Spitzt die Lauscher, eine der erfolgreichsten deutschen Rap-Crews der letzten Jahre ist wieder am Start mit ihrem neuen Album „Y.A.L.A“. Nicht verwunderlich, dass die Jungs aus Saarbrücken auch auf ihrem neuen Dreher ihr Ding lostreten, ohne auf ein Korsett oder Erwartungen zu achten. Vermissen muss man hier ihre Trademarks jedoch nicht. Eine Kunst, die Producer Sikk und Rapper Karuzo bestens beherrschen und auch deshalb immer wieder spannende Alben produzieren.

Mit „Y.A.L.A“ hat man eine viel verzweigte Rap-Platte zur Hand, die sich vor allem erst nach mehrmaligem Hören so richtig entfaltet und ihre vielen Details offenbart. Zugegeben, Fans, die Genetikks Erfolgsalben „Voodoozirkus“, „D.N.A.“ und „Achter Tag“ lieben, stoßen sich bereits öffentlich an den meisten der elf neuen Tracks. Das war zu erwarten, grenzen sie sich doch stark von diesen Alben ab. Es ist halt immer der gleiche Tenor: Macht man Platten wie zuvor, wird man gedisst, dass man sich nichts Neues traut – traut man sich, wird man gedisst, dass es sich nicht mehr so wie zuvor anhört.

Gut, dass Genetikk darauf so gar nichts geben. Die Jungs bauen hier eine eigene, intensive Genetikk-Welt, die, wenn man sich für diese öffnet, eine klangvolle und spannende ist. Okay, etwas weniger Bitches, Kohle und Statussymbole hätten es textlich auch getan, aber die Platte hat einige gedankenreiche Momente inklusive systemkritischer Zeilen. Man muss diese nur hören wollen, ebenso wie die coolen Punchlines. Und dann wäre da ja eh noch Karuzo, dessen Flows sich bis in die Hirnrinde fressen. Richtig stark sind zudem die Samples, wir sagen nur: Marlene Dietrich und „Frag nicht, warum ich gehe“.

Davon abgesehen ist „Y.A.L.A“ generell kein typisches deutsches Rap-Album, was auch an der guten Arbeit von Producer-Legende Mike Dean liegt. Tracks, die wir euch als Anspieltipps ans Herz legen wollen, sind hierbei „GOAT“, „Wake up“, „Marlene“, „Magic“ und „Neuer Name“. Insgesamt bekommt ihr mit diesem Dreher ein überaus cooles Rap-Album geliefert, das einen supermodernen, zeitlosen Sound abfeuert, der die Genetikk-Soundvita grandios erweitert und die deutsche Rap-Szene mit ihrem Einheitsbrei ordentlich durchschüttelt.

Genetikk „Y.A.L.A“ (Outta This World/Sony Music) // VÖ: 19. Oktober 2018
Tracklist:
01. GOAT // 02. Wake up // 03. Flames // 04. Nonna // 05. Marlene // 06. Bitches // 07. Motel // 08. Magic // 09. 1 Moment // 10. Neuer Name // 11. 5 AM