Die Legenden des Post-Hardcores, die in den 90er Jahren mit nur drei Alben ein ganzes Genre beeinflusst haben, melden sich wieder musikalisch zu Wort. Auf dem Höhepunkt ihrer Schaffensphase, mit ihrem Meilenstein „The Shape Of Punk To Come“, löste sich die schwedische Band 1998 zum Entsetzen aller Fans auf. Einer der Hauptgründe war der kommerzielle Erfolg, den die Truppe nie haben wollte.

Nach ihrem fulminanten Comeback im Jahre 2015 mit ihrem Album „Freedom“ melden sich Refused vier Jahre später mit ihrer neuen Studioplatte „War Music“ zurück. Und auch auf Album Nummer fünf zeigen Refused, dass sie halt alles sind, nur eben nicht Mainstream. Allerdings zeigen sich die Schweden sich nicht mehr so experimentell wie zuvor. Dafür bringen sie ihre vitale Energie zurück auf den Punkt. So sind zehn neue Tracks entstanden, die sich alle als störrische Hymnen auszeichnen.

Hier hat das Quartett um den charismatischen Frontmann Dennis Lyxzén ganze Arbeit geleistet, einen dynamischen Sound zu kreieren, der zwar eingängiger ist als zuvor, aber durch dessen Adern zu 100 Prozent die Trademarks der Band fließen. Insgesamt bleibt also dieser unvergleichlich eigene Refused-Sound, den man nicht kopieren kann, bestehen. Auf den zehn Tracks des Albums gibt es einen wilden Trip von unberechenbaren Wutausbrüchen hin zu melodischen Phasen, aber dieses Mal ohne Ruhepausen.

Ein grandioser Mix aus Aggression und Melodie eben, der die Band schon immer auszeichnete. Vor allem Dennis Lyxzén drückt mit seiner exzentrischen, unvergleichbaren Stimme jedem Titel den Stempel auf. Generell geht „War Music“ schon mehr in Richtung ihres Überalbums „The Shape of Punk to Come“. Hier ist die Wut zu jeder Sekunde spürbar und der Groove sitzt auf der Platte. So geht intelligenter, musikalisch extrem vielschichtiger Post-Hardcore.

Wobei man „War Music“ auch als eine raffinierte Interpretation eines modernen Rockalbums bezeichnen kann. Natürlich muss man auf „War Music“ nicht auf kritische Texte verzichten, da Lyxzén dieses Mal einige große antikapitalistische Themen aufgreift. Um einen guten Überblick über dieses Werk zu erhalten, lohnen sich Tracks wie „Violent Reaction“, „Blood Red“, „Damaged III“, „Death in Vännäs“ oder „The Infamous“ als Anspieltipps.

Fans werden Beifall klatschen und Neueinsteiger sicherlich ihren Gefallen an den neuen Dreher der Schweden finden. Unsere Daumen gehen jedenfalls steil nach oben für diese wütende, groovende und rockende „War Music“!

Refused „War Music“ (Spinefarm Records) // VÖ: 18. Oktober 2019
Tracklist:
01. REV001 // 02. Violent Reaction // 03. I Wanna Watch the World Burn // 04. Blood Red // 05. Malfire // 06. Turn The Cross // 07. Damaged III // 08. Death in Vännäs // 09. The Infamous Left // 10. Economy of Death