Die 5. Große Deutsche Funkausstellung ...

... war der Ort, an dem des Mannes zweitliebstes Kind zum ersten Mal der Welt vorgestellt wurde. Neben Dingen mit verkaufsfördernden Namen wie 'Tefafon' und 'Fünf Röhren Neutrodyn' präsentierten 1928 gleich zwei Herrschaften Geräte, die viele Jahre später Eltern, Schule und Freundin Konkurrenz machen sollten. Diese Kisten basierten zunächst noch auf einer Erfindung Paul Nipkows, dem es 1883 gelungen war, mittels einer gelochten Scheibe Bilder zu zerlegen und wieder zusammenzusetzen.

Nun stellte sich allerdings die Frage, wie man für ein Produkt wirbt, welches Bilder empfangen und darstellen kann, wenn da draußen noch niemand ist, der welche sendet. Das wäre ja wie Internet ohne Pornos. Und das macht natürlich so gar keinen Sinn.

Die 8. Große Deutsche Funkausstellung ...

... machte es dank Manfred von Ardenne besser. Zwar forschten damals viele kluge Köpfe auf dem Gebiet der Bildübertragung, doch letztlich war es Manni, dem 1930 die erste vollelektronische Fernsehübertragung mit Kathodenstrahlröhre gelang. Ein entscheidender Schritt, den er ein Jahr später der Öffentlichkeit vorführte.

Interessant übrigens, dass Karl Ferdinand von Braun, der bereits 1897 besagte Röhre erfand, die Idee, eben jene fürs Fernsehen zu nutzen, als völligen Humbug abtat. Womöglich hatte er dabei Sender wie 'Neun Live' oder Serien wie 'Grey‘s Anotomy' vor Augen und von daher gar nicht so unrecht. Und doch war der Siegeszug der 'Braunschen Röhre' nicht aufzuhalten. Als der erste Fernsehsender 'Paul Nipkow' 1936 die Olympischen Spiele in Berlin übertrug, lockte das Heerscharen von Deutschen in die öffentlichen Fernsehstuben. Unglücklicherweise erklärten eben diese Heerscharen kurz darauf auch den Rest Europas zu ihrem ganz persönlichen Wohnzimmer.

Die 16. Große Deutsche Funkausstellung ...

... brachte 1939 den Einheitsempfänger 'E1', den die Fernsehindustrie entwickelt hatte, um ihr junges Medium kostengünstig unters Volk zu bringen. Dieses frönte derzeit jedoch einer anderen Form der Verdummung und folgte lieber einem größenwahnsinnigen Knilch in den Krieg, anstatt friedlich fernzusehen.

Doch auch das ging vorüber, und nachdem Deutschland sich ein wenig vom Nazi-Geschwür erholt hatte, ging 1950 der Nordwestdeutsche Rundfunk auf Sendung. Zudem wurde die 'Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland' gegründet, welche ab Dezember 1952 erstmalig ein ständiges Programm ausstrahlte, und bis dato unter dem Kürzel ARD fröhlich GEZ-Gebühren verjubelt.

Die Zahl der Zuschauer war damals wie heute gerade mal dreistellig, was seinerzeit allerdings an der mangelnden Verbreitung von Empfangsgeräten lag. Spätestens ab der Übertragung der Fußball-WM 1954 war mit der Zurückhaltung jedoch Schluss und die Flimmerkiste verkaufte sich, als wäre sie von Apple.

Die 25. Große Deutsche Funkausstellung ...

... ging mit dem Startschuss des Farbfernsehens in die Geschichte ein und legte prompt einen Fehlstart hin. Willy Brandt sollte nämlich am 25. August 1967 per Knopfdruck die neue Ära einläuten. Natürlich war das Teil eine Attrappe und hatte somit nur Symbolwirkung. Die Techniker waren allerdings etwas zu flott, sodass der Knopf bereits in leuchtendem Rot erstrahlte, bevor er überhaupt gedrückt worden war.

Panne hin oder her, am selben Abend lief bereits die erste bunte Unterhaltungsshow 'Der goldene Schuss'. Aus heutiger Sicht sicherlich eine etwas unglückliche Namenswahl, aber früher sah man das noch nicht so eng.

Diverse Funkausstellungen später ...

... gibt es nicht nur mehr zu sehen, sondern seit 1971 dank der Fernbedienung auch weniger zu tun. Geheiligt sei zudem das Kabelfernsehen, welches ab 1984 eine ganze Generation Jungs mit Sendungen wie 'Tutti Frutti' und dem Schulmädchenreport in arge Erklärungsnöte brachte, wenn Mutti Waschtag hatte. 1985 erweiterte das Satellitenfernsehen die Vielfalt und bot bereits diverse Themenkanäle. Dieses Konzept kam so gut an, dass es bald vollkommen normal war, sich 24 Stunden lang mit Sport und vollbusige Nymphen berieseln zu lassen.

Als wir uns dann noch per Pay-TV von lästiger Werbung und unwichtigem Kram, der nichts mit Sport und vollbusigen Nymphen zu tun hatte, freikaufen durften, war insbesondere das Fußballerlebnis nahezu perfekt. Was fehlte, war nur noch die schrittweise Digitalisierung des Rundfunks, welche den Weg für HD-Qualität und eine neue (vor allem größere) Generation Fernsehgeräte ebnete.

Doch egal wie grandios die Technik noch werden mag, das Programm an sich kann und wird sie wohl leider nicht verbessern. Oder glaubt hier jemand ernsthaft, 'Bauer sucht Frau' würde an Qualität gewinnen, wenn man die Sendung auch riechen kann!?

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