nutzer ihre Geldspenden zusammenlegen, um die Fertigstellung von Filmen, Musik, Podcasts oder anderen Produkten zu ermöglichen. Eines der größten Crowdfunding-Portale ist Kickstarter. Dort wird einmalig Geld gesammelt, um die kurzfristige Herstellung von Dienstleistungen oder Werken zu finanzieren. Einen Schritt weiter geht das relativ neue Portal Patreon. Dort versammeln sich Leute, um monatlich einen Festbetrag zu bezahlen.

Seit einiger Zeit findet sich dort Radio Nukular, ein Podcast-Projekt über die „besten Erinnerungen der 80er und 90er Jahre“. Das Team hinter Radio Nukular: Christian Gürnth (renommierter Spielejournalist), Max N. Nachtsheim, als Musiker unter dem Namen Rockstah unterwegs, sowie Dominik Hammes, der mit dem Medien-Kuh-Podcast bereits große Erfolge in der deutschen Podcast-Szene vorweisen kann. Wir sprachen mit Christian Gürnth über Patreon, Crowdfunding und den Wunsch, sich kreativ komplett entfalten zu können.

Was ist Radio Nukular?
Radio Nukular ist ein Podcast-Projekt, das seit Monaten geplant und im Juli endlich gestartet wurde. Max und ich wollten ohnehin schon lange zusammen etwas auf die Beine stellen – wie das bei Teams so ist, die keine Ahnung von Technik haben, brauchten wir einen Cast-Großmeister. Als guter Freund und Podcast-Urgestein fiel die Wahl rasch auf Dominik, der ja durch die Medien-Kuh fester Bestandteil der hiesigen Podcast-Landschaft ist.

Warum Crowdfunding? Und warum Patreon im Speziellen?
Zu Beginn hast du die Wahl: Machst du den Cast für lau und schaust, ob du jemanden findest, der ihn auf seiner Seite einbinden will, für Exklusivität zahlt? Oder bist du überzeugt, dass deine Arbeit (und bei allem Spaß, den so ein Cast macht, ist es dennoch ein Haufen Organisation und Recherche) durchaus an Wert besitzt? Und da kam Crowdfunding um die Ecke.

Für uns drei stellt Crowdfunding die perfekte Möglichkeit dar, um so ein Projekt zu finanzieren. Ich hoffe, man hört es unseren Casts an, dass wir versuchen, bestmögliche Recherche zu betreiben. Zudem nehmen wir alle Audiospuren einzeln auf, schneiden sie zusammen und optimieren den Sound. Zeitgleich versuchen wir immer noch, Gastbeiträge von Leuten einzuholen. Und wir kümmern uns darum, dass wir geile Grafiken und generell einen einheitlich-schönen Look für den Cast bekommen. All das ist Arbeit – und es gibt eben Menschen, die Bock haben, solche mit Liebe gemachten Dinge zu vergüten. Die sagen sich: „Ey, ich sehe den Einsatz, den die Jungs in die Arbeit stecken, und wertschätze ihn! Das ist mir 2,5 oder auch 10 US-Dollar im Monat wert!" – ein entscheidender Punkt übrigens bei Patreon im Gegensatz zu Kickstarter: Projekte werden monatlich finanziert. Man holt sich im Prinzip ein Abo für Projekt X.

Aktuell steht ihr bei rund 320 US-Dollar im Monat. Inwieweit deckt sich das mit euren Erwartungen? Habt ihr mehr erwartet? Seid ihr überrascht?
Wir haben immer gesagt, dass wir cool damit sind, wenn sich 2-10 Leute finden, die ein paar Dollar in den Pott werfen. Dass es jetzt mtl. mehr als 320 $ sind, ist für uns richtig geil. Natürlich gibt es beispielsweise mit Insert Moin ein Podcast-Projekt, das bereits bei über 1000 $ steht und ebenfalls aus Deutschland kommt – aber man darf deren und unsere Wurzeln nicht vergleichen. Insert Moin ist ein täglicher Cast, von dem lange vor Patreon einige hundert Folgen veröffentlicht wurden. Wir sind direkt auf Patreon gestartet, jeder kann unseren Cast kostenlos hören, aber auch gerne Geld in die Gemeinschaftskasse werfen.

