Revanche für letztes Jahr: Max Verstappen (Red Bull) gewann einen zum Ende hin sehr chaotischen brasilianischen Grand Prix in Sao Paulo vor Toro-Rosso-Fahrer Pierre Gasly sowie Carlos Sainz (McLaren). Lewis Hamilton (Mercedes) nur Strafe nur siebter. Beide Ferrari eliminierten sich gegenseitig.

Bereits letztes Jahr tanzte Max Verstappen Samba um die Konkurrenz. Ein unverschuldeter Unfall beim Überrunden raubte ihm jedoch den Sieg. Ein Jahr später hat es aber nun endlich geklappt: Nach einer perfekten Vorstellung sicherte sich der Niederländer seinen dritten Saisonsieg. Die ersten 59 Runden wirkten dabei wie das Vorgeplänkel für das wohl chaotischste wie auch spektakulärste Finish der letzten Jahre. Bis dahin hatte Verstappen das Rennen unter Kontrolle. Auch als Lewis Hamilton kurzzeitig die Führung übernahm, da der Red-Bull-Youngster in der Boxengasse von Robert Kubica (Williams) aufgehalten wurde, krallte er sich die Spitzenposition nach nur wenigen Umläufen wieder.

Die große Wende kam kurz vor Schluss, als Valtteri Bottas (Mercedes) wegen eines Motorproblems ausrollte. Um den Silberpfeil zu bergen, wurde das Safety Car auf die Strecke geschickt. Red Bull reagierte aggressiv – und holten umgehend ihren Schützling herein, um nochmals frische Reifen aufzuziehen. Dadurch nahm man Mercedes die Möglichkeit, das Gleiche mit Hamilton zu machen. Der Brite blieb somit draußen, konnte sich trotz einer guten Verteidigung beim Restart aber nicht vor Verstappen halten. 

Dahinter knallte es: Ausgerechnet die beiden Ferrari-Piloten Sebastian Vettel und Charles Leclerc gerieten aneinander. Der Schuldige war abermals Vettel, der versuchte, das Überholmanöver seines Stallgefährten zu kontern. Als sie nebeneinander fuhren, zog der gebürtige Heppenheimer leicht nach links. Dabei berührten sich die roten Flitzer Felge auf Felge. Bei Leclerc brach umgehend die Radaufhängung; Vettel erlitt einen Reifenschaden. Am Funk laut fluchend, mussten beide Piloten ihre Boliden abstellen. Es ist nicht die erste teaminterne Kontroverse bei der Scuderia. Nach dem Unfall dürfte der Haussegen aber noch tiefer als sowieso schon hängen.

Der Ferrari-Crash löste eine weitere Safety-Car-Phase aus. Dieses Mal holten Mercedes ihren beim letzten Grand Prix bereits zum Weltmeister gekürten Schützling herein, obgleich unklar war, ob wegen der Aufräumarbeiten überhaupt noch Zeit für einen erneuten Neustart war. Der Brite flog dadurch zunächst auf die vierte Position zurück. Wegen seines Boxenstopps rückten hingegen Alexander Albon (Red Bull), der zuvor eiskalt an beiden Ferraris vorbeiging, sowie Pierre Gasly auf. Damit lagen kurzeitig drei mit Honda-Motoren befeuerte Boliden auf den Podiumsrängen. 

Als das Rennen zwei Runden vor Schluss aber wieder angepfiffen wurde, zog Hamilton sofort an Gasly vorbei. Kurz darauf setzte Hamilton zum Manöver des zweiten Bullen von Albon an. Es kam zum Kontakt, bei dem der Thailänder umgedreht wurde und auf den 14. Platz zurückfiel. Gasly schlüpfte wieder an Hamilton vorüber, der sich trotz eines Schadens am Frontflügel noch in der letzten Runde im Windschatten an ihn wieder heran saugte. Nebeneinander bretterten sie über die Zielgerade. 

In einem spektakulären Foto-Finish setzte sich aber der Franzose hauchdünn durch – und zelebrierte so sein erstes Formel-1-Podium. Nach der Sommerpause hatte ihn Red Bull aus dem Hauptteam in die Nachwuchsmannschaft von Toro Rosso versetzt, nachdem er nicht die von ihm erwarteten Ergebnisse einfuhr. Nach dem Rennen untersuchte die Rennleitung ausführlich die Situation zwischen Hamilton und Albon und sprach eine Fünfsekundenstrafe für den Briten aus. Damit rutschte der Weltmeister auf die siebte Position zurück. Carlos Sainz beerbte den Bronzerang mit seinem ebenfalls ersten Podiumserfolg in der Formel 1. Für den Motorenlieferant war es hingegen der erste Doppelsieg seit 1991.

Mit seinem nunmehr achten Karriereerfolg dürfte sich Max Verstappen den Bronzerang in der Weltmeisterschaft gesichert haben. So liegt er mit 260 Punkten vor Charles Leclerc (249 Punkte) sowie Sebastian Vettel (230 Punkte). Nur noch ein Rennen steht in dieser Saison auf dem Programm: der Nacht-Grand-Prix in Abu Dhabi am 1. Dezember.