Deutscher Jubel in Großbritannien: Geplagt von Nackenschmerzen raste Sebastian Vettel (Ferrari) im britischen Silverstone zu seinem 51. Karriereerfolg. Lokalmatador Lewis Hamilton musste sich wegen eines Startunfalls mit dem zweiten Platz begnügen. Kimi Räikkönen (Ferrari) eroberte den Bronzerang. 

Es hätte ein Wochenende des britischen Jubels werden sollen. Doch nach dem von den englischen Fans stark bejubelten Halbfinaleinzug bei der Weltmeisterschaft in Russland konnte Lewis Hamilton, trotz Pole-Position, nicht nachziehen. Direkt am Start verlor der Lokalmatador das Beschleunigungsduell zur ersten Kurve gegen Sebastian Vettel. 

Dabei rutschte auch Mercedes-Teamkollege Valtteri Bottas durch. Zwei Kurven später knallte es: Weil sich Kimi Räikkönen verbremste, drehte er Hamilton um. Hierfür wurde der Finne mit einer zehnsekündigen Zeitstrafe belegt. Lewis Hamilton musste hingegen das Feld von hinten aufrollen. 

Mit einer bärenstarken Aufholjagd arbeitete sich der Silberpfeil-Pilot jedoch binnen weniger Runden bis in die Punktepositionen vor. Fast schon spielerisch schoss der Titelverteidiger durchs Feld. An der Spitze zog derweil Sebastian Vettel davon. Erst als dessen Reifen abbauten, konnte Valtteri Bottas den Abstand wieder verringern. Eine Chance, ihn anzugreifen, hatte er zunächst jedoch nicht. 

Die Wende kam in Runde 33. Grund war ein Highspeed-Unfall von Marcus Ericsson, weshalb die Rennleitung das Safety Car auf die Strecke beorderte. Da Ferrari Angst hatte, dass die Reifen ihrer Piloten nicht bis zum Ende durchhalten würden, kamen beide roten Renner umgehend zum Service an die Box. Dadurch übernahm zunächst Bottas die Führung. Dahinter holten auch Red Bull ihre beiden Schützlinge herein, wodurch Lewis Hamilton auf die dritte Position vordrang. 

Direkt beim Neustart in Runde 38 attackierte Sebastian Vettel den führenden Mercedes – ohne Erfolg. Wegen eines weiteren Unfalls zwischen Sergio Perez (Renault) und Romain Grosjean (Haas) musste erneut das Safety Car auf die Strecke ausrücken. Die Uhr tickte somit für Mercedes. Sebastian Vettel ließ allerdings nichts anbrennen, attackierte den Finnen direkt beim zweiten Neustart in Runde 42. Der konnte die Angriffsversuche des Deutschen jedoch zunächst abwehren.

Dahinter bekriegten sich Kimi Räikkönen und Österreich-Sieger Max Verstappen (Red Bull), der allerdings wegen eines technischen Defekts den Kürzeren zog. In einer spektakulären Schlussphase wagte Sebastian Vettel letztlich wenige Kilometer vor Schluss das entscheidende Manöver – und quetschte sich erfolgreich an Bottas vorbei. Kurz darauf zogen auch Lewis Hamilton sowie Kimi Raikkönen vorbei, die allerdings nicht mehr den nach vorne fliehenden Vettel einholen konnten. Nico Hülkenberg (Renault) kam auf einem starken sechsten Rang ins Ziel.

Mit seinem 51. Karriereerfolg zog Sebastian Vettel in der ewigen Bestenliste nicht nur mit dem dreifachen Formel-1-Weltmeister Alain Prost gleich, sondern erhöhte auch den Vorsprung in der Weltmeisterschaft. In dieser führt der gebürtige Heppenheimer nun mit 171 Punkten vor Lewis Hamilton (163 Punkte). Der Brite gab sich nach dem Rennen deutlich frustriert, verweigerte gar zunächst das Pflichtinterview vor der Siegerehrung. Bereits in zwei Wochen hat er jedoch Chance auf Revanche. Dann gastiert der Formel-1-Zirkus in Deutschland auf dem Hockenheimring.