Bereits Stunden nach Veröffentlichung unseres Konzepts und des ersten Casts bekamen wir massenweise Mails von Leuten, die den Cast total geil finden, aber auch sagen: „Jungs, macht erstmal 3-5 Casts, zeigt, wie ernst ihr es meint, dann gebe ich gerne meine 20 $!" – und genau auf dem Weg befinden wir uns. Mit der derzeitigen Entwicklung sind wir mehr als zufrieden, auch auf Patreon.

Wie viele Leute hören denn Radio Nukular pro Folge?
Aktuell gibt es ja erst drei Folgen. Folge 1 ist über die Ghostbusters, Folge 2 beschäftigt sich mit den Simpsons und Folge 3 mit Resident Evil. Folge 1 wurde bisher 27000 Mal runtergeladen, Folge 2 rund 26000 Mal. Folge 3 hängt bei 20000 Downloads. Aber die Zahlen wachsen stetig. Gerade weil wir nach Veröffentlichung bisher immer in den deutschlandweiten und kategorieübergreifenden Charts auf dem ersten Platz landeten und von Apple als „besonderer Podcast“ gefeatured wurden, stagnieren die Downloads nicht.

Es gibt Leute, die 300 US-Dollar für ein Shirt von euch zahlen. Macht dir das Angst?
Wieso sollte es? Für jeden gespendeten Betrag erreichen Hörer einen gewissen Status. Ab 13 $ im Monat gibt es nach einem Jahr den limitierten Jutebeutel. Für monatlich 19 $ gibt es eine persönliche Grußnachricht zum Geburtstag. Und bei den von dir angesprochenen 300 $ hat man 12 Monate lang je 25$ gegeben und bekommt ein limitiertes T-Shirt. Natürlich würde niemand ein Shirt für 300 $ kaufen, es geht vielmehr um den Akt der Unterstützung. Wir haben auch einige Leute, die uns via Paypal pro Folge Geld überweisen – die fallen zwar nicht in die Patreon-Summe, aber sind halt da, ohne dass sie „eine Gegenleistung materieller Strahlkraft“ erwarten. Man darf nie vergessen: Die Leute haben Bock drauf und machen es freiwillig.
 
Wohin wollt ihr mit Radio Nukular noch? Im Bezug auf Patreon und allgemein?
Bei Patreon nehmen wir das, was wir kriegen können. Richtige Ziele haben wir nicht, wir sind eher dankbar für jeden einzelnen Menschen, der uns unterstützt. Klar wäre es geil, zu sehen, dass der Betrag irgendwann vierstellig ist und einer von uns eventuell davon seine Miete zahlen kann. Aber bis es so weit ist, wollen wir kleine Brötchen backen.

Meine persönliche Wunschvorstellung, an deren Planung ich/wir derzeit aber auch sitzen, ist eine Live-Podcast-Aufnahme mit Publikum. Richtig schön mit Leuten, die allesamt die gleichen Interessen haben und Bock auf Nostalgie. Zudem eröffnen sich durch Livestreams und Co. Möglichkeiten, über die wir derzeit aktiv nachdenken. In naher Zukunft heißt es aber erstmal, dass wir statt einem Cast pro Monat jetzt zwei Casts machen werden.

Danke und viel Erfolg weiterhin mit eurem Cast!
Ich habe zu danken. Und möchte jedem Kind der 80er und 90er Jahre unseren Cast empfehlen. Sei es auf radionukular.de zum Download, via iTunes oder direkt bei Patreon als Unterstützer