Durchbruch: US-Firma kurz vor Netto-Stromerzeugung bei Kernfusion – Im Kampf gegen CO2-Emissionen wird überall auf der Welt nach einer sauberen Energiequelle gesucht. Als Kandidat ganz weit vorne dabei ist die Kernfusion, lockt diese doch mit unendlicher Energie, ohne die Gefahren, welche ein Atomkraftwerk birgt.

Zwar wurde der theoretische Grundstein bereits Anfang der 1950er-Jahre gelegt, allerdings wartet man seither auf einen technischen Durchbruch bezüglich des sogenannten Tokamak-Reaktors – ein Reaktor mit dem Aussehen eines Donuts, in dem künstlich Bedingungen hergestellt werden sollen wie auf der Sonne. Gelingt dies, kann in einem Plasmaring eine Kernfusion herbeigeführt werden.

Die dazu benötigten extremen Temperaturen und Drücke werden von Elektromagneten erzeugt.

Um jedoch als nachhaltige Energiequelle zu dienen, dürfen die Magneten dabei natürlich nicht mehr Strom verbrauchen, als bei der Fusion gewonnen wird.

Diesbezüglich ist Wissenschaftlern des Commonwealth Fusion Systems (CFS) und des Plasma Science and Fusion Center (PSFC) des Massachusetts Institute of Technology nun ein Durchbruch gelungen.

Diese haben nämlich einen Magneten entwickelt, der einerseits stark genug ist, das Plasma zu bändigen, und andererseits noch in der Lage sein wird „Nettoenergie“ zu erzeugen.

Gegenüber dem TV-Sender „CNBC“ erklärte Andrew Holland, Vorstandsvorsitzender der Fusion Industry Association: „Das ist eine große Sache.“

Holland weiter: „Das ist kein Hype, das ist Realität. Mit den Fortschritten in der gesamten Fusionsindustrie sehen wir, wie eine neue, saubere, nachhaltige und immer verfügbare Energiequelle entsteht.“

Der neue Magnet verbrauchte bei einem Test gerade mal ein Siebtel der Energie, die noch bei seinem Vorgänger nötig war. Allerdings ist es noch nicht gelungen, Nettoenergie aus der Fusion zu gewinnen. Alles was erzeugt wird, geht derzeit noch für die Einleitung und Aufrechterhaltung der Reaktion drauf.

Holland: „Kein Unternehmen, keine Universität, kein nationales Labor und keine Regierung hat bisher das Ziel der kostendeckenden Fusion erreicht.“

Dennoch werden kontinuierlich Fortschritte erzielt.

Zuletzt eben durch Hochtemperatur-Supraleiter, die den Stromwiderstand auf null drücken, ohne dazu extrem gekühlt werden zu müssen, wie es bei bisherigen Supraleitern der Fall ist. Von daher wartet nicht nur die Kernfusion auf die kommerzielle Erschließung diese Schlüsseltechnik, die bei allen möglichen elektrischen Geräten zum Einsatz kommen könnte.

Allerdings existiert der für eine Netto-Fusion nötige Reaktor noch nicht. Die Magneten sollen zunächst in einer Testanlage namens SPARC zum Einsatz kommen, die 2025 in Betrieb gehen soll. Dabei handelt es sich weniger um ein Kraftwerk, als vielmehr einen Demonstrator, der erstmals Energie erzeugen soll.

Die dabei gewonnenen Erkenntnisse werden dann in ein Fusionskraftwerk mit der Bezeichnung ARC fließen, der Anfang 2030 seinen Betrieb aufnehmen soll.

Quelle: stern.de