Möglicher Ersatz für Zootiere: Täuschend echter Robo-Delphin – Die sogenannten „Animatronics“ machten über die Jahre nicht nur in Hollywood gewaltige Fortschritte. Wer erinnert sich nicht an die atemberaubende Alienkönigin aus „Aliens – Die Rückkehr“ oder den T-Rex und die Raptoren aus „Jurassic Park“, deren Effekte auch bis heute noch überzeugen können. In Freizeitparks und Museen sind bis heute lebensechte Robot-Modelle im Einsatz. Ebenso wie beim Tierschutz, wie dieses beeindruckende Beispiel zeigt.

Man erinnere sich an den berühmten Spruch aus den alten Superman-Comics: „Ist es ein Vogel, ist es ein Flugzeug …?“ Hier ist die Frage ebenso berechtigt. Denn ob es sich in diesem Video wirklich um einen Delphin handelt, gibt letztlich nur die Prämisse für diesen Text preis. Bekommt man das Video ohne irgendwelche Informationen serviert, sieht man hier … einen Delphin.

Verblüffend lebensnah

Das Tier muss doch echt sein? Solche lebensechten Bewegungen, die graue, gummiartige Haut des kleinen Zahnwals, die „Melone“ genannte Schädelwölbung: Alles wurde genau getroffen, vereint sich mit der Agilität des „Tieres“ im Wasser zu einer Illusion, die nahezu makellos ist. Dieser Schritt in eine mögliche Zukunft der animatronischen Roboter nennt sich „Delle“. Satte 300 Kilogramm wiegt der Robo-Tümmler.

Delle ist semi-autonom, kann sich entweder mithilfe einer simplen KI wie ein Tier verhalten oder wird von menschlichem Operator per Fernbedienung gesteuert. Delle wurde sowohl Fischen als auch Menschen schon des Öfteren präsentiert – dabei konnte jedes Mal registriert werden, dass nahezu jede Person aus einer Gruppe sowie fast alle Fischarten der Illusion des Cyber-Delphins erlagen: Sie hielten ihn für echt.

Hoffnung für eine Branche?

Für eine ganze Branche von Meerwasseraquarien und die Betreiber von Delphin- und Schwertwal-Shows, von Zoos ganz zu schweigen, stellt Delle gewissermaßen einen Ausblick in eine mögliche nachhaltige Zukunft ihrer Unternehmen in Zeiten des Tierschutzes dar: Die Maschine verhält sich wie ein Delphin, sieht wie einer aus und erlaubt es, Menschen und natürlich insbesondere deren Kindern Einblicke in das Leben dieser Tiere zu liefern.

Dafür muss kein Delphin mehr in Gefangenschaft und Isolation leiden, Systeme wie Delle benötigen noch dazu weder Nahrung noch ungestörten Schlaf, müssen nicht mit teils fragwürdigen Methoden für Shows trainiert werden, altern nicht wie Delphine und brauchen keinen hochspezialisierten Tierarzt. Ebenso fallen damit grausame Fang- und Schlacht-„Rituale“ wie etwa in der Bucht von Taiji weg.

Kostenpunkt

Doch noch ist Delle im Anfangsstadium solcher Maschinen – und kostet entsprechend: Zwischen drei bis fünf Millionen US-Dollar (rund 2.56 bis 4.25 Millionen Euro) werden für ein solches Gerät fällig. Ein lebendiger Delphin kostet Meerwasseraquarien hingegen „nur“ 100.000 US-Dollar (= ca. 85.000 Euro). Doch sobald solche Systeme sich besser rentieren, dürfte sich die Lage für die klugen und sozialen Tümmler und andere Arten deutlich bessern.