Am Wochenende heulen im australischen Melbourne endlich wieder die Motoren zur 67. Formel-1-Weltmeisterschaft auf. Neue Gesichter, neue Regeln und erstmals ein Grand Prix in den engen Gassen von Baku in Aserbaidschan – damit Mann im PS-Bilde ist, liefern wir einen Überblick auf die anstehende Saison.

Die Jagdsaison ist eröffnet: Wenn am Wochenende die 22 Formel-1-Boliden durch den Albert Park rasen, wird sich der Mercedes-Stern zur Zielscheibe verwandeln. Die Konkurrenz ist hungrig, die Dominanz der Stuttgarter Automarke zu stoppen. Für Sternenkrieger Nico Rosberg dürfte 2016 hingegen ein ganz entscheidendes Jahr werden. Sollte er erneut gegen Stallgefährte und Titelverteidiger Lewis Hamilton verlieren, könnte er zur ewigen Nummer zwei verkommen. Haushoher Favorit auf die diesjährige Saison ist somit wenig überraschend abermals das Mercedes-Gespann. Der einstige Entwicklungsvorsprung könnte seitens der Konkurrenz jedoch durchaus aufgeholt sein. Die Sternenmarke hält den Ball deshalb flach. So spricht Rosberg davon, dass man durchaus Vorsicht walten lassen müsse, während Weltmeister Hamilton den Druck der nach seiner Ansicht erstarkten Gegner spürt.

Viele Augen werden dabei auf Ferrari gerichtet sein, die bereits vor den Testfahrten große Töne spuckten. So sprach die Scuderia-Führungsetage davon, dass ein nicht siegfähiges Auto eine absolute Enttäuschung wäre. Sebastian Vettel verhält sich hingegen defensiver, obgleich er seinen neuen Renner als deutlich stärker als noch 2015 einstuft. Hauptziel sei es, so der Deutsche, besser als vergangene Saison zu sein. Kampfansagen möchte keiner herausposaunen. Die sprichwörtlichen Hosen werden somit wohl spätestens erst in der Qualifikation fallen, die ein nicht ganz unumstrittenes neues Format spendiert bekommt.

Alle 90 Sekunden fliegt ein Fahrer raus

Der neue Modus dürfte Need-for-Speed-Spielern bekannt sein: Fortan werden die langsamsten Fahrer schrittweise aus der Zeitenjagd genommen. Die Pole-Position-Hatz ist dabei noch immer in drei Abschnitte (Q1, Q2, Q3) unterteilt. Nach bereits sieben Minuten im ersten Teil wird die Reise nach Jerusalem eingeleitet, so dass bis zum Ende des jeweiligen Segments alle 90 Sekunden jeweils der langsamste Pilot ausscheidet. So bleiben nach Q1 15, nach Q2 lediglich acht Fahrzeuge übrig, wobei die Zeiten zwischen den Segmenten selbstredend zurückgesetzt werden. Nach 12:30 Minuten im finalen Qualifikations-Teil bleiben nur noch zwei Protagonisten übrig, die sich um die Pole-Position streiten werden.

Der Motorsportweltverband FIA erhofft sich dadurch mehr Fahrbetrieb und insbesondere Spannung, da Fehler, technische Probleme oder gar Wetterkapriolen das sofortige Ausscheiden bedeuten können. Unumstritten ist die Reform jedoch nicht. Neben Sebastian Vettel äußerten sich einige Piloten darüber, dass der neue Modus zu komplex und unverständlich sei, kränkelt die moderne Formel 1 doch sowieso schon am komplizierten Regelwahnsinn. Auch neu: Fortan dürfen die Fahrer vor den jeweiligen Wochenenden aus drei vorgegebenen Reifensätzen selbst bestimmen, welche zwei Pneu-Mischungen sie verwenden möchten. Und weil die Reifenregelung noch nicht kompliziert genug ist, hat Serienausstatter Pirelli für ausgewählte Rennen mit dem Ultrasoft gleichzeitig noch eine weitere Gummimischung entworfen.

Rückkehr der Amerikaner

Budweiser statt Champagner: Erstmals seit 1986 kehrt mit Haas F1 ein amerikanisches Team in die Königsklasse des Motorsports zurück. Bekannt ist die Mannschaft unter anderem aus dem NASCAR Sprint Cup. Anstatt das jedoch wie vielleicht erwartet zwei US-Cowboys ins Lenkrad greifen, verpflichtete Team-Besitzer Gene Haas die beiden F1-Veteranen Romain Grosjean und Esteban Gutierrez. Auch auf der technischen Seite ist man dank eines Kooperationsdeals mit Ferrari gut aufgestellt, weshalb die Erwartungen an das Gespann besonders hoch sind. Im Kampf um die Best-of-the-Rest-Krone wird sich Haas mit Red Bull, Williams und Force India mit Nico Hülkenberg messen müssen.

Mit dem amtierenden DTM-Meister und stark von Mercedes geförderten Pascal Wehrlein gibt dieses Jahr zudem ein vierter Deutscher sein Stelldichein. Beim finanziell sehr stark angeschlagenen Manor-Team wird er an der Seite von Rookie Ryo Haryanto jedoch wohl meist auf den hinteren Plätzen zu sehen sein. Große Fragezeichen auch bei Renault, die erstmals wieder als reines Werksteam mit Frischling Joylon Palmer und Kevin Magnussen antreten, sowie bei McLaren-Honda. Letztere kränkelten 2015 an einem zu schwachen Motor. Dieser soll mittlerweile zwar über mehr Pferdestärken verfügen – laut Angaben des Rennstalls sei man aber zumindest für Australien noch nicht ausreichend vorbereitet.

Mit insgesamt 21 Stationen platzt der diesjährige Formel-1-Kalender aus allen Nähten. Neu dabei ist das Rennen in Baku. Obgleich der Lauf ironischerweise Grand Prix von Europa getauft wurde, verspricht die Hatz durch die engen Gassen der Hauptstadt Aserbaidschans ein optisches Highlight zu werden. Nach einjähriger Abstinenz feiert zudem der Große Preis von Deutschland am Hockenheimring seine Rückkehr.    

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