Die australischen Metalcore-Sunnyboys surfen auf riesigen Wellen Richtung Europa und schieben ihr neues Album „Ire“ vor sich her. Das Teil hat es in sich, geht die Band doch neue Wege inklusive Risiken und Nebenwirkungen. Bereits im Vorfeld warnten die Jungs, dass der neue Dreher die Fans „spalten“ wird. Sobald die Platte dann im Player ihre Runden zieht, weiß jeder, dass diese Warnung definitiv nicht haltlos war. Denn Parkway Drive präsentieren sich so melodisch wie noch nie.

Sie gehen weg vom stupiden Metalcore inklusive Breakdown-Gewitter, hin zu einer überraschend vielschichtigen Allzweckwaffe. Keine Angst, die Hardcore-/Metalcore-Basis muss niemand missen, aber was darüber hinaus passiert, ist genial. Die Australier bauen eine ganze Latte an musikalischen Einflüssen ein, sodass unterm Strich ein komplett neues Klangerlebnis geboten wird. Die Gitarren liefern extrem melodische Riffs und Sänger Winston keift nun gesanglich variabler ins Mikro. Man findet Classic Rock, 80er-Heavy-Rock und einen kräftigen Metaltouch in ihrem Soundkosmos. Das Geile daran ist: Sie hören sich trotz allem immer noch unverkennbar nach Parkway Drive an, nur wesentlich abwechslungsreicher.

Wenn man böse sein will, ist die Platte sicherlich mainstreamiger als zuvor. Aber ist das schlecht? Nein, ganz sicher nicht. Das Album ist fett produziert, es ist derbe groovy und hookig. Dazu kommen jetzt perfekt dosierte Breakdowns, die in den richtigen Momenten die Songs explodieren lassen. „Ire“ ist ganz sicher cleaner, aber man bekommt am Ende trotz aller Spielfreude immer noch herrlich auf die Fresse. Von den elf Tracks taugen als Querschnitt Songs wie „Destroyer“, „Vice grip“, „Dying to believe“, „Dedicated“ und „Crushed“. Sie zeigen perfekt, welche Dynamik in diesem Album steckt.

Altfans dürfen natürlich Alben wie „Killing With A Smile“ oder dem letzten Monster, das bereits ein wenig eine andere Richtung nahm, „Atlas“, hinterhertrauern. Aber das ist unserer Meinung nach vergebliche Liebesmüh. Denn „Ire“ ist eine Spaßbombe an melodischem Parkway-Drive-Gewitter, mit der jeder seine Freude haben wird, wenn man denn die Vergangenheit loslassen kann. Respekt an die Surfer Boys für ihren Mut zum Risiko, einen neuen Weg einzuschlagen. Es hat sich absolut gelohnt, hauen die Jungs doch ein auf mannigfaltige Weise modernes „Metalcore“-Album raus, das alle Gliedmaßen übelst zum Beben bringt! Scheiß auf Risiken und Nebenwirkungen – fettes Ding!

Parkway Drive „Ire“ - Epitaph Records (Indigo) - VÖ: 25. September 2015
Tracklist: 1. Destroyer // 2. Dying To Believe // 3. Vice Grip // 4. Crushed // 5. Fractures // 6. Writings On The Wall // 7. Bottom Feeder // 8. The Sound Of Violence // 9. Vicious // 10. Dedicated // 11. A Deathless Song