Regenchaos in Brasilien, eine vertage Weltmeisterschafts-Entscheidung und eine Rennleitung, die sich mit ihren Fehlentscheidungen laute Pfiffe des brasilianischen Publikums einfing. Lewis Hamilton (Mercedes) vertagte mit seinem allerersten Sieg in der Heimat des legendären Ayrton Senna vor seinem Teamkollegen Nico Rosberg und Max Verstappen (Red Bull) die Entscheidung im Titelkampf nach Abu Dhabi. Angesichts der sich abermals fragwürdig verhaltenen Rennleitung rückt dieses Ergebnis jedoch etwas in den Hintergrund.

Acht Umrundungen hinter dem Safety Car dauerte es, bis die Formel-1-Piloten in Interlagos Vollgas geben durften. Hintergrund waren starke Regenfälle, welche zur Verzögerung des Starts sorgten. Doch damit nahm das Chaos erst seinen Lauf. Insgesamt dreimal musste das Sicherheitsfahrzeug ausrücken. Zudem sorgten zwei Unterbrechungen mit der roten Flagge für eine gesamte Renndauer von über drei Stunden. Das erste Mal wurde das Feld in der 13. Runde neutralisiert, als Marcus Ericsson (Sauber) verunfallte. Beim Neustart in der 20. Runde kam es zur größten Schrecksekunde des Rennens: Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen flog auf der Start- und Zielgerade ab. Mit viel Glück konnten die sich dahinter im Blindflug befindlichen Fahrer dem Wrack des Finnen ausweichen. Die Rennleitung reagierte prompt, schickte erneut das Safety Car auf die Piste, ehe man wenige Minuten später wegen der Witterungsbedingungen wie auch Bergungsarbeiten zum ersten Mal den Regentanz mit der roten Flagge unterbrach.

Zwangpause und Buhrufe

Nach einer längeren Zwangspause dann die Buhrufe der Fans: Für neun Runden schickte die Rennleitung die Fahrer hinter dem Safety Car wieder auf die Strecke – nur um sie anschließend ohne sichtliche Gründe erneut per Rot in die Boxenstraße zu befördern. Die Fans tobten, die Piloten gaben sich ratlos, da man die Bedingungen als fahrbar einstufte. Als man nach einer weiteren Zwangspause das Rennen in der 32. Runde abermals eröffnete, stand gar mehr Wasser auf der Straße, weshalb die zweite Unterbrechung von vielen Seiten als Fehlentscheidung kritisiert wurde. In der 48. Runde rückte zum letzten Mal das Safety Car auf die Strecke aus, als Lokalmatador Felipe Massa (Williams) abflog.

Während Lewis Hamilton das muntere und teils chaotische Rennen hinter sich gelassen ignorierte, sorgte Red-Bull-Youngster Max Verstappen für die meiste Unterhaltung. Nach mehreren Boxenstopps, als er von Vollregen- auf Intermediate- und hinterher wieder auf den Vollregenreifen wechselte, rollte er im finalen Renndrittel das Feld aus dem hinteren Mittelfeld auf. Als ob er über das Wasser gehen könnte, kämpfte er sich als Mann des Rennens am Ende noch auf den Bronzerang vor. Sebastian Vettel (Ferrari) wurde Vierter. Nico Hülkenberg (Force India) und Pascal Wehrlein (Manor) kamen auf dem siebten respektive 15. Rang ins Ziel. Nico Rosberg (367 Punkte) geht mit einem Vorsprung von zwölf Zählern gegenüber Lewis Hamilton (355 Punkte) ins Saisonfinale nach Abu Dhabi am 27. November. In der Wüste muss der Deutsche mindestens Dritter werden, um die Weltmeisterschaft zu gewinnen.