Reisen in Lichtgeschwindigkeit: Wissenschaftler präsentieren Ansatz für Warp-Antrieb – Man sollte nicht alles, was man in Science-Fiction-Filmen und -Serien so sieht, leichtfertig als bloße Fantasterei der Autoren abtun. Immerhin hat der französische Schriftsteller Jules Vernes in seinem Roman „Von der Erde zum Mond“ die Vorbereitungen eines Fluges zum Erdtrabanten bereits 1865 erstaunlich genau durchdacht, und den eigentlichen Flug nebst Rückkehr zur Erde im Folgeroman „Reise um den Mond“ schließlich mit viel Voraussicht skizziert.

Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass Visionäre schon lange über die praktische Umsetzung des sogenannten „Warp-Antriebes“ grübeln, wie man ihn aus der „Star Trek“-Reihe kennt, und welcher dort die Besiedelung des Weltalls überhaupt erst möglich gemacht hat.

Aktueller Stand der Wissenschaft ist, dass die zwei Forscher Alexey Bobrick und Gianni Martire behaupten, ein physikalisches Modell entwickelt zu haben, auf Basis dessen wir in Zukunft in der Lage sein sollen, Raumfahrzeuge mit Überlichtgeschwindigkeit zu bewegen.

„Wir präsentieren das erste allgemeine Modell für subliminale, sphärisch symmetrische Warp-Antriebe mit positiver Energie“, verkünden die Wissenschaftler in einem Aufsatz über ihre Forschungsergebnisse, der später von der britischen „Independent“ zitiert werden sollte.

„Konzeptionell zeigen wir, dass jeder Warp-Antrieb, einschließlich des Alcubierre-Antriebs, eine Hülle aus normalem oder exotischem Material ist, die sich mit einer bestimmten Geschwindigkeit träge bewegt. Daher erfordert auch jeder Warp-Antrieb einen Antrieb. Wir zeigen, dass eine Klasse von subluminalen [= langsamer als Lichtgeschwindigkeit] härisch-symmetrischen Warp-Antriebsraumzeiten zumindest im Prinzip auf der Grundlage der der Menschheit heute bekannten physikalischen Prinzipien konstruiert werden kann.“

Keine Sorge, das alles muss man nicht unbedingt verstehen. Wissen sollte man dazu aber, dass „to warp“ das englische Wort für „verzerren“ ist, und der angesprochene Alcubierre-Warp-Antrieb nach dem theoretischen Physiker Miguel Alcubierre benannt wurde.

Dieser erklärte im Zuge einer im Jahr 2000 veröffentlichten Zusammenfassung seiner Forschungsarbeiten auf dem Gebiet, dass der notwendige Antrieb das Modifizieren der Raumzeit erfordert.

„Durch eine rein lokale Ausdehnung der Raumzeit hinter dem Raumschiff und eine entgegengesetzte Kontraktion davor, ist eine Bewegung möglich, die schneller ist als die Lichtgeschwindigkeit, die Beobachter außerhalb der beeinflussten Region sehen. Die daraus resultierende Verzerrung erinnert an den 'Warp-Antrieb' der Science-Fiction-Welt. Genau wie bei Wurmlöchern wird jedoch exotische Materie benötigt, um eine Verzerrung der Raumzeit zu erzeugen.“

Sprich: Rein theoretisch wäre ein Warp-Antrieb im Rahmen der Einstein’schen Relativitätstheorie denkbar. Zwar würde es normalerweise unendlich viel Energie erfordern, schneller als das Licht zu reisen, das gilt aber nur für Objekte in der Raumzeit und nicht für die Raumzeit selbst, weshalb sich auch das Universum nach dem Urknall in Überlichtgeschwindigkeit ausdehnen konnte.

Allerdings unterscheidet die neue Theorie, laut dem Wissenschaftsmagazin „Popular Mechanics“, ausdrücklich zwischen den Vorstellungen der Verfasser und denen Alcubierres. So sollten Raumzeitblasen für den Antrieb verwendet werden, anstatt die sogenannte „negative Energie“, von der man nicht einmal weiß, ob sie tatsächlich existiert.

Im Inneren der Raumzeitblase würde sich dabei ein Passagierbereich befinden, in welchem die Zeit anders ablaufen könnte als außerhalb des Vehikels. Professorin Sabine Hossenfelder vom Frankfurt Institute for Advanced Studies erklärt dazu:

„Man kann die Geschwindigkeit des Lichts für die Passagiere selbst im Verhältnis zur Raumzeit nicht durchbrechen. Stattdessen bewegt man sich normal innerhalb der Blase, aber die Blase selbst bewegt sich superluminal [= schneller als Lichtgeschwindigkeit].“

Der Aufsatz geht auch auf mögliche Formen und Details ein, welche das Fahrzeug aufweisen sollte, um zu funktionieren. So müssten die Passagiere zum Beispiel nebeneinander – und nicht wie in herkömmlichen Raumfahrzeugen hintereinander – sitzen, da umso weniger Energie benötigt wird, je flacher die Blase in Fahrtrichtung ist.

Bislang hatten sich Weltraumforscher schwergetan, dem Traum vom Warp-Antrieb greifbare Ergebnisse folgen zu lassen. Zwar veröffentlichte die NASA 2014 einen Konzeptentwurf für ein Fahrzeug mit Warp-Antrieb, welches die Reisezeit zum nächsten Stern von aktuell 80.000 Jahren auf vier Wochen reduzieren könnte, jedoch ist man dort noch nicht an dem Punkt, tatsächlich auch an der praktischen Umsetzung der Warp-Antriebstechnologie zu arbeiten.

Aber immerhin, dank der Arbeit von Bobrick und Maritere scheinen die theoretischen Grundlagen dafür nun gelegt zu sein.

Quelle: stern.de