Am Freitag wurde er vom heimischen Publikum noch ausgebuht, nun bejubeln sie ihn wieder: Lewis Hamilton gewann zum vierten Mal in Folge den Grand Prix von Großbritannien. Der Mercedes-Pilot setzte sich gegen seinen wegen eines Getriebewechsels vom neunten Platz gestarteten Teamkollegen Valtteri Bottas sowie gegen Kimi Raikkönen (Ferrari) durch. Sebastian Vettel wurde nach einem desaströsen Reifenschaden in der vorletzten Runde nur Siebter.

Hintergrund für das Pfeifkonzert vor dem Wochenende war Lewis Hamiltons Abwesenheit bei einem offiziellen Show-Event der Formel 1 in London. Er schwänzte als einziger aller aktiven Piloten, da er stattdessen einen Kurzurlaub in Griechenland vorzog. Die britischen Fans sowie die Presse gingen entsprechend hart mit ihrem Helden ins Gericht.

Mit seinem insgesamt fünften Triumph beim traditionellen Grand Prix im britischen Silverstone war die Missgunst seiner Anhänger jedoch schnell wieder verflogen. Es war eine souveräne Vorstellung des dreifachen Weltmeisters, der sich bereits zum Start wie eine Rakete vom restlichen Feld absetzte. Dahinter krachte es: Abermals war Toro-Rosso-Mann Daniil Kwjat der Übeltäter, der dieses Mal mit seinem Teamkollegen Carlos Sainz kollidierte. Wegen des auf der Strecke verteilten Karbonschrotts musste kurzzeitig das Safety Car ausrücken.

Eng wurde es in der ersten Phase zwischen Max Verstappen (Red Bull) und Sebastian Vettel. Der Deutsche biss sich am Niederländer in einem spannenden Zweikampf die Zähne aus. Erst mit Hilfe der sogenannten Undercut-Strategie, bei der ein Fahrer vorzeitig zum Boxenstopp hereingeholt wird, gelang es dem Heppenheimer, am Youngster vorbeizuziehen. Zu diesem Zeitpunkt war Vettel auf Podiumskurs, wurde kurz vor Schluss jedoch von Valtteri Bottas aufgeschlupft, der mit frischeren Reifen kurzen Prozess mit dem Ferrari machte. Damit sollte das Desaster für die Scuderia jedoch erst beginnen.

Drei Runden vor Schluss erlitt der zu jenem Zeitpunkt zweitplatzierte Kimi Räikkönen einen Reifenschaden, was ihn zunächst aus den Podiumsrängen warf. Einen Umlauf später erwischte es ausgerechnet auch noch Sebastian Vettel, der ebenfalls einen Schaden am linken Vorderreifen erlitt. Der Deutsche versuchte zwar, als Dreirad noch schnell  in die Box zurückzukommen, wurde aber dennoch bis auf den siebten Platz nach hinten zurückgespült. Deutlich erfreulicher verlief das Rennen für Nico Hülkenberg (Renault), der als Sechster wertvolle Punkte sammelte. Pascal Wehrlein kam wegen technischer Probleme an seinem Sauber-Boliden hingegen nicht über den 17. Platz hinaus.

Das Reifendebakel von Ferrari brachte einiges an Würze in den Weltmeisterschaftskampf. Zwar konnte Sebastian Vettel mit 177 Punkten die Tabellenführung retten. Lewis Hamilton kam mit 176 Zählern jedoch bis auf ein winziges Pünktchen an den Deutschen heran. Spannende Voraussetzungen also für das letzte Rennen vor der Sommerpause in zwei Wochen in Ungarn.