Im Jahr 1923 kamen ein paar aberwitzige Franzosen auf die Idee, ein 24-Stunden-Rennen in Frankreich zu veranstalten. Und weil es in der Natur des Mannes liegt, sich jeder Herausforderung zu stellen, traten zur Premiere auch 33 Teams bestehend aus jeweils zwei Fahrern an. Geboren waren die 24 Stunden von Le Mans.

Zeitsprung: Zum 90. Geburtstag findet 2013 die nunmehr 81. Ausgabe des Rennens an der Sarthe, südlich der Stadt Le Mans, statt. Die Grundidee ist die Gleiche wie damals: der ultimative Ausdauertest von Mensch und Maschine. Der Sport selbst ist selbstredend moderner geworden. Durften bei der Premiere lediglich die Fahrer an ihren Autos schrauben, sind heute professionelle Teams mit hohen Budgets am Start. Pro Fahrzeug müssen sich zudem drei Fahrer abwechseln. Die Länge der Strecke beträgt dabei 13,5km und führt größtenteils über für den Rennbetrieb abgesperrte Landstraßen. Die schnellsten Autos erreichen dabei eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 340 km/h – von einer Kaffeefahrt lässt sich somit nicht sprechen. Die ultimative Herausforderung stellt die Nacht dar, in der man, frei nach Oliver Kahn, die sprichwörtlichen Eier in der Hose braucht. Hierbei trennen sich die Männer von den Jungs, weil lediglich ein kleiner Teil der Strecke ausgeleuchtet ist.

Das Woodstock des Motorsports

Die 24 Stunden von Le Mans sind allerdings nicht nur ein Autorennen von vielen. Mit einer Woodstock-ähnlichen Atmosphäre, die sich jedes Jahr an der Sarthe entwickelt, ist die Bezeichnung „Festival“ für den Langstrecken-Klassiker deutlich passender. Bei ausgelassener Stimmung wird bereits in der Woche vor dem eigentlichen Rennen gefeiert, gecampt, getrunken sowie Konzerte besucht. Teams und Fahrer sind dabei greifbar, denn anders als beispielsweise die Formel 1, ist das 24-Stunden-Rennen offen und Fan-nah.

56 Autos in vier Klassen

Das Starterfeld der zugelassenen 56 Fahrzeuge ist in vier unterschiedliche Klassen aufgeteilt: In der LMP1-Kategorie, die gleichzeitig auch die schnellste Klasse darstellt, sind reine Prototypen mit extra entwickelten Rennmotoren zugelassen. Der Klassen- und damit auch Gesamtsieg wird auch in diesem Jahr über die beiden Werksmannschaften von Audi und Toyota gehen. Die Ringkrieger aus Ingolstadt sind neben Porsche (16 Gesamtsiege) mit ganzen 12 Triumphen der zweiterfolgreichste Hersteller in der Geschichte des Rennens. Gleichzeitig gelang es Audi im letzten Jahr, als erste Marke überhaupt, mit einem Hybrid-Wagen zu gewinnen, nachdem man bereits 2006 als erster Hersteller mit einem Diesel-angetriebenen Boliden triumphierte. Auch in diesem Jahr bringen die Ingolstädter wieder drei Hybrid-Renner an den Start.

Keine einfache Aufgabe somit für Toyota, die gar nicht so japanisch sind, wie man zunächst annehmen könnte. Deren Hybrid-Prototyp wird nämlich größtenteils vom ehemaligen Toyota-Formel-1-Team in Köln gebaut. Die Deutsch-Japaner setzen zwei Boliden ein. Im Gegensatz dazu steht die LMP2-Kategorie, in der „kleinere“ Prototypen mit Serien-basierenden Motoren zugelassen sind.

Porsche kehrt zurück

In den anderen beiden Kategorien – GTE Pro und GTE Am – sind ausschließlich GT-Sportwagen zugelassen. Während in der erstgenannten Kategorie Teams mit reinen, professionellen Rennfahrern antreten, muss in der GTE Am pro Fahrzeug mindestens ein Amateurfahrer gemeldet sein. Die größte Aufmerksamkeit wird dabei Porsche bekommen, die seit 1998 erstmalig wieder als Werksteam mit zwei nagelneuen 911 RSR teilnehmen. 2014 soll dann die Rückkehr mit einem LMP1-Wagen stattfinden. Einfach wird es Porsche in diesem Jahr mit der Konkurrenz von Ferrari, Aston Martin und Chevrolet jedoch nicht haben.

Wer keine Zeit hat, einen Kurztrip nach Frankreich vom 22. bis 23. Juni zu tätigen, kann die kompletten 24 Stunden live im Fernsehen auf Eurosport 1 und 2 verfolgen. Wir empfehlen dazu: Den Fernseher nach draußen verlegen, das Bier kaltstellen und die Hatz zusammen mit Freunden und dicken Steaks genießen.

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