Hat die „Tales From The Thousand Lakes“ im imaginären und hauseigenen Schrein als eine der besten Metalscheiben der 90er Jahre und prägenden Elemente der Amorphis-Geschichte immer noch einen mehr als berechtigten Ehrenplatz, so erscheint am 18. Mai bereits der 13. Longplayer der Finnen aus Helsinki. „Queen Of Time“ ist der Name des neuen Werks, bei dem der Boden ab der ersten Note bis zum letzten Ton des Albums konsequent brennt. Es ist nahezu unmöglich, so viel Löschwasser heranzuschaffen, um den Flächenbrand, den Amorphis hier hinlegt, zu bekämpfen.

Orchestrale Elemente und Chöre sorgen auf „Queen Of Time“, gepaart mit den typischen folkloristischen Harmonien, dem wieder vermehrt auftretendem Melodic Death Metal und eingängigen Melodien, für das absolute Sahnehäubchen. Schon der Opener des Albums „The Bee“ sorgt für einen gewaltigen Höhepunkt. Bombastischer Sound, untermalt von brutalen und fetten Growls, der kombiniert mit den harmonischen und einprägenden cleanen Vocals des Refrains ein absolutes Meisterstück darstellt. Eines der besten Stücke, die je aus der Feder von Amorphis entsprungen sind.

Wer aber nun meint, dass nach einer solchen Eröffnung die Qualität nur sinken kann, der sieht sich getäuscht. Schon der zweite Song „Message In The Amber“ sorgt nicht zuletzt durch den fetten Part des Chores für einen weiteren Meilenstein des Hörgenusses. Das darauffolgende düstere Stück „Daughter Of Hate“ zeigt besonders die wahnsinnige Vielfalt von Sänger Tomi Joutsen. Herzzerreißende Melancholie kippt schlagartig in leidende und hasserfüllte Growls um. Ebenfalls ein wahrer Kracher. In „Heart Of The Giant“ fühlt man sich im Intro an einen ollen Italo-Western erinnert, bevor mit explosiver Tasten- und Gitarrengewalt der Zuhörer in hoher Geschwindigkeit und grandioser Melodik im Auge des Hurrikans weggeknallt wird.

Den harmonischen Part übernimmt dann „Amongst Stars“, in dem die herausragenden cleanen Vocals von Tomi Joutsen mit der wundervollen Gastsängerin Anneke van Giersbergen interagieren. Ein melancholisches Träumchen, wobei auch hier das Tempo des Songs nicht zu kurz kommt. Letztendlich könnte man auch zu jedem anderen Song auf „Queen Of Time“ eine kleine Geschichte schreiben, da es durchgängig auf dem kompletten Album nicht den geringsten Qualitätsverlust gibt. Aber es muss ja auch für den Konsumenten noch Überraschungen geben.

Zusammengefasst erleben wir eine musikalische Gefühlseuphorie, dass selbst die 1000 finnischen Seen nicht mehr wissen, ob sie vor Begeisterung zufrieren oder das Land überschwemmen sollen. Eine Neuerung haben Amorphis in „Queen of Time“ auch bei der Besetzung zu bieten: Ur-Bassist Olli-Pekka Laine ist zurückgekehrt und ersetzt den ausgestiegenen Niclas Etelävuori.

Alles in allem wird die anfangs erwähnte „Tales“ ihren „heiligen Status“ nicht verlieren, aber auf „Queen Of Time“ sind Amorphis heutzutage wohl so grandios und genial wie noch nie zuvor. Ganz egal, ob ihr Wollmützen, Basecaps oder einen Zylinder tragt – zieht! Amorphis schreiben mit dem neuen Album in ihrer ohnehin schon erfolgreichen Existenz noch einmal eine ganz neue Geschichte – Chapeau!

Amorphis „Queen Of Time“ (Nuclear Blast) - VÖ: 18.05.2018
Tracklist:
01. The Bee // 02. Message In The Amber // 03. Daughter Of Hate // 04. The Golden Elk // 05. Wrong Direction // 06. Heart Of The Giant // 07. We Accursed// 08. Grain Of Sand // 09. Amongst Stars //10. Pyres On The Coast

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