Jubel bei Silber, Frust bei Rot: Lewis Hamilton (Mercedes) profitierte vom Pech von Ferrari-Neuzugang Charles Leclerc und staubte in der Wüste von Bahrain seinen ersten Saisonsieg ab. Silberpfeil-Kollege Valtteri Bottas wurde zweiter vor Pechvogel Leclerc. Sebastian Vettel (Ferrari) kam nach einem Dreher nicht über Platz fünf hinaus.

Es hätte der Abend des 21-jährigen Charles Leclerc werden sollen. Nachdem das junge Talent bereits die Trainingssitzungen sowie die Qualifikation dominierte, sah es im Wettstreit unter Flutlicht lange nach seinem ersten Formel-1-Erfolg aus. Dabei verlief der Start für den Monegassen alles andere als gut. Sowohl Teamkollege Sebastian Vettel als auch Valtteri Bottas kassierten den Polesetter auf den ersten Kilometern, der zunächst mit Grip-Problemen zu kämpfen hatte. 

Leclerc ließ sich allerdings nicht aus der Fassung bringen, setzte wenige Runden später zum Gegenschlag an und zog wieder an seinen beiden Konkurrenten vorbei. Auch bei den Boxenstopps behielt er die Ruhe, kontrollierte den Abstand nach hinten und wehrte gar den sogenannten Undercut-Versuch der Mercedes-Konkurrenz ab. Opfer des strategischen Kniffs wurde Sebastian Vettel, der so zunächst hinter Lewis Hamilton fiel, der zuvor an seinem Teamkollegen vorbeizog.

Bei Mercedes verzockte man sich aber zunächst. Anders als die beiden Ferraris zog der Titelverteidiger beim ersten Reifenwechsel die weichere Soft-Mischung auf. Als diese nach nur wenigen Runden einknickte, übernahm Sebastian Vettel nahezu spielerisch wieder die zweite Position. Die Sternenkrieger reagierten einige Umläufe später – und beorderten Hamilton zum Wechsel auf den Medium-Gummi herein. Der Schaden war allerdings bereits angerichtet, da Sebastian Vettel nach seinem zweiten Boxenstopp in Runde 36 zunächst die Nase vorn behielt.

Das Blatt wendete sich jedoch. Mit beiden Rivalen auf den Medium-Pneus knabberte der Brite am Vorsprung des Deutschen. Wenige Kilometer später kam es zu einem beherzten Duell, bei dem Vettel wegen eines abermaligen Fehlers die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor. Zu allem Überfluss riss bei der Rückfahrt zur Box auch noch der Frontflügel ab, geriet glücklicherweise aber nicht unter sein Auto, wodurch ein möglicher schwerer Unfall vermieden wurde. Vettel fiel zunächst auf Rang neun zurück, kämpfte sich in den verbleibenden Runden aber wenigstens auf den fünften Platz zurück.

Das Pech sollte der Scuderia jedoch am Schuh kleben bleiben: Ausgerechnet zwölf Runden vor Schluss funkte Charles Leclerc ein Problem mit dem Motor. Wegen eines Ausfalls des Turbos wurde die Batterie zur Rückgewinnung nicht mehr aufgeladen – dem Monegassen fehlten dadurch rund 160 PS. Hamilton, der rund zehn Sekunden dahinter war, holte selbstredend mit Siebenmeilenstiefeln auf. Auch Valtteri Bottas ging kurz vor Schluss spielerisch am humpelnden Ferrari vorbei. 

Glück im Unglück: Da die beiden Renault-Boliden von Nico Hülkenberg und Daniel Ricciardo kurioserweise nahezu gleichzeitig an der gleichen Stelle drei Runden vor Schluss mit einem technischen Defekt ausrollten, musste das Safety Car herausrücken, hinter dem auch das Rennen endete. Dadurch konnte Charles Leclerc wenigstens den Bronzerang ins Ziel retten, da er ansonsten auch noch von Max Verstappen (Platz vier) kassiert worden wäre. Besonders bitter war der Ausfall für Nico Hülkenberg, der von Startplatz 17 kommend ein starkes Punkteresultat nach Hause gebracht hätte.

In der Weltmeisterschaft konnte Valtteri Bottas (43 Punkte) hauchdünn seinen Vorsprung vor Lewis Hamilton (42 Punkte) verteidigen. Dahinter belegt Max Verstappen (27 Punkte) weiterhin den dritten Platz vor Charles Leclerc (26 Punkte) und Sebastian Vettel (22 Punkte). Weiter geht es in zwei Wochen in China mit dem 1000. Formel-1-Grand-Prix.