Jinjer „Wallflowers” – Musiktipp – Nicht wenige Freunde der härteren musikalischen Gangart werden sehnsüchtig auf dieses Album der Ukrainer gewartet haben. Schließlich sind schon wieder zwei Jahre ins Land gezogen, seit Jinjer mit „Macro“ im Studio waren. In dieser Zeit hat das Quartett um Frontfrau Tatiana Schmajljuk im Netz für reichlich Furore mit etlichen Videos und Live-Auftritten gesorgt – und einmal mehr für einen enormen Hype.

So zählen Jinjer in der Szene mittlerweile zu den spannendsten Bands, da sie sich so erfrischend von der eintönigen Masse abheben. Davon kann man sich nun auf ihrem neuen Studioalbum „Wallflowers“ überzeugen. Lasst euch aber nicht vom lieblichen Albumtitel irreführen, denn „Mauerblümchen“-Musik gibt es woanders. Insgesamt befinden sich elf neue Tracks auf der Platte, wobei trotz roten Fadens kein Song dem anderen gleicht.

Das verwundert nicht, werden Jinjer hier ihrem Status als wahre Kreativmonster doch in allen Belangen gerecht. „Wallflowers“ ist nämlich ein herrliches Ungeheuer, das euch mit bösartigem Deathcore die Ohren freibläst, aber auch immer wieder in melodische Ruhephasen wechselt, um kurz darauf wieder mit aller Gewalt zuzubeißen.

Was diese Truppe auf diesem Album abliefert, ist beeindruckende musikalische Qualität, die sich technisch auf höchstem Niveau bewegt. Natürlich angeführt von Sängerin Tatiana, die diesen Wechsel von bösartigen Shouts und Growls zu cleanen Parts auf unnachahmliche Weise vollbringt – und jedem Song ihren Stempel aufsetzt.

Doch auch ihre Kollegen sind unüberhörbar zentrale Bausteine für das progressive, knallharte, aber auch melodische Gebilde der Band. So legt Schlagzeuger Wlad Ulassewytsch eine Dynamik an den Tag, die jeden Song mit einer extremen Intensität antreibt. Gleiches gilt für Basser Jewhen Abdjuchanow und Gitarrist Roman Ibramchalilow, die im Zusammenspiel den unverwechselbaren Jinjer-Sound erschaffen.

Dieser äußert sich auch auf Platte Nummer vier als hochkomplex, aber nie sperrig. Im Vergleich zu den Vorgängeralben gehen die Ukrainer noch mal eine Ecke wilder und härter zu Werke. Der Tatsache zum Trotz wohlgemerkt, dass es mehr cleane Gesangspassagen von Tatiana gibt. Zudem hat sich das Songwriting noch mal enorm verbessert, was sich in der imposanten Vielseitigkeit in den Liedern zeigt.

Einzelne Songs herauszupicken, würde dem Album nicht gerecht, schmiegt sich doch jede Nummer aneinander, um am Ende dieses spektakuläre Gesamtwerk zu präsentieren. Wenn es denn partout sein muss, so würden wir an dieser Stelle Tracks wie „Mediator“, „Vortex“, „Copycat“, „Call Me A Symbol“ oder den Gruß an Meshuggah mit „Disclosure“ als Highlights der Platte benennen.

Alles in allem übertreffen sich Jinjer auf ihrem vierten Langspieler noch mal selbst in puncto Kreativität sowie Songwriting – und legen ein Album auf den Tisch, das zeigt, wie ideenreicher und origineller Modern Metal im Jahre 2021 zu klingen hat. Wir ziehen den Hut …

Jinjer „Wallflowers” (Napalm Records) // VÖ: 27.08.2021
Tracklist: 
01. Call Me A Symbol // 02. Colossus // 03. Vortex // 04. Disclosure! // 05. Copycat // 06. Pearls And Swine // 07. Sleep Of The Righteous // 08. Wallflower // 09. Dead Hands Feel No Pain // 10. As I Boil Ice // 11. Mediator