Statt deutschem Hurra ein britischer Jubel: Lewis Hamilton gewann das Regendrama am Hockenheimring in Baden-Württemberg vor seinem Mercedes-Teamkollegen Valtteri Bottas sowie Kimi Räikkönen (Ferrari). Sebastian Vettel warf auf nasser Piste einen sicher geglaubten Sieg eigenhändig in den Kies.

Es sollte eine Entschädigung für die verkorkste Fußball-Weltmeisterschaft werden, erklärte Sebastian Vettel nach seiner Pole-Position am Samstag. Statt mit Jubel endete sein Vorhaben jedoch in Tränen. Der Grund waren mehrere kräftige Regenschauer, die für zusätzliche Würze beim Grand Prix von Deutschland sorgten. Wie viele andere Piloten auch entschied sich Sebastian Vettel auf der teilweise sehr nassen Piste mit den Slick-Reifen auszuharren. In der 52. Runde dann das vorzeitige Ende für den Lokalmatador: Beim Anbremsen auf die Sachskurve im Motodrom rutschte Sebastian Vettel heraus und strandete vor ausverkaufter Kulisse im Kiesbett. Tobend schlug er auf sein Lenkrad ein, wohlwissend seines Fahrfehlers, und entschuldigte sich prompt bei seinem Team. 

Dabei begann der Sonntag ganz anders. Vettel verteidigte problemlos seinen ersten Startplatz gegen Valtteri Bottas. WM-Konkurrent Lewis Hamilton musste wegen eines Hydraulikproblems lediglich von der 14. Position ins Rennen gehen – kämpfte sich binnen der ersten Runden aber souverän in die Punktepositionen. Die bedrohlichen Regenwolken ließen auch die Köpfe der Strategen an den Kommandoständen rauchen. Viele der Teams entschieden deshalb, ihre Piloten länger draußen zu lassen, um einen möglichen Boxenstopp zu sparen. Einzig Kimi Räikkönen kam wie geplant herein. Ferrari-Kollege Vettel entschied sich erst im 25. Umlauf zum Reifenwechsel. Hierbei flog der Deutsche zunächst hinter den Finnen zurück. Da beide allerdings auf unterschiedlichen Strategien waren, lotste die Scuderia den gebürtigen Heppenheimer wieder vorbei an Raikkönen vorbei.

Der zu diesem Zeitpunkt auf den vierten Platz vorgefahrene Lewis Hamilton blieb hingegen bis zur 42. Runde draußen. Zwei Minuten später sorgte der erste kurze Regenschauer für leichtes Chaos. Die Entscheidung der kleineren Mannschaften wie beispielsweise Torro Rosso, sofort auf Intermediate-Reifen zu wechseln, stellte sich jedoch als falsch heraus, da sich nicht genügend Wasser auf der Strecke sammelte. Nach einer kurzen Regenpause öffneten sich in der 51. Runde dann abermals die Regenwolken über den Hockenheimring – einen Umlauf später strandete Vettel im Kiesbett. 

Um den Ferrari zu bergen, neutralisierte die Rennleitung das Feld mit dem Safety Car. Sofort beorderte Mercedes den nach Vettels Ausfall in Führung liegenden Valtteri Bottas zum Reifenwechsel herein, um beim Schlussspurt nicht mit stumpfen Waffen zu kämpfen. Eigentlich sollte es ihm Lewis Hamilton gleichtun. Wegen Unstimmigkeiten am Funk bog der Brite jedoch in letzter Sekunde nochmals aus der Boxeneinfahrt heraus. Eine goldrichtige Entscheidung, da eine Runde später Kimi Räikkönen zugunsten von frischen Reifen die Führung abgab. Der anschließende Zehn-Runden-Schlussspurt ließ hingegen die Würze von jenem im britischen Silverstone vermissen. Lediglich Valtteri Bottas attackierte direkt am Neustart Lewis Hamilton, wurde aber sofort vom Team per Funkanweisung zurückgepfiffen. Nico Hülkenberg (Renault) wurde nach einer bärenstarken Fahrt Fünfter. 

Damit revanchierte sich Lewis Hamilton auf deutschen Boden für seine Niederlage vor zwei Wochen in England. Mit seinem 66. Karriereerfolg übernahm der Titelverteidiger mit nun 188 Punkten erneut die Führung in der Weltmeisterschaft vor Sebastian Vettel (171 Punkte). Etwas abgeschlagen auf dem Bronzerang befindet sich Kimi Räikkönen mit 133 Zählern. Bereits kommendes Wochenende steht mit dem Grand Prix im ungarischen Budapest das letzte Saisonrennen vor der Sommerpause an.