Kunst und Handwerk sind unabdingbar miteinander verflochten. Sei es der Bildhauer, der mit Hammer und Meißel aus einem Steinblock eine Nymphe hämmert, ein Maler, der mit Pinsel und Farbe Gedanken und Emotionen sichtbare Formen verleiht oder eben der Musiker, der quasi ein Leben lang übt, um sein Instrument zu beherrschen. Einen bemerkenswerten Sonderfall stellt dabei die schwedische Folktronica-Band Wintergatan dar. Denn die Combo um Frontmann Martin Molin spielt nicht nur gerne mal auf selbstgebauten Instrumenten, diese sind auch noch so kunst- und eindrucksvoll gearbeitet, dass sie schon in Museen ausgestellt wurden.

Das mit über 109 Millionen Klicks wohl berühmteste Werk von Wintergatan ist das Musikvideo „Marble Machine“. In diesem spielt Molin auf einer seltsam anmutenden Maschine, die am ehesten als Mischung aus Drehorgel und Spieldose zu beschreiben ist. Tatsächlich handelt es sich dabei aber um eine hochkomplexe, von einer Handkurbel angetriebene Murmelbahn, bei der mehr als 2000 Stahlkugeln über ein ausgeklügeltes System nach oben transportiert werden, um von dort gezielt auf verbaute Musikinstrumente zu fallen und dann dem Transportkreislauf wieder zugefügt zu werden.

Ähnlich der mit Stiften versehenen Drehwalze einer Spieldose wird die Klangabfolge der Marble Machine durch zwei „Programmier-Räder“ gesteuert, welche einzelne Murmeln gezielt für den Fall auf Vibraphon, Bass-Gitarre und Becken freigeben. Darüber hinaus erzeugt ein Tonabnehmer diverse Schlagzeugklänge und die einzelnen Instrumente können während des Betriebs sogar manuell dazu- oder stummgeschaltet werden.

Das Ergebnis dieses Meisterwerks irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn kann sich nicht nur sehen, sondern auch hören lassen. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Maschine komplett von Hand und ohne genaue Planung im Vorfeld gebaut wurde. Ein robusterer und technisch deutlich aufwändigerer Nachfolger für eine geplante Welttournee ist bereits seit Januar 2017 im Bau. Den Fortschritt könnt ihr auf dem Youtube-Channel von Wintergatan verfolgen.