Faustdicke Überraschung in China: Eine Safety-Car-Phase ausnutzend, sicherte sich Daniel Ricciardo beim chinesischen Grand Prix in Shanghai seinen sechsten Karriereerfolg. In einem furiosen Schlusssprint setzte sich der Red-Bull-Pilot gegen Valtteri Bottas (Mercedes) sowie Kimi Räikkönen (Ferrari) durch. Sebastian Vettel (Ferrari) wurde nach einem Unfall mit Max Verstappen (Red Bull) nur Achter.

Zunächst bot der dritte Saisonlauf ein gewohntes Bild. Wie auch bereits vor einer Woche in Bahrain kontrollierte Sebastian Vettel von der Pole-Position aus das Feld. Verfolgt wurde er von Valtteri Bottas, der direkt am Start an Vettels Teamkollege Kimi Räikkönen vorbeizog, der kurz darauf auch von Red-Bull-Youngster Max Verstappen geschnappt wurde. In der 18. Runde gingen die roten Bullen dann auf Risiko, als sie ihre beiden Piloten binnen von Sekunden zum Wechsel auf die Medium-Reifen beorderten.

Mercedes bemerkte die schnelleren Rundenzeiten der frischen Pneus sofort – und tat es Red Bull mit seinen beiden Fahrern gleich. Bei Ferrari zögerte man hingegen, was sich letztlich als Fehler herausstellte. Als Sebastian Vettel nämlich in der 21. Runde zu seinen Mechanikern abbog, ging Bottas, den Vorteil der neuen Reifen ausnutzend, trotz seines vorherigen Rückstands am gebürtigen Heppenheimer vorbei. 

Die nächste Wende kam in Runde 29, als Pierre Gasly ins Heck seines Toro-Rosso-Kollegen Brandon Hartley rauschte. Per Safety-Car neutralisierte die Rennleitung das Feld, um die Strecke vom herumliegenden Karbonschrott zu befreien. Red Bull reagierte prompt – und holte seine beiden Fahrer zu einem weiteren Reifenwechsel herein. Diesen strategischen Kniff konnte man sich erlauben, da man im Gegensatz zu Bottas und Vettel, die just an der Boxeneinfahrt vorbeifuhren, als das Safety-Car auf die Strecke kam, noch weit zurücklagen.

Die frischeren Pneus sollten sich als glücklicher Handgriff herausstellen. Mit deutlich mehr Haftung pflügte sich der von Position sechs gestartete Daniel Ricciardo in einem furiosen Schlusssprint durchs Feld bis an die vorderste Position. Teamkollege Max Verstappen versuchte, es ihm gleichzutun, übertrieb es jedoch. 

Leidtragender war WM-Spitzenreiter Sebastian Vettel, in dessen Heck der junge Niederländer 14 Runden vor Schluss knallte. Nach dem Rennen entschuldigte er sich und nahm den Unfall auf seine Kappe. Ähnlich entschied auch die Rennleitung, weshalb man Verstappen mit einer Zehn-Sekunden-Zeitstrafe belegte. Statt des möglichen Podiums wurde der 20-Jährige somit lediglich Fünfter.

Sebastian Vettel fiel mit seinem beschädigten Auto hingegen auf die achte Position zurück, als er kurz vor Rennende auch noch von Fernando Alonso (McLaren) überholt wurde. Ein sichtbar ratloser Lewis Hamilton (Mercedes) wurde nach einem erneut blassen Wochenende Vierter. Einer der Profiteure des Unfalls zwischen Verstappen und Vettel war Nico Hülkenberg (Renault), der auf dem sechsten Rang ins Ziel kam.

Trotz des Pechs in China führt Sebastian Vettel die Weltmeisterschaft weiterhin mit 54 Punkten an. Der Vorsprung auf Lewis Hamilton (45 Punkte) sowie Valtteri Bottas (40 Punkte) ist allerdings geschrumpft. Nächste Station auf dem Formel-1-Fahrplan: der pfeilschnelle Stadtkurs von Baku in Aserbaidschan am 29. April.