Am kommenden Wochenende heulen im australischen Melbourne endlich wieder die Formel-1-Motoren zum ersten von insgesamt 19 Rennen auf. Neue Regeln, Autos, Gesichter und erstmals ein Grand Prix in Russland. Damit Mann im PS-Bilde ist, liefern wir einen Überblick auf die anstehende Saison.

Turbo-Nasenbären

Die Fans werden sich dieses Jahr auf einen neuen Klang wie auch Optik einstellen müssen. Nach ganzen acht Jahren verabschiedet sich die Königsklasse des Motorsports nämlich von den V8-Saugmotoren mit mehr als 750 PS. Stattdessen feiern die Turboaggregate ihre Rückkehr. Allerdings als 1,6-l-V6-Motörchen mit einer Gesamtleistung von immerhin 600 PS. Die Änderung wird sich vor allem im anfangs vielleicht etwas gewöhnungsbedürftigen Klang widerspiegeln, während die Boliden an ihrer eigentlichen Geschwindigkeit nur wenig einbüßen.

Als quasi schon Verbrechen dürfte hingegen die fehlgeschlagene Schönheits-OP der FIA betrachtet werden. Um nämlich den unästhetischen Nasenknick aus dem Vorjahr zu verbannen, wurde die Maximalhöhe der Fahrzeugfront auf 185 Millimeter herabgesetzt. Jedoch nicht über die gesamte Breite, weshalb die Teams mehrheitlich arg gewöhnungsbedürftige, spitze Nasen verbauten. Einziger positiver Nebeneffekt: Nahezu alle Mannschaften setzen auf teils unterschiedliche Konzepte. So erinnert der neue Red Bull an einen Nasenbären, während Ferraris Front eher einem Staubsauger gleicht.

Neue Gesichter und Änderungen auf dem Fahrermarkt

Das Fahrerkarussell rotierte bereits Ende der letztjährigen Saison kräftig. Nach dem Abgang von Mark Webber zu Porsche in die Sportwagen-Weltmeisterschaft wird dessen Landsmann Daniel Ricciardo neben Sebastian Vettel bei Red Bull Platz nehmen. Auch die Sensationsrückkehr des wortkargen, kühlen Finnen Kimi Räikkönen zu Ferrari und somit an die Seite der Diva des Sports, Fernando Alonso, war bereits bekannt. Während Lotus vermutlich schon die Ersatzteilbestellungen im Voraus mit ihrem Crashkid-Kader, bestehend aus Romain Grosjean und Pastor Maldonado, ausstellt, tauschten Nico Hülkenberg (Force India) sowie Adrian Sutil (Sauber) einfach die Cockpits.

Wie jedes Jahr werden auch wieder einige Rookies ins Lenkrad greifen, wobei von ihnen der Däne Kevin Magnussen (McLaren) sowie der erst 19-jährige Russe Daniil Kwjat (Toro Rosso) am meisten herausstechen. Toll: Nach vielen Jahren der Abstinenz feiert Martini in weißer Retro-Optik mit Williams seine Rückkehr als Sponsor. Zusammen mit Ex-Ferrari-Mann Felipe Massa gilt man gleichzeitig auch noch als Geheimfavorit. Na dann, Prost!

Das Ende der Vettel-Dominanz?

Wenn die Testfahrten der vergangenen Wochen eines gezeigt haben, dann dass die neuen Autos an Standfestigkeit eingebüßt haben. Insbesondere die Renault-Motoren leiden an einem Hitzeproblem, zudem haben alle Teams mit der neuen, noch unausgereiften Elektronik zu kämpfen. Vierfach-Weltmeister Sebastian Vettel traf es hierbei am schlimmsten, da er oftmals nach nur wenigen Metern aufgrund diverser Probleme seinen roten Bullen wieder abstellen musste. Für dessen Motorsportchef Dr. Helmut Marko ist die Situation jedenfalls klar: „Der Saisonauftakt kommt für uns mindestens zwei Monate zu früh.“ Nach beeindruckenden Testfahrten gelten dafür die beiden Mercedes-Piloten Nico Rosberg und Lewis Hamilton als die Hauptfavoriten. Am Ende des Jahres könnte somit erneut wieder Deutschland jubeln. Oder jemand ganz Unerwartetes. Denn erstmals wird es für das Finale in Abu Dhabi ungerechterweise doppelte Punkte (50 für den Sieg) geben. Da haben die Regelschreiber wohl ein bisschen zu tief ins Martini-Glas geschaut.

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