Manege frei für den neuen Langspieler „We Are Not Your Kind“ der durchgedrehten Maskenmänner aus Des Moines, Iowa um Frontfratze Corey Taylor. Endlich werden Fans rufen, liegt ihr letztes Studioalbum „.5: The Gray Chapter“ doch immerhin fünf Jahre zurück. Eine lange Zeit, in der die Band private Schicksalsschläge wegstecken musste, aber auch bandinterne Probleme endgültig der Vergangenheit angehören. „We Are Not Your Kind“ ist ein Neustart, der jedoch zu keiner Zeit die musikalische Seele Slipknots vergisst.

Die sechste Platte ist vor allem ein echtes Album-Erlebnis geworden, bei dem 14 von Wahnsinn, Wut und Düsterkeit erfüllte Songs zu einem wutschnaubenden Monster fusionieren. Corey Taylor hat sich merklich ganz offen mit vielen seiner inneren Dämonen auseinandergesetzt. Das auch gerne mit dem einen oder anderen Song, an den sich Diehard-Fans wohl erst gewöhnen müssen. Wie „Spiders“ mit seinem Anklang von Gothic und New Wave, dem nachdenklichen „My Pain“ oder der melancholischen Midtempo-Nummer „A Liar's Funeral“.

Zwischendurch immer mal wieder verstörende Klanglandschaften, die aufmerken lassen, dass die Band hier ihren Schmerz der vergangenen Jahre verarbeitet. Auf der anderen Seite lässt die Platte die Wiedergeburt der Außenseiter durchklingen. Sie lehnen sich zudem gegen die Ungerechtigkeiten und Disharmonien in der Welt auf. Ja die Maskenjungs haben eine Menge zu sagen, was den gesamten Dreher zu einem wahnsinnig spannenden Unterfangen macht.

Das auch wegen der vielen Song-Highlights, die jedem Fan Gänsehaut bereiten werden. So wie etwa das hymnische „Critical Darling“. Richtig stark ist auch das kompromisslose und tiefblickende „Unsainted“, das locker an das Meisterstück „Duality“ heranreicht. Genial ist zudem das bissige „Birth Of The Cruel“, in dem Taylor mit der Zeile „Wir sind die Verbitterten, die Unangepassten“ den Faden zu Slipknot 1999 knüpft.

Die Mittelfinger werden mit „Red Flag“ in die Höhe nach besten Haudrauf-Tradmarks der Band gereckt. Zu den weiteren Highlights gehören auch so Nackenbrecher wie „Orphans“, „Solway Firth“ oder „Nero Forte“. Slipknot haben jedenfalls die fünf Jahre Pause mehr als prächtig genutzt, um eines ihrer besten Alben in der 20-jährigen Band-Diskografie auf die Matte zu legen. Eine Platte, die rockt, die Rübe abhämmert, aber mit ihren Zeilen auch durchweg was zu sagen hat und Futter zum Nachdenken mitbringt.

Hier steckt am Ende 100 Prozent Slipknot drin, die jeden Maggot freudeschreiend in den Wahnsinn treiben. Wenn man dazu bedenkt, dass es satte 18 Tracks nicht auf „We Are Not Your Kind“ geschafft haben, ist klar, dass Slipknot noch reichlich Sprit im Tank haben. Legt euch dieses wütende Monsteralbum zu und überzeugt euch selbst – von den wiedergeborenen Maskenmännern mit jeder Menge Wut um Bauch!

Slipknot „We Are Not Your Kind“ (Roadrunner Records / Warner Music) // VÖ: 09. August 2019
Tracklist:
1. Insert Coin // 2. Unsainted // 3. Birth Of The Cruel // 4. Death Because Of Death // 5. Nero Forte // 6. Critical Darling // 7. A Liar’s Funeral // 8. Red Flag // 9. What’s Next // 10. Spiders // 11. Orphan // 12. My Pain // 13. Not Long For This World // 14. Solway Firth