Durchbruch in der grünen Chemie: Forscher wandeln Plastikmüll zu Vanille-Aroma um – Auf der Suche nach einer Lösung im Kampf gegen den Plastikmüll, haben Wissenschaftler der Universität in Edinburgh einen vielversprechenden Ansatz aufgetan. Dort ist es nämlich gelungen, Plastikmüll mithilfe von gentechnisch veränderten Bakterien in Vanille-Aroma umzuwandeln.

So konnte erstmals eine wertvolle Chemikalie aus Plastikabfall gewonnen werden

Faktisch verhält es sich aktuell so, dass Plastik etwa 95 Prozent seines Materialwertes einbüßt, nachdem man es einmal verwendet hat. Zwar kann man durch Recycling andere Produkte aus dem Plastikmüll fertigen oder das Plastik durch Enzyme zersetzen, der Großteil des weltweiten Plastikabfalls verschmutzt jedoch mit von Jahr zu Jahr gravierenderen Folgen unsere Umwelt.

Entsprechend wird fieberhaft nach neuen Methoden des Recycelns von PET (Polyethylenterephthalat) gesucht. Dabei handelt es sich um einen Kunststoff, welcher auf Basis nicht erneuerbarer Materialien wie Öl und Gas hergestellt wird und breite Anwendung als Verpackung in der Lebensmittelindustrie findet. So werden pro Minute etwa eine Million weitere Plastikflaschen verkauft. Recycelt werden davon jedoch gerade einmal 14 Prozent.

Mittlerweile summiert sich der weltweite PET-Abfall auf jährlich 50 Millionen Tonnen

Und hier kommen die Forscher aus Edinburgh ins Spiel, die in der Fachzeitschrift „Green Chemistry“ bekanntgaben, eine Möglichkeit gefunden zu haben, wie man ein aus PET gewonnenes Molekül namens „Terephthalsäure“ in Vanillin umwandeln kann.

Vanillin ist eine in der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie äußerste beliebte Chemikalie, deren Nachfrage stetig wächst. 2018 verschlang der globale Markt 37.000 Tonnen. Natürliche Vanilleschoten können diesen Bedarf schon lange nicht mehr decken, so dass rund 85 Prozent synthetisch hergestellt werden.

Zur Umwandlung nutzen die Forscher gentechnisch veränderte E. coli-Bakterien

Bislang war es den Wissenschaftlern möglich, etwas 79 Prozent der Terephthalsäure in Vanillin umzuwandeln. Im nächsten Schritt sollen die Kolibakterien aber noch weiter optimiert werden, um die Ausbeute zu erhöhen.

Joanna Sadler, federführend hinter der neuen Arbeit, erklärte: „Dies ist das erste Beispiel der Nutzung eines biologischen Systems, um Plastikabfälle in eine wertvolle Industriechemikalie umzuwandeln, und es hat sehr spannende Auswirkungen auf die Kreislaufwirtschaft.“

Ihr Kollege Stephen Wallace hofft, die Wahrnehmung auf Plastik als Problemabfall ändern zu können

Ob das durch die Kolibakterien gewonnene Vanillin demnächst auch tatsächlich als Aroma in Lebensmitteln Anwendung findet, muss sich aber erst noch zeigen. Die Forscher behaupten zwar, es sei für den Menschen zum Verzehr geeignet, diese Behauptung muss durch weitere Tests jedoch verifiziert werden.

Quelle: stern.de