Des Mannes Heim ist seine Burg – im Falle eines spanischen Star-Architekten ist das wörtlich zu nehmen. Der machte aus einer ehemaligen Zementfabrik genau das: eine Burg, „La Fábrica“ genannt. Zwei Jahre reiner Arbeitszeit, seit den 70ern verteilt über mehr als vier Jahrzehnte, stecken in dem Bau mit dem wuchtigen Aussehen.

Bofill und sein „Taller de Arquitecura“ zeichnen weltweit für einige beeindruckende Gebäude verantwortlich, darunter Les Halles sowie das Christian-Dior-Hauptquartier in Paris, das Shisheido-Gebäude in Tokyo, der JP-Morgan-Wolkenkratzer in Chicago und das Hotel Shangri-La in Peking. Sowie das Herzensprojekt „La Fábrica“, in dem Bofills Büro und sein Team nun stationiert sind. Die Anlage vor den Toren Barcelonas bestand ursprünglich aus 30 Silos, vier Kilometern unterirdischer Galerien und einem 105 Meter hohen Fabrikschlot – Orte, die nun als „Home Office“ dienen. Das moderne Schloss beweist, dass Bofill auch aus dem hässlichsten Ding etwas Wunderbares erschaffen kann.

Wie Bildhauerei mit Zement

In den verbliebenen acht Silos (22 ließ der Star-Architekt einreißen) sind nun Gastarchitekten und Übernachtungsgäste untergebracht. Die unterirdischen Tunnel sind von Oberlichtern erleuchtet – sie verbinden verschiedene Arbeitsräume und Labore, darunter eine Kammer für 3D-Modelle, Archive sowie eine Mitarbeiterküche. Der beeindruckendste Bereich: „La Catedral“ (Die Kathedrale), mit einer zehn Meter hohen Decke sowie Zementplastiken, benutzt für Messen, Ausstellungen und Konzerte.

Über der Kathedrale: Bofills nicht weniger beeindruckende Wohnung. Der Meister bezeichnet seine Arbeit als Bildhauerei, bei der etwas Schönes, Einzigartiges „aus dem Zement entsteht“. Einer seiner Partner im Architekturbüro über „La Fábrica“: „Viele Leute behaupten, ein Objekt müsse seiner Funktion entsprechend aussehen und das stimmt nicht“, so Jean-Pierre Carniaux, „In diesem Fall ist die Anlage eben nicht voller Kies, sondern voller Architekten.

Quelle: Fotos: ricardobofill.com