An einem schwarzen Wochenende für den Motorsport errang Charles Lecerlc seinen allerersten Formel-1-Sieg im belgischen Spa-Francorchamps. Der Ferrari-Star setzte sich gegen die beiden Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas durch. Sebastian Vettel verpasste auf Platz vier das Podium.

Es dürfte wohl niemanden im gesamten Paddock geben, der Charles Leclerc nicht den heutigen Sieg gegönnt haben dürfte. Es war eine sehr emotionale Zieldurchfahrt für den 21-jährigen Monegassen, der wie die gesamte Motorsportwelt am Samstag Abschied von Formel-2-Fahrer Anthoine Hubert nehmen musste. Der 22-jährige Franzose verstarb nach einem schweren Unfall im Rahmenprogramm. Entsprechend hing ein Trauerflor über dem Rennsonntag.

Die Anteilnahme der Motorsport-Community weltweit war groß. Doch insbesondere Charles Leclerc musste mit seinem Emotionen kämpfen, da er nach 2015 bereits zum zweiten Mal einen seiner engsten Freunde verlor. Aus Respekt verzichteten die Piloten auf die sonst ausgefallene Podiumszeremonie; an den Autos klebten Sticker, die an Anthoine Hubert erinnerten.

Trotz der Umstände blieb Leclerc stets fokussiert. Souverän verteidigte er am Start seine Pole-Position gegen Teamkollege Sebastian Vettel. Dahinter kamen sich Ungarn-Sieger Max Verstappen (Red Bull) sowie Kimi Räikkönen (Alfa Romeo) in die Quere. Während letzterer weiterfahren konnte, brach zum Leid der anwesenden niederländischen Fans die Radaufhängung an Verstappens Boliden. Für die Aufräumarbeiten kam das Safety Car auf die Strecke.

Direkt beim Neustart verbremste sich Sebastian Vettel, was Lewis Hamilton konsequent ausnutzte. Kurz nach der gefährlichen Mutkurve Eau Rouge krallte sich der Deutsche jedoch wieder zunächst den Silberrang. Gegen Charles Leclerc konnte der vierfache Weltmeister jedoch kein Land sehen. Stattdessen musste er den langen Atem von Lewis Hamilton spüren, der Runde um Runde den Druck erhöhte. Dies führte dazu, dass Ferrari ihren Schützling bereits in Runde 15 zum Boxenstopp hereinriefen. Als sechs Umläufe später auch die restliche Spitzengruppe zum Service abbog, übernahm Vettel aufgrund der frischeren Reifen zunächst die Führung.

Binnen weniger Runden bauten diese allerdings massiv ab, so dass Charles Leclerc problemlos an seinem Ferrari-Kollegen vorbeizog. Auch Lewis Hamilton rückte wieder näher, fand jedoch zunächst keinen Weg an Vettel vorbei. Dies erlaubte Leclerc seine Führung auf über sechs Sekunden auszubauen, was sich am Ende als äußerst entscheidend herausstellen sollte. In Runde 32 gelang dem Silberpfeil-Piloten letztlich das Manöver gegen Vettel, der kurz darauf für einen zweiten Boxenstopp hereinkam und somit auf den vierten Platz zurückfiel. 

Runde um Runde knabberte Hamilton am Vorsprung von Leclerc, der trotz seiner stärker abgenutzten Reifen jedoch die Ruhe behielt. Mit lediglich 1,5 Sekunden Abstand bogen die beiden Piloten in die letzte Runde ein, die Hamilton allerdings nicht mehr zu einem finalen Angriff ausnutzen konnte. Nach den Enttäuschungen von Bahrain und Österreich sprang somit Charles Leclerc erstmals auf die höchste Stufe des Podiums, den Finger gen Himmel in Gedenken an seinen Freund Anthoine Hubert gerichtet.

Nico Hülkenberg, der seine letzte Saison für Renault bestreitet, kam auf dem achten Platz ins Ziel. In der Weltmeisterschaft konnte Lewis Hamilton (268 Punkte) seinen Vorsprung auf Silberpfeil-Kollege Valtteri Bottas (203 Punkte) weiter ausbauen. Dahinter befinden sich Max Verstappen (181 Punkte), Sebastian Vettel (169 Punkte) sowie Charles Leclerc (157 Punkte). Nächste Station: Ferraris Heimspiel im italienischen Monza in bereits einer Woche.