Die Aussies aus Byron Bay sind wieder über den großen Teich geschippert und präsentieren ihre neue Studioplatte „Reverence“. Ihre mittlerweile sechste Platte hält einige Überraschungen bereit und zeigt in den zehn neuen Tracks die unaufhörliche Weiterentwicklung des australischen Metalcore-Schwergewichts. Wobei der Metalcore keinen zentralen Dreh- und Angelpunkt der Band mehr darstellt. Altfans und Core-Enthusiasten von Drehern wie „Horizons“, „Deep Blue“ und ihrem Monster „Atlas“ müssen sich ja schon seit dem Vorgänger „Ire“ damit abfinden, dass die Band sich musikalisch gestreckt hat.

Nicht nur bei Songs wie „Vice Grip“ von der letzten Platte riefen unzählige Fans nur „Commercial Sound“ – und dass sich die Band dem Mainstream verschrieben hätte. Dieses Totschlagargument kann man jedoch auf Parkway Drive nicht anwenden. Die Jungs um Sänger Winston McCall erreichen sicherlich mittlerweile eine größere Masse an Fans, aber ihr Sound ist keine Veränderung für den Mainstream, sondern schlicht eine künstlerische Weiterentwicklung. Musiker ändern sich eben, sie schreiten voran, sie entfalten sich ideenreich – und das ist gut so.

Aber genug der Worte zu diesem Thema, kommen wir doch zum Eingemachten und dem neuen Dreher „Reverence“. Auf dieser Platte schaffen es Parkway Drive auf eine bemerkenswerte Art und Weise, eine ausgezeichnete Balance zwischen Härte, Melodie sowie Variation zu finden. Generell verwendet die Band wesentlich mehr Rock- und Metal-Styles in ihrem Sound als je zuvor. Das macht die Scheibe unglaublich abwechslungsreich und dramatisch kurzweilig. Der Opener „Wishing Wells“ knallt euch ein biestiges, düsteres Blast-Brett an den Kopf und erinnert an die alten Platten. Doch direkt danach gibt es mit „Prey“ eine Hymne zum Mitgrölen.

Ein Song, der mit griffigem Refrain und schnittigen Riffs mega-eingängig direkt bis zum Kleinhirn vorstößt. Auch „The Void“ zielt auf diese Schiene und kommt mit einem derben Rock-Einschlag daher. Aber denkt nicht, dass das alles leichter Singsang wäre, die Jungs knallen hart durch die Boxen. Sie lassen ihre Trademarks schalten und walten, weshalb alle Songs sich weiterhin nach Parkway Drive anhören. Nur eben befreit von jeglichen Genreketten. Weiteres Kracherliedgut gibt es mit „Absolute Power“, „I Hope You Rot“, „Chronos“ oder  „The Colour Of Leaving“.

Ingesamt besteht die gesamte Platte aus Songs, die alle totales Hitpotenzial besitzen. Eine Mischung aus In-die-Fresse-Blasts, Breakdowns, biestigen Riffs, hochmelodischen Refrains, reichlich Groove und Wut, mit wirklich düsteren, überaus ernsten Lyrics. „Reverence“ ist ohne Frage eines, wenn nicht ihr facettenreichstes Studioalbum, das zeigt, wie variabel man Metalcore erweitern kann. Ein geiles Ding, unser MANN.TV-Musiktipp der Woche und sicherlich eines der Album-Highlights 2018!

Parkway Drive „Reverence“ (Epitaph Records) - VÖ: 04.05.2018
Tracklist:
01. Wishing Wells // 02. Prey // 03. Absolute Power // 04. Cemetery Bloom // 05. The Void // 06. I Hope You Rot // 07. Shadow Boxing // 08. In Blood // 09. Chronos // 10. The Colour Of Leaving

Quelle: Fotocredit: Kane Hibberd