Lachende Gesichter bei Mercedes, ratlose Blicke bei Ferrari. Obwohl die Scuderia das gesamte Wochenende dominierte, gewann im russischen Sotschi letztlich abermals Lewis Hamilton vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas. Charles Leclerc (Ferrari) musste sich mit dem Bronzerang begnügen. Stallgefährte Sebastian Vettel schied nach einem technischen Defekt aus.

Es brodelt im Lager der Italiener. Nachdem sich Charles Leclerc bereits vor einer Woche schon benachteiligt gefühlt hat, kam es beim russischen Grand Prix zu einer weiteren Kontroverse. Was ist geschehen? Auf Anweisung des Teams gab der von der Pole-Position gestartete Leclerc seinem vom dritten Platz kommenden Teamkollegen ordentlich Windschatten, wodurch dieser problemlos beim langen Sprint zur ersten Kurve die Führung übernahm. Laut dem Funkverkehr wurde dies im Vorfeld so abgesprochen. 

Als Ferrari jedoch Vettel dazu aufforderte, die Position wieder an Leclerc zurückzugeben, lehnte der Deutsche das ab. Zu groß war bereits der Abstand zwischen den beiden Ferraris, da der Monegasse seine Mühe hatte, dem gebürtigen Heppenheimer zu folgen. Nach rundenlangem Hin und Her beschloss der Kommandostand letztlich, das Ganze mittels der Boxenstopps zu lösen. Hierfür wurde Leclerc drei Runden vor Vettel zum Reifenwechsel hereingeholt. Der Undercut funktionierte: Singapur-Sieger Vettel musste sich nach seinem Boxenbesuch hinter Leclercs Boliden einsortieren. Trotz des Zwists im Team war die Scuderia somit drauf und dran, einen weiteren Doppelsieg einzufahren.

Doch dann nahm das Unglück seinen Lauf. Ohne Vortrieb rollte Sebastian Vettel plötzlich mit einem Defekt an der MGU-K, dem mit dem Turbolader verbundenen Elektromotor, aus. Da ihn das Team anwies, den Wagen sofort abzustellen, schaffte er es nicht mehr in die Box zurück. Die Folge: das Virtual Safety Car. Das nutzten die Silberpfeile gekonnt aus, indem sie sofort Lewis Hamilton sowie auch Valtteri Bottas in die Box beorderten, da man wegen der reduzierten Geschwindigkeit nur wenig Zeit verlieren würde. Die Rechnung ging auf: 

Hamilton kam noch vor Leclerc wieder auf die Strecke zurück. Dazwischen verunfallte bei langsamer Fahrt George Russel (Williams), weshalb letztlich doch das Safety Car auf die Strecke geschickt wurde. Die Scuderia nutzte dies, um Leclerc nochmals reinzuholen, um ihn mit weicheren Reifen auf die Verfolgungsjagd zu schicken. Dadurch flog er hinter Valtteri Bottas auf Platz drei zurück, wovon er sich im weiteren Rennverlauf nicht erholen sollte. Somit stellte sich Ferrari gleich doppelt das Bein – und schenkte Mercedes den Sieg. Demnach dürfte der Haussegen in Maranello ordentlich schief hängen.

In der Weltmeisterschaft führt Lewis Hamilton nach seinem achten Saisonsieg nun mit 322 Punkten vor Valtteri Bottas (249 Punkte) sowie Charles Leclerc (215 Punkte). Nächste Station: der Grand Prix von Japan in zwei Wochen.