Kvelertak „Splid” – Musiktipp – Reißt die Tore auf und lasst die norwegischen Ausnahme-Rocker in eure Bude. Sie haben nämlich ihr viertes Studioalbum „Splid” im Schlepptau. Liegt die Platte dann einmal im Player, wird schnell klar, dass Kvelertak natürlich wieder ihr ganz eigenes Musiksüppchen kochen. Doch kann das kreative Sextett seine so gefeierten und bockstarken Vorgänger ein weiteres Mal toppen?

Dies vor allem auch mit ihrem neuen Sänger Ivar Nikolaisen, der den 2018 abgewanderten Frontmann und Gründungsmitglied Erlend Hjelvik ersetzt? Ein überaus schwieriges Unterfangen, möchte man meinen. Aber das können wir vorwegnehmen, die Skandinavier überschlagen sich auf „Splid“ in Bezug auf … alles. Heißt, Kvelertak bombardieren euch mit elf neuen Songs, die sich zu einem wahren Meisterwerk an Album formen. Was die Jungs hier abliefern, ist beeindruckend und saugut.

Da gibt es die volle Dröhnung aus einem giftig-hochmelodischen bis chaotischen Rock-Sound-Mix, der euch in diese einzigartige Musikwelt Kvelertaks zieht. Mittendrin der biestig keifende Ivar Nikolaisen, der das Mikro keinen Deut schlechter bearbeitet als sein Vorgänger Hjelvik. Richtig feierbar ist dieses unglaublich geniale Riffing, das alle Tracks der Scheibe durchzieht. Die Band geht hier in keiner Sekunde einen Schritt zurück, sondern setzt letztendlich noch einen obendrauf.

Es ist eine wahre Kunst, wie die Norweger es schaffen, diese Rohheit, diese Wildheit mit ungewöhnlichen Melodien zu einem wunderbar lärmenden Musikmonster zu vereinen. Dabei bauen sie auf „Split“ immerzu neue Facetten ein und erschaffen eine Soundwand, die noch mal an Spektakel zugenommen hat. Mal progressiv, mal mürrisch melodisch, mal eskalierend chaotisch – von Hard Rock, Alternative Rock, Metal, ein wenig punkiger Anarchie über 70er Sleaze bis hin zu Rock ’n Roll, bekommt ihr hier ein Album, das sich am Ende als geschlossene Einheit präsentiert.

Kvelertak stellen damit einmal mehr ihre Einzigartigkeit unter Beweis und hauen geniale Brocken wie   „Fanden ta dette hull!“, „Discord“, „Tevling“ „Ved bredden av Nihil“ oder „Bråtebrann“ heraus, die euch noch lange im Kopf hängenbleiben werden. Diese Band schafft es letztendlich tatsächlich, ihre Vorgänger wirklich noch mal mit ihrem unverkennbaren Stil zu überflügeln, was schier unmöglich schien.

Diese Platte tritt Arsch und geht donnernd nach vorne, auch ohne Einsatz von Doublebass oder brutaler Gewalt. Zugleich macht die Scheibe aber auch zu unglaublich happy. „Splid“ ist schlicht ein vielseitiges, vielschichtiges und extrem abrockendes Monster an Album – ein Meisterwerk!

Kvelertak „Splid” (Rise Records/BMG) // VÖ: 14. Feb. 20
Tracklist:
01. Rogaland // 02. Crack of Doom (Feat. Troy Sanders) // 03. Necrosoft // 04. Discord // 05. Bråtebrann // 06. Uglas hegemoni // 07. Fanden ta dette hull! // 08. Tevling // 09. Stevnemøte med Satan // 10. Delirium tremens // 11. Ved bredden av Nihil

Quelle: photo credit: Jonathan Vivaas Kise