Simulierter Luftkampf: KI deklassiert menschlichen Top-Piloten mühelos – Im Zuge eines Experimentes ließ das Pentagon einen der besten F-16-Kampfpiloten der Air Force gegen eine künstliche Intelligenz im Luftkampf antreten. Das Ergebnis war ziemlich eindeutig.

Simuliert wurde ein eher altmodischer Dogfight, im Zuge dessen sich die Piloten wie im Zweiten Weltkrieg lediglich mit den Bordkanonen beharken durften, ohne den Einsatz weitreichender Lenkraketen. In einem derartigen Kampf auf nahe Distanz sind die Fähigkeiten der Piloten gefordert. Nur wer den Gegner auszumanövrieren versteht, erzielt Treffer.

In fünf Runden trat der Pilot mit dem Rufnamen „Banger“ gegen die KI des vergleichsweise kleinen Unternehmens Heron Systems an. Letzteres hatte zuvor die Teams größerer Rüstungsfirmen in den Ausscheidungswettkämpfen hinter sich gelassen.

Und das, obwohl man gerade mal ein Jahr mit überschaubarem Budget an dem Computer-Piloten gearbeitet hatte

Ben Bell, Herons Leiter für das Projekt, erklärte auf YouTube: „Selbst eine Woche vor Trial 1 hatten wir Agenten, die überhaupt nicht gut fliegen konnten. Wir haben das Blatt überraschend gewendet, und seitdem sind wir wirklich die Nummer eins.“

Und tatsächlich gelang es der Heron KI, sich rasch hinter ihren menschlichen Kontrahenten zu setzen und dessen F-16 mühelos vom Himmel zu holen. Zwar muss man bedenken, dass in einer Simulation, im Gegensatz zur Realität, vorgegebene Parameter jede Flugbewegung exakt bestimmen, dennoch ist das Endergebnis von 5:0 ernüchternd.

Bereits 2016 besiegte eine KI mit der Rechenleistung eines 35 Dollar Rasperry Pi einen Top Piloten

Gegenüber „Forbes“ warnt der ehemalige Pilotenausbilder Vincent Aiello allerdings davor, zu viel in das Ergebnis hineinzuinterpretieren: „Es hat sich gezeigt, dass Menschen sich in einem wichtigen Bereich im Kampf gegen die KI auszeichnen – sie wissen mit der Art von Unsicherheit umzugehen, die in den heutigen Kampfeinsätzen herrscht.“

Aiello weiter: „Kämpfe finden nicht in sterilen, statischen Umgebungen statt. Sie finden in 3-D und in Echtzeit statt, wo das Wetter, der Gegner und eine ganze Reihe anderer Faktoren ins Spiel kommen.“

In einer Simulation läuft alles unter programmierten Bedingungen, von denen die KI im Gegensatz zum Menschen vollkommene Kenntnis besitzt. Zudem hatte die künstliche Intelligenz Bell zufolge zuvor mindestens 4 Milliarden Simulationen durchlaufen, um zu trainieren.

Banger hatte indes nur fünf Versuche, um sich auf die Gegebenheiten der Simulation einzustellen

Auch nicht ganz unwichtig: Das Flugverhalten der simulierten F-16 entspricht offenbar nicht jenem des realen Pendants. So waren damit Manöver möglich, die in der wahren Welt nicht umsetzbar sind. Von daher änderte Banger nach Runde vier seinen Flugstil, vergaß dabei alles, was er vorher gelernt hatte, und hielt tatsächlich länger durch.

Das Programm, im Zuge dessen die Simulation stattfand, dient dem Zweck, die Rolle des Kampfpiloten neu zu definieren. Zukünftig soll die eigentliche Steuerung des Flugzeugs von der KI übernommen werden, während der Mensch an Bord als Missionskommandant fungiert, welcher den Einsatz des eigenen Jets mit dem unbemannter Drohnen koordiniert.

Von daher werden menschliche Piloten im Cockpit so bald nicht ersetzt werden. Das Ergebnis führt aber dennoch mit aller Deutlichkeit vor Augen, wie chancenlos menschliche Besatzungen gegen künstliche Intelligenzen sein könnten, wenn diese erst einmal die Kontrolle über Flugzeuge, Schiffe oder Panzer übernehmen.

Länder, die über eine derartige KI nicht verfügen, werden im globalen Wettrüsten abgehängt.

Quelle: stern.de