Nicht Ferrari, sondern Red Bull hat die dominante Siegesserie von Mercedes beendet. Beim Heimrennen der Bullen in Österreich gewann Max Verstappen ein actionreiches Rennen vor Charles Leclerc (Ferrari) und Valtteri Bottas (Mercedes). Silberpfeil-Kollege Lewis Hamilton und Ferrari-Pilot Sebastian Vettel mussten sich mit dem vierten und fünften Platz begnügen.

Nach der einschläfernden Kaffeefahrt in Frankreich vor einer Woche zauberte die Formel 1 in Österreich ein wahres Action-Feuerwerk aus dem Hut. Zwei der Hauptprotagonisten waren Charles Leclerc und Max Verstappen, die auch aus der ersten Reihe ins Rennen gingen. Letzterer würgte am Start fast seinen Motor ab, wodurch er mehrere Plätze verlor. „Zu dem Zeitpunkt haben wir maximal mit einem Podium gerechnet“, erklärte Red-Bull-Teamchef Christian Horner nach dem Rennen.

Während Charles Leclerc einsam an der Spitze seine Runden drehte, gab Verstappen nicht auf. Runde um Runde kämpfte er sich mit dem Messer zwischen den Zähnen zurück an die Spitze – eine Aufholjagd, die seinesgleichen suchte. Nach 50 Runden tauchte der junge Niederländer auf dem dritten Platz auf, nachdem er sich an Sebastian Vettel vorbeidrückte. Wenige Umläufe später musste der bis dahin zweitplatzierte Valtteri Bottas den Kürzeren ziehen. Anschließend dürfte Verstappen die Titelmelodie des Weißen Hai im Cockpit gesummt haben.

Binnen weniger Minuten pirschte sich der Youngster an den führenden Charles Leclerc heran, der nach dem Pech in Bahrain (Motorprobleme) seinen ersten Formel-1-Triumph schon fast greifbar sah. In der 68. Runde baute sich der Red-Bull-Bolide letztlich im Rückspiegel des jungen Monegassen auf. Einen ersten Angriff konnte Leclerc noch sensationell abwehren. Eine Runde später fand Verstappen jedoch seinen Weg vorbei – allerdings nicht ohne Berührung.

Seite an Seite schossen die beiden Kontrahenten durch die enge Remuskurve. Dabei drückte Verstappen den Ferrari von Charles Leclerc von der Strecke – und löste damit nach dem kanadischen Grand Prix gleich die nächste Kontroverse aus.

Die Rennleitung untersuchte den Fall zwar umgehend. Die Entscheidung fiel allerdings erst fast drei Stunden nach dem Rennen. Das Ergebnis: Verstappen darf den Sieg behalten. Die Diskussionen unter den Fans, ob es sich beim Zwischenfall um faires Racing handelte, oder er mehr Raum hätte lassen müssen, werden jedoch weitergehen. Den tausenden nach Österreich gepilgerten niederländischen Fans war das alles selbstverständlich egal. Sie feierten ihren Helden mit lauten Gesängen. Zugleich war es der erste Sieg für Motorenhersteller Honda seit 2006.

Weniger erfolgreich verlief das Rennen für die beiden Titelrivalen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton. Während der Deutsche nach einem technischen Defekt vom 9. Platz ins Rennen gehen musste, kämpfte er sich mit einer Zwei-Stopp-Strategie noch auf den vierten Platz vor. Grund für die unorthodoxe Strategie war das Überholmanöver von Verstappen, nachdem Vettel auf gebrauchten Pneus kurzzeitig bis auf den Bronzerang nach vorne fuhr. Kurios: Beim ersten Reifenwechsel hat die Scuderia-Crew wegen eines Funkproblems glatt vergessen, die Reifen vorzubereiten, wodurch der gebürtige Heppenheimer gleich mehrere wertvolle Sekunden verlor.

Lewis Hamilton wurde nach Blockieren in der Qualifikation auf den vierten Startplatz strafversetzt. Nach Schaden am Frontflügel kam er lediglich auf dem fünften Platz ins Ziel. Die Weltmeisterschaft führt der Brite aber weiterhin komfortabel mit 197 Punkten vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas (166 Punkte) sowie dem neuen drittplatzierten Max Verstappen (123 Punkte) an. Nächster Halt: The Home of British Motorsport in Silverstone in zwei Wochen.