Endlich hat es geklappt: Sebastian Vettel gewann nach einem fehlerlosen Rennen den Nacht-Grand-Prix von Singapur. Der Deutsche holte seinen ersten Saisonsieg vor Ferrari-Teamkollege Charles Leclerc und Max Verstappen (Red Bull). WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton verpasste das Podium auf Platz vier.

Auf diesen Moment musste Sebastian Vettel genau 392 Tage warten. In einem Jahr, in dem er stark kritisiert und von seinen Teamkollegen Charles Leclerc mehrmals geschlagen wurde, konnte er bei der nächtlichen Stadtrundfahrt in Singapur die kritischen Stimmen verstummen lassen. Erstmals seit dem belgischen Grand Prix im Jahr 2018 gewann der vierfache Weltmeister ein Formel-1-Rennen. Entsprechend emotional zeigte er sich nach der Zieldurchfahrt, indem er sich beim Sieger-Interview zunächst bei all seinen Fans für den Zuspruch in den letzten Wochen bedankte.

In einem eher statischen Rennen setzte sich der von Position drei aus gestartete Vettel dank eines taktischen Schachzugs der Ferrari-Crew gegen seinen Teamkollegen Charles Leclerc durch. Der Monegasse ging von der Pole-Position aus ins Rennen, bremste auf den ersten Kilometern jedoch das Feld extrem ein. Dadurch konnte der zunächst zweitplatzierte Lewis Hamilton keinen Undercut-Versuch starten, da er so ins Mittelfeld zurückgerutscht wäre. 

Als sich nach einigen Runden doch eine Lücke öffnete, kam allerdings nicht der Silberpfeil, sondern Vettel herein. Laut den Strategen bei Ferrari war dies eine Sekundenentscheidung – mit großen Folgen. Denn obwohl Charles Leclerc bereits einen Umlauf später ebenfalls zum Service abbog, fiel er hinter Vettel zurück. Darüber zeigte sich der zweifache Grand-Prix-Sieger nicht glücklich, da teamintern normalerweise das führende Fahrzeug bevorzugt behandelt wird. Gleich mehrfach hinterfragte er die Entscheidung während des Rennens.

Mercedes ließ Hamilton hingegen noch eine Weile draußen, weil man wohl auf ein Safety Car spekulierte. Das sollte insgesamt dreimal ausrücken, aber erst einige Zeit später. Hamilton flog so auf die vierte Position zurück. Mercedes-Kumpane Valtteri Bottas wurde sogar angewiesen langsamer zu machen, damit der Brite nicht auch noch von Alexander Albon (Red Bull) geschnappt würde.

Es war die Entscheidung des Rennens, da auf dem engen wie auch pfeilschnellen Leitplankendschungel in der Yas Marina Bay nur schwer überholt werden kann. Obgleich Charles Leclerc den Druck auf Sebastian Vettel erhöhte, bewahrte der Deutsche stets einen kühlen Kopf. Das war auch bitternötig, denn das Rennen ging wie so häufig in Singapur über die Maximalzeit von zwei Stunden. 

Dahinter versuchte Lewis Hamilton noch den Bronzerang von Max Verstappen zu stehlen. Der junge Niederländer leistete sich allerdings ebenfalls keinen Fehler und fuhr somit Rang drei nach Hause. Nico Hülkenberg (Renault) musste nach einem Techtelmechtel am Start einen Notstopp einlegen, rettete sich am Ende aber noch mit einem soliden neunten Platz.

In der Weltmeisterschaft führt Lewis Hamilton weiterhin mit 291 Punkten vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas (231 Punkte) sowie Charles Leclerc (200 Punkte), der nun punktgleich mit Max Verstappen (200 Punkte) ist. Sebastian Vettel belegt mit 194 Zählern derzeit den fünften Tabellenrang. Bereits kommende Woche geht es mit dem russischen Grand Prix in Sotschi weiter.