Alles ist größer in Texas. Auch die Showbühne der Formel 1. Lewis Hamilton krönte sich in Austin vorzeitig zum dritten Mal mit dem Weltmeistertitel, indem er seinen Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg auf Position zwei sowie Sebastian Vettel (Ferrari) auf den Bronzerang verwies. Lange sah es allerdings nicht nach einer britischen WM-Party aus. Am Ende entschied letztlich ein Fünkchen Glück sowie ein schwerer Fauxpas seitens Rosbergs.

Es war ein verrücktes, vor allem aber nasses Rennwochenende. Die Ausläufer des Hurrikans Patricia setzten den Circuit of The Americas sprichwörtlich unter Wasser. Der Fahrbetrieb war eingeschränkt; die Qualifikation musste auf Sonntag verschoben werden. Starkregen verhinderte die Vollendung selbiger. Stattdessen wurde das Klassement des zweiten Segments für die Startaufstellung herangezogen – mit Nico Rosberg auf der Pole-Position. Zum Rennstart verzog sich der Regen. Die Strecke trocknete gar so stark ab, so dass alle Fahrer problemlos mit Intermediate-Reifen starten konnten. Rosberg verpatzte den Start, wodurch er gleich mehrere Plätze verlor. Eine Karambolage im Hinterfeld sorgte für das erste virtuelle Safety Car, um die Strecke wieder zu säubern.

Hamilton nutzt Gelblichtphase für sich!
Bei den zunächst halbnassen Bedingungen waren die beiden Red Bulls am schnellsten. Daniel Riccardio überholte gar Lewis Hamilton, der kurze Zeit darauf auch einen stärker werdenden Rosberg ziehen lassen musste, der anschließend wiederum kurzen Prozess mit Ricciardo machte. Mercedes reagiert sofort und schraubte umgehend Trockenreifen auf den Silberpfeil des Briten, ehe die Konkurrenz gleichzog. In der 28. Runde zog sich das Feld erneut zusammen, als Marcus Ericsson wegen Bremsproblemen seinen Sauber ungünstig abstellte und das Safety Car das Feld neutralisierte. Eine zweites virtuelles Safety Car folgte in Runde 38, weil Nico Hülkenberg (Force India) mit Ricciardo kollidierte. Rosberg nutzte die Chance, um neue Schlappen aufzuziehen, Hamilton musste hingegen draußen bleiben. Zu diesem Zeitpunkt lag der Vorteil bei Rosberg.

Eine weitere Gelblichtphase in Runde 43, ausgelöst durch einen Unfall von Daniil Kwjat (Red Bull), ließ den Wind jedoch wieder in Richtung des Briten wehen, der zum Service abbog und mit frischeren Reifen ohne Zeitverlust nun Druck auf seinen Silberpfeilkollegen ausüben konnte. Und tatsächlich: Sieben Runden vor Schluss verlor Rosberg die Nerven wie auch die Kontrolle über seinen Boliden – und Hamilton ging vorbei. Weil Sebastian Vettel trotz einer wahnsinnigen Aufholjagd von Startplatz 13 nur den Bronzerang erreichte, verwandelte Hamilton seinen ersten Matchball eiskalt zum dritten WM-Titel. Es ist ein verdienter Titelgewinn für den Briten, der auch 2015 das Maß aller Dinge war. Auch groß in Texas: Der erst 18-jährige Rookie Max Verstappen (Toro Rosso), der mit Platz vier sein bestes Saisonergebnis feierte.

Für Rosberg war der Grand Prix der USA quasi ein Sinnbild seiner diesjährigen Saison. Hart gekämpft, doch von Pech sowie eigenen Fehlern ausgebremst. Entsprechend enttäuscht blickte er auf dem Podium herein. Für ihn geht es in den verbleibenden drei Rennen noch um den Vizetitel, auf den er vier Punkte Rückstand auf Sebastian Vettel (251 Punkte) hat. Nächste Angriffschance: Kommendes Wochenende in Mexiko. 

Foto: MrSegui / Shutterstock.com