Die Böhsen Onkelz sind zurück und rücken mit ihrem neuen Studioalbum ‘Memento’ in den Fokus der deutschen Musiklandschaft. Wer hätte nach ihrer Auflösung vor über zehn Jahren jemals daran geglaubt, dass die Onkelz noch mal zum Leben erwachen. Totgesagte leben halt länger, weshalb es jetzt ein faustdickes Album-Comeback gibt. Das wird beileibe nicht jedem schmecken, aber die treue Fanbase in der Republik wird die Jungs aus Frankfurt mit offenen Armen empfangen. Allerdings dürfte die Erwartungshaltung aller Onkelz-Sympathisanten gigantisch sein.

Ob die Phrase „Was lange währt, wird endlich gut?“ auf die zwölf neuen Tracks von ‘Memento’ zutrifft? Nun, fangen wir mal beim Steuermann an mit dem viel und zurecht gescholtenen Kevin Russell, der die Onkelz schlussendlich damals ins Aus geschossen hatte. Kevin hat jedoch den Turnaround geschafft und das ist aller Ehren wert. Drogenfrei und mit lichter Birne röhrt er so kraftvoll und clean wie nie zuvor ins Mikro, ohne dabei seine geliebte Rotzigkeit zu verlieren. Das ist richtig geil und verleiht den Onkelz generell einen frischen, energetischen Sound. Das gilt eigentlich für die gesamte Band, die vor Spielfreude strotzt und eine lang vermisste Angriffslustigkeit an den Tag legt.

Es sind moderne Deutschrock-Tracks entstanden, die alle Tiefe sowie Power mit sich bringen. Das wird gerade für den einen oder anderen Freund von alten Erfolgsplatten wie ‘Es ist soweit’ oder ‘Heilige Lieder’ befremdlich wirken. Doch gebt den Liedern ihre Zeit und den Raum, sich zu entfalten, denn viele der Songs zünden erst mit weiteren Durchläufen – was absolut positiv zu werten ist. Generell gehen die Onkelz weniger auf Party-in-die-Fresse, sondern ein Großteil der Lieder kommt schon recht düster um die Ecke. Was nicht heißt, dass Langeweile aufkommt, denn dafür stehen die Tracks zu sehr unter Strom. Was besonders gefällt, ist die thematische Vielfalt mit intensiven, persönlichen Texten, mit Schüssen gegen das Finanzsystem, mit dem Aufruf zum Zusammenhalt oder ganz einfach, um auf die Freundschaft anzustoßen.

So gibt es mit ‘Irgendwas für nichts’, ‘Es ist sinnlos mit sich selbst zu spaßen’, ‘Auf die Freundschaft’ oder dem Schlussstück ‘52 Wochen’ rassige Onkelz-Tracks mit grandiosen Refrains zum ausgelassenen Mitgrölen. ‘Wo auch immer wir stehen’ ist hingegen eine astreine Ballade, geschrieben, Achtung, von Stephan und Gonzo. Weitere Anspieltipps sind das kritische ‘Markt und Moral’ oder das sehr persönliche ‘Nach allen Regeln der Sucht’. Schlussendlich hauen die Onkelz hier ein sehr erwachsenes, modernes Deutschrockbrett auf den Tisch, das zugleich ein gelungenes Comeback untermauert. Die Onkelz sind ohne Frage zurück und können definitiv mit ihren Neffen und Nichten auf ‘Memento’ anstoßen!

Fotocredit: Alexander Laljak

Böhse Onkelz ‚Memento’
(Matapaloz/Tonpool) - VÖ: 28.10.2016
Tracklist: 01. Gott hat ein Problem // 02. Frei // 03. Markt und Moral // 04. Jeder kriegt was er verdient // 05. Mach's dir selbst // 06. Irgendwas für nichts // 07. Wo auch immer wir stehen // 08. Es ist sinnlos mit sich selbst zu spaßen // 09. Der Junge mit dem Schwefelholz // 10. Nach allen Regeln der Sucht // 11. Auf die Freundschaft // 12. 52 Wochen