Neue Macbook-Prozessoren, ein zylinderförmiger Hochleistungsrechner, Software-Updates – Apple-Chef Tim Cook hatte auf der WWDC-Eröffnungskonferenz am vergangenen Montag viel zu erzählen. Besonders viel Aufsehen erregte dabei iOS 7. Wir fassen alle kommenden Neuerungen noch einmal für euch zusammen.

Generalüberholtes iOS 7

Jedes Jahr stellt Apple ein neues Betriebssystem für Mac-Computer und mobile Geräte vor, das ist ein verlässlicher Rhythmus. Doch diesmal war alles anders, denn iOS 7 bietet nicht nur eine Fülle neuer Funktionen, sondern löst sich nach sechs Jahren iPhone-Geschichte vom grundlegenden Design-Geschmacksmuster – und erntete dafür frenetischen Beifall.

Es scheint, als habe Star-Ikone und Chefdesigner Jonathan Ive das geschafft, woran sein Vorgänger gescheitert ist: das „fortschrittlichste Smartphone der Welt“ mit einer modernen Software auszustatten. Die Frischzellenkur reicht tief hinein in die Wurzeln des antiquierten Betriebssystems. Vom Skeumorphismus, dem Nachahmen von  Materialen der realen Welt, ist nichts mehr zu sehen. Stattdessen kommt iOS 7 mit transparenten Hintergründen und minimalistischen Schwarz-Weiß-Grafiken ohne Schnickschnack daher. Schattenwurf, Reflexionen, Filz- und Holztexturen? Raus damit! Apple befreit sich endgültig vom Pixel-Leder.

Die Änderungen am optischen Konzept sind gravierend. Damit der glattgebürstete Look nicht zu flach wirkt, setzt Apple auf eingebaute Parallax-3-D-Effekte – bei Bewegung des iPhone vermitteln diese den Eindruck, als würden die Icons über dem Hintergrund schweben. Eine Spielerei, doch iOS 7 trumpft auch bei der Bedienung auf. Ordner können nun mehrere Seiten haben, das Control Center gewährt mit einem Wisch Schnellzugriff auf die wichtigsten Funktionen und das verbesserte Multitasking ist weniger stromhungrig. Außerdem sollen App-Updates in Zukunft auf Wunsch automatisch ablaufen.

Die wohl beste Neuerung für Männer: iOS soll bereits nächstes Jahr das Auto erobern, ein Dutzend Automobilhersteller wollen diverse Apps sowie den Sprachassistenten Siri in ihre Fahrzeuge integrieren. Unterwegs eine SMS diktieren, um ein Date klarzumachen? Geht ebenso, wie mit der Blondine auf dem Beifahrersitz das nächste Restaurant anzupeilen. Und weil man sich als Kerl mit einem feminin plappernden Navi lächerlich macht, beherrscht Siri nun auch eine Männerstimme.

Last, but not least: der iCloud-Schlüsselanhänger. Der entpuppt sich als verlässlicher Passwortspeicher und funktioniert dank iCloud-Anbindung sogar geräteübergreifend. So wandern alle Codes, Kreditkarteninformationen et cetera in die Datenwolke, natürlich mit Sicherheitsschranke. Sich nie wieder Passwörter merken zu müssen – davon hat doch jeder geträumt. Vor allem, wenn man mal wieder einen über den Durst getrunken hat und die Hirnzellen die nötigen Informationen hartnäckig verschweigen.

Eine Beta-Version von iOS 7 kann von registrierten Entwicklern bereits ausprobiert werden. Ausgeliefert wird das Betriebssystem aber wahrscheinlich erst im Herbst zusammen mit dem nächsten iPhone.

Sparsames OS X Mavericks

Optisch unterscheidet sich das neue Mac OS namens Mavericks nicht sonderlich von OS X Mountain Lion, der anstehende Design-Umsturz wird wohl bis zur nächsten Version auf sich warten lassen. Dafür hat Apple kräftig unter der Haube geschraubt, in Mavericks steckt gleich eine Handvoll neuer Technologien wie Compressed Memory, App Nap und TimerCoalescing. Dadurch werden Prozesse optimiert und Ruhephasen verlängert, sodass Mavericks um bis zu 72 Prozent stromsparender arbeiten soll. Diese Energieeffizienz dürfte sich zudem in den kommenden Notebooks niederschlagen, wenn das Betriebssystem im Herbst erscheint.

Weitere Neuerungen im Kurzüberblick

  • Die neuen Macbook-Air-Modelle erhalten Intels batterieschonende Haswell-Prozessoren. Die Akkulaufzeiten sollen 11 Stunden beim 11-Zoll-Modell und 12 Stunden beim 13-Zoll-Modell betragen.
  • iBooks kommt auf den Mac. Bücher müssen nun nicht mehr in iTunes verwaltet werden.
  • Apples Pendant zu Microsoft Word geht online: Die Bürosoftware iWork erhält eine zusätzliche Version, die komplett im Browser läuft und keinerlei Funktionen der Desktop-App vermissen lassen soll. iWorkCloud, so der Name, ist die Antwort auf die Konkurrenzdienste Google Drive und SkyDrive.
  • Im Herbst soll ein neuer Mac Pro erscheinen. Der röhrenförmige Hochleistungsrechner hat mit 12-Kern-Prozessor und doppelter Grafikeinheit genügend Power, um kommende 4k-Displays ansteuern.
  • Der neue Musikdienst iTunes Radio soll Spotify und Co. Paroli bieten. Dank Werbefinanzierung ist kein Cent nötig, um querbeet Songs zu hören. Das Genre soll sich einschränken lassen, gezielte Lieder dürfen aber nicht gesucht werden. Bislang dudelt iTunes Radio jedoch nur in den USA aus den Kopfhörern.

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