Sechs Jahre mussten Fans auf das fünfte Studioalbum der Maskenmänner aus Iowa warten. In der Zeit ist viel Einschneidendes passiert mit dem Rauswurf von Höllentrommler Joey Jordison sowie dem tragischen Tod ihres Bassisten Paul Gray. Trotz der Rückschlage hat die lange Pause der Truppe um Frontfratze Corey Taylor nicht geschadet.

Denn ihr neuer Dreher, „.5: The Gray Chapter”, ist ein wutschnaubendes Monster geworden, das an die Anfangsjahre der Band mit ihrem unschlagbaren Debütalbum „Slipknot“ aus dem Jahre 1999 erinnert. Wobei die Qualität nur schwer zu toppen ist. Erfreulicherweise trieft die neue Scheibe förmlich vor derart viel Wahnsinn, Wut und Finsternis, dass man sich fühlt wie Laurie Strode, die von Michael Myers in der Halloween-Nacht gejagt wird. Natürlich ist das zu 100 Prozent positiv gemeint, auch wenn es nur wenige Verschnaufpausen auf der Platte gibt.

Die Tracks besitzen alle eine unglaubliche Energie, die den Hörer ohne Vorwarnung vom Sessel auf den Fliesenboden katapultiert. Das ist grandios und tut auch nicht weh. Vertraut uns! Fans sowie Die-Hard-Maggots wissen, was wir meinen. Die bissigsten Tracks sind hierbei „Sarcastrophe“, „AOV“, „Skeptic“, „Nomadic“, „Custer“, „The Negative One“ und die unbeschreiblich geniale Abrissbirne „Lech“. Die meiste Zeit keift Cory Taylor einfach wie eine wildgewordene, übelgelaunte Wildsau ins Mikro. Genau dies macht diese Platte auch so mächtig im Verbund mit dem fetten Riffing sowie den hämmernden Drumparts. Kurze Pausen gibt es mit dem eher gediegenen, cleanen „Killpop“ sowie mit dem sehr emotionalen Track „Goodbye“. Ein Lied, das Paul Gray gewidmet ist und von dem Tag erzählt, an dem die Nachricht von seinem Tod die Band erreichte. Dazu gibt es noch mit „The Devil In I” als auch „If Rain Is What You Want“ zwei düster-atmosphärische Songdämonen.

Was der Band wirklich gut zu Gesicht steht, ist, dass Corey Taylor nicht allzu oft seinen cleanen, mainstreamigen Gesang einbringt, der einfach zu seinem Stone-Sour-Projekt gehört. Sicherlich mögen das auch viele mit der Musik von Slipknot. Wir finden jedoch: Slipknot müssen einfach wütend, verrückt und nach einem Dampfhammer mitten in die Fresse klingen. Genau das geschieht auf dem fünften Werk. Wer das 99er-Debütalbum liebt und „Iowa“ geil findet, wird „.5: The Gray Chapter” abfeiern, ganz sicher. Ein Alternative-Metal-Monster und unser mann.tv Musiktipp der Woche!

Tracklist:
1. XIX // 2. Sarcastrophe // 3. AOV // 4. The Devil In I // 5. Killpop // 6. Skeptic // 7. Lech // 8. Goodbye // 9. Nomadic // 10. The One That Kills The Least // 11. Custer // 12. Be Prepared For Hell // 13. The Negative One // 14. If Rain Is What You Want - Bonustracks der Deluxe Edition: 15. Override // 16. The Burden

Foto: Roadrunner Records / Warner Music