Das nächste Slipknot-Studioalbum kommt in absehbarer Zeit, nämlich irgendwann im Jahr 2014. Doch bis dahin fließt noch viel Wasser den Rhein runter. In der Zwischenzeit hat sich die Drum-Maschine der Maskenmänner, Joey Jordison, um sein Solodebüt „Scar The Martyr“ gekümmert, das am 27. September 2013 über Roadrunner Records erscheinen wird. Und was er hier auf den Plattentisch gezimmert hat, ist ein überaus starkes und energetisches Rock-Gewitter mit diversen Industrial-Einsprengseln. Der Dreher beinhaltet 14 reguläre Tracks sowie vier Bonussongs.

Für die Aufnahmen hat sich die Band in die Sound Farm Studios in Des Moines, Iowa, zurückgezogen, wo Jordison selbst die Drumfelle bearbeitete, aber auch sämtliche Bassparts übernahm. Und da so ein Maskenmann auf Urlaub sein erstes eigenes Baby liebt, hat er zudem noch bei fast allen Songs die Rhythmusgitarre eingespielt. Mal abgesehen von seinem Hang zur Eigenarbeit, komplettieren Leadsänger Henry Derek, Keyboarder Chris Vrenna (Nine Inch Nails) sowie die Lead-Gitarristen Jed Simon (Strapping Young Lad) und Kris Norris (Darkest Hour) die Band Scar The Martyr. Die Scheibe wurde produziert von Rhys Fulber, der bereits mit Rob Zombie, Fear Factory oder Paradise Lost zusammengearbeitet hat.

Diese Scheibe zeichnet sich vor allem durch ihre düstere Gangart aus, die aber durchweg sehr groovy und hoch melodisch die Nackenmuskulatur in Bewegung bringt. Natürlich wird auch mit einer passenden Härte das Trommelfell bearbeitet, aber nie in einer Art, dass sie die Melodie brechen würde. Die Synthesizer werden dezent eingesetzt und das prägnante Riffing unterstreicht das allseits beliebte und knüppelharte Jordison-Drumming. Technisch bewegen sich alle Akteure auf hohem Niveau, was man bei der fetten Produktion auch zu hören bekommt.

Nicht vergessen wollen wir Henry Derek, den Mann am Mikro, der eine gute Mischung gefunden hat aus cleanen und bissigen Gesangspassagen. Insgesamt ist das Solodebüt von Joey Jordison ein sehr mitreißendes geworden, das wirklich perfekt zwischen halber Kraft und Highspeed wechselt. Sehr bemerkenswertes Debüt, das den Herbst mal ordentlich durchblasen wird. Das alles trotz seiner Slipknot-Ausflüge, die der Platte aber eine gewisse Extraportion Wahnsinn verleihen. Musiktipp!

Anspieltipps: „Blood Host“, „My Retribution“ „Dark Ages“, „Never Forgive Never Forget“

Tracklist:

1. Intro
2. Blood Host
3. My Retribution
4. Soul Disintegration
5. Cruel Ocean
6. Dark Ages
7. Sign Of The Omeneye
8. Anatomy Of Erinyes
9. Prayer For Prey
10. White Nights In A Day Room
11. Effigy Unborn
12. Never Forgive Never Forget
13. Mind's Eye
14. Last Night On Earth