Die Vorliebe im Land des Lächelns, Dinge zu kombinieren, die nichts miteinander zu tun haben, ist im Westen berüchtigt. Doch wie sieht es aus, wenn man japanische Popmusik und Metal verquickt? Dafür steht Babymetal – ein Projekt, das es in dieser Form nur in Japan geben kann: Drei begabte Schulmädchen singen, eine Band von professionellen Berufsmusikern (Kami Band genannt) bearbeitet im Hintergrund Axt, Tieftöner und Schießbude. Dieser Tage ist das Album ‘Metal Resistance’ erschienen. Wir haben uns die Scheibe zu Gemüte geführt. Man(n) sollte offen für Neues sein – doch reicht der Exotenbonus?

Handwerklich gibt nichts auszusetzen: Die Kami-Band versteht ihr Geschäft ebenso wie Fronterin Suzuka und ihre Mitstreiterinnen. Der Sound ist druckvoll, die Abmischung glasklar. Babymetal einzuordnen, fällt schwer, Schubladen kennt das Projekt nicht: Thrashige Riffgewitter und Death-Gegrunze treffen auf erhabene Power-Metal-Versatzstücke, Black-Metal-Gekeife oder Passagen mit Frickel-Soli. Schon der Auftakt, „Road of Resistance“, lässt mit seinem Tempo manche Speed-Metal-Kapelle vor Neid erblassen und flechtet 8-Bit-Videospielsamples ein. Wer bei diesem epischen Opener den Kopf schüttelt, darf das Album getrost an der Stelle ausschalten, die Marschrichtung ist vorgegeben. 

Song Nr. 2, „Karate“, bedient sich mit präzisen Breakdowns und harten Gitarren eher beim Metalcore, konterkariert durch einen erstklassigen Pop-Ohrwurm. Ein grandioser Song. Jetzt beginnt der Belastungstest für westliche Ohren: „Awadama Fever“ bringt einen Tsunami von Elektro-Elementen mit ein, der selbst tolerantere Metalheads überfordern dürfte und auch der Folk-Metal-Versuch „Meta Taro“ fällt unter die Rubrik „Totalausfall“. Nummern wie „GJ!” oder „Sis. Anger“ zeigen hingegen, wie es geht: Gerade letztere Nummer ist ein deathiger Brecher, der sich nicht zu verstecken braucht. Mit „Tales of the Destinies“ und „The One“ folgen eher klassische Balladen – nicht schlimm, aber auch nicht denkwürdig.

Mit seinem Vorgänger kann sich das eher bodenständige „Metal Resistance“ nicht vergleichen, es fehlen Neuerungen und konsequente Weiterentwicklung. Tolerantere Hörer, die Babymetal eine Chance geben möchten, sollten besser zum Erstling greifen, dessen Hitdichte um einiges höher ausfällt und später in ‘Metal Resistance’ reinhören. Wer Standardkost erwartet, dürfte eine unschöne Überraschung erleben und lässt besser die Finger von dem Projekt. Fans von Animes, J-Culture und kuriosen Ideen kennen Babymetal eh längst.   

Babymetal „Metal Resistance” - (earMusic) - VÖ: 01.04.2016
Tracklist: 1. Road of Resistance // 2. Karate // 3. Awadama Fever // 4.YAVA! // 5.Amore // 6. Meta Taro // 7. From Dusk til Dawn // 8.GJ! // 9. Sis. Anger // 10. No Rain, No Rainbow // 11. Tales of the Destinies // 12. The One (English Version)