Nico Rosberg hat es geschafft: In einem Herzschlagfinale reichte dem Mercedes-Fahrer der zweite Platz, um sich erstmals zum Formel-1-Weltmeister zu krönen. Einfach war die Nachtfahrt für den Deutschen allerdings nicht. Rennsieger und Teamkollege Lewis Hamilton griff tief in die Trickkiste, um möglicherweise doch noch den Titel zu verteidigen. Hinzu gesellte sich ein bärenstarker Sebastian Vettel (Ferrari), der den Bronzerang einfuhr.

Am Start konnte Lewis Hamilton problemlos die Führung gegenüber seinem Teamkollegen verteidigen. Dahinter knallte es: Nico Hülkenberg (Force India) fuhr Red-Bull-Youngster Max Verstappen ins Auto, wodurch sich der Niederländer wegdrehte und die Verfolgung vom letzten Platz aufnehmen musste. Rosberg blieb derweil stets in Schlagdistanz zu seinem Teamkollegen, der bei einem gleichzeitigen Sieg darauf hoffen musste, dass der Deutsche maximal Vierter wird.

Brenzlig wurde es nach den ersten Boxenstopps. Weil der Reifenwechsel bei Rosberg länger dauerte, fiel er zunächst hinter dem auf eine Ein-Stopp-Strategie gewechselten Verstappen zurück. Mit dem Herz in der Hand sowie einer gehörigen Portion Mut gelang Rosberg jedoch in der 20. Runde das für seinen weiteren Rennverlauf essenziell wichtige Überholmanöver gegen den Niederländer.

Vettel mit weicheren Reifen

Fortan blieben die beiden Silberpfeile stets in Schlagdistanz, auch weil Hamilton absichtlich langsamer fuhr, um das Feld näherrücken zu lassen, obwohl dies bei einer Ansprache vor dem Rennen seitens der Teamführung untersagt wurde. Auch die mehrmaligen Ermahnungen von Mercedes-Teamchef Paddy Lowe, schneller zu fahren, stimmten Hamilton – aus seiner Sicht sicherlich nicht ganz unverständlich – nicht um. Dadurch rückten Max Verstappen und Sebastian Vettel dicht an die beiden Streithähne heran.

Vettel profitierte dabei von einer guten Strategie, als er bei seinem zweiten Boxenstopp auf die weichere Reifenmischung wechselte und so sogar noch Möglichkeiten hatte, das Rennen zu gewinnen. So zog der Deutsche in den finalen Runden an Verstappen vorbei, wodurch ihn nur wenige Fahrzeuglängen von Rosberg trennten. Der Mercedes-Fahrer konnte jedoch den Silberrang verteidigen – und feierte nach Schwenken der Zielflagge mit viel Rauch und Donuts vor der Haupttribüne seinen Weltmeistertitel.

Abschied von Massa und Button

Als neuer König der Formel 1 tritt Nico Rosberg in die Fußstapfen seines Vaters Keke Rosberg, dem dieses Kunststück 1982 gelang. Unter Feuerwerk in der Wüste von Abu Dhabi endet somit eine sehr silberne Formel-1-Saison. Eine Saison, in der Nico Rosberg nach vielen frustrierenden Jahren endlich seinen Kindheitstraum erfüllte. Eine Saison, die den Aufstieg des jungen Talents Max Verstappen sah, der bereits als zukünftiger Weltmeister gehandelt wird.

Während der eine noch eine lange Zukunft hat, verabschiedet sich das Fahrerlager von Jenson Button (McLaren-Honda) sowie Felipe Massa (Williams), die nach einer langen Karriere in Abu Dhabi ihren Helm an den Nagel hängten. Ein neues technisches Reglement verspricht schnellere sowie lautere Autos für 2017. Dann hoffentlich auch mit einem abwechslungsreicheren Titelkampf. Ein bisschen rot, blau oder gar eine andere Farbe in der silbernen Suppe würde dem eigentlich spektakulären Geschehen nämlich guttun.