Programm „Zähmung des Himmels“: China will das Wetter kontrollieren – China plant, sich das Wetter untertan zu machen, um dem Klimawandel unter Einsatz von Technik ein Schnippchen zu schlagen. Klingt nach purer Science-Fiction, im kleinen Rahmen ist die Modifizierung des Wetters aber bereits seit Jahrzehnten erprobt.

Damit die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele 2008 in Peking nicht von Regen unterbrochen wird, hat die Regierung seinerzeit Wolken vorsorglich mit Silberjodid „geimpft“. Diese Substanz sorgt dafür, dass sich in der Wolke unzählige Mikrokerne mit hoher Konzentration an Feuchtigkeit bilden, bis es schließlich zu regnen oder zu schneien beginnt.

Erstmals kam diese Technik in den Vierzigerjahren von Seiten der USA zum Einsatz. Im Vietnam-Krieg wurden dann später die Wolken über dem Ho-Chi-Minh-Pfad gezielt mit Silberjodid geimpft, um so die Unterstützung feindlicher Truppen in Südvietnam zu verhindern. Und auch Russland lässt sich das Wetter anlässlich großer Paraden nicht gerne vermiesen.

Peking möchte all das nun toppen und plant im großen Stil eine Art „Wetter nach Fünf-Jahres-Plan“

Dabei soll der Regen in einer Zone von 5,5 Millionen Quadratkilometern kontrolliert einsetzen. In einem kleineren Areal von 580.000 Quadratkilometern soll außerdem Hagel unterbunden werden. Zum Vergleich: Die Bundesrepublik Deutschland misst gerade einmal knapp 360.000 Quadratkilometer.

Die chinesische Regierung hat im Laufe der letzten zehn Jahre bereits Milliarden in die Wettermodifizierung gepumpt. Aktuell arbeiten mehr als 35.000 Menschen an dem Programm, das bereits 2025 an den Start gehen soll.

Die ambitionierten Pläne haben zum Ziel, Naturkatastrophen in Verbindung mit Regenfällen zu verhindern, die Landwirtschaft optimal mit Wasser zu versorgen und Ökosysteme im trockenen Norden Chinas zu revitalisieren.

Mit dem reinen Anzapfen von Wolken soll es dabei aber nicht getan sein

Tatsächlich planen chinesische Wissenschaftler mithilfe eines Programmes namens „Zähmung des Himmels“, ganze Wolkenströme zu lenken. Dazu will man in Gegenden, in denen sich Wolken bilden, das Aufsteigen der feuchten Luftmassen manipulieren, um diese in die gewünschten Strömungen zu lenken. Bestimmte Kanäle am Rande der Troposphäre könnten jährlich fünf Milliarden Kubikmeter Wasser transportieren, und quasi als Wolken-Autobahnen fungieren.

Politisch birgt das Vorhaben ordentlich Zündstoff. Denn wenn man Wolken von ihrem natürlichen Weg ablenkt, entspräche das gewissermaßen der Stauung eines Flusses, dessen Wasser dann woanders fehlt. In diesem Falle wäre dann wohl Indien betroffen, haben die Chinesen doch das Tibet-Plateau und damit Asiens größtes Süßwasserreservat im Blick.

Quelle: stern.de