Ertappt ihr euch auch bei dem Gedanken, dass Musik früher so verdammt viel besser war als heute, und kommt euch sogleich schrecklich alt vor, weil eure Eltern damals genau das Gleiche zu euch gesagt haben?! Ihr braucht euch deshalb aber nicht schlecht zu fühlen. Denn im Gegensatz zu euren Eltern, habt ihr damit Recht! Laut einer Studie aus den USA wird Musik nämlich tatsächlich immer schlechter. Und einen Schuldigen für dieses Verbrechen liefert sie uns gleich mit.

Um herauszufinden, in welcher Art und Weise sich Musik in den letzten Jahrzehnten verändert hat, analysierte Musikwissenschaftler Hubert Léveillé Gauvin von der Ohio State University die Top-10-Hits der letzten Jahre, die auf Spotify liefen. Er verglich diese mit beliebten und berühmten Songs der 80er und 90er Jahre. Dabei zeigte sich, dass sich der Takt bis heute um etwa acht Prozent beschleunigt hat, während das klassische Intro vom Aussterben bedroht zu sein scheint. Dauerte ein solches in den 80ern im Schnitt noch gut 20 Sekunden, hat sich die Dauer auf mittlerweile fünf Sekunden verkürzt.

Kunst oder Kunden?

Gauvin führt diese Veränderung auf die enorm kommerzialisierte Musikindustrie zurück, welche Musik immer weniger nach künstlerischen Aspekten produziert, sondern zunehmend nach ihrem Marktwert, und spricht dabei von der „Aufmerksamkeitsökonomie“ (engl: „attention economy“). Damit tragen aktuelle Songs dem Streaming von Musik Rechnung, welches es uns ermöglicht, jederzeit ohne Kosteneinbußen nur durch einen Klick zum nächsten Titel wechseln zu können.

Statistiken von Spotify belegen, dass nicht ansprechend klingende Musiktitel im Durchschnitt schon nach fünf Sekunden abgebrochen werden. Demzufolge sind Musikproduzenten im Zuge des harten Wettbewerbes übergegangen, den Gesang möglichst früh einsetzen zu lassen, während die schneller werdende Musik dazu beitragen soll, den Kunden „einzufangen“.

Wichtig ist allerdings zu erwähnen, dass Gauvin sich im Zuge der Studie lediglich Musik bediente, welche dem „Mainstream“ zuzuordnen ist und damit einer Strömung, welche schon seit jeher eher einer kommerziellen als einer künstlerischen Ader entspringt. Solange es also noch leidenschaftliche Mucker aus der Indie-, Underground- und Alternative-Ecke gibt, wird es auch weiterhin gute Musik geben.

Quelle: chip.de