Deftones – OHMS – Musiktipp – Die Alternative-Veteranen haben sich mit ihrem neunten Studiowerk ordentlich Zeit gelassen, liegt „Gore“ aus dem Jahre 2016 mittlerweile auch schon wieder vier Jahre zurück. Aber sei es drum, ganz getreu dem mittlerweile ausgelutschten Motto von dem „Gut Ding“, das Weile haben will. Der trifft auf ihrem neuen Studioalbum „Ohms“ nämlich den Nagel auf dem Kopf.

Entstanden sind zehn neue Tracks, die die unglaubliche Eigenständigkeit dieser „speziellen“ Band von Anfang bis Ende unterstreichen. Die Jungs um den charismatischen Sänger Chino Moreno gehen auf „Ohms“ unüberhörbar zurück zu ihren Anfangstagen, ohne dabei jedoch den Tick Moderne zu verlieren. Es ist ein Deftones-Album durch und durch, ohne musikalische Umwege mit allen Trademarks der Band.

Eben mit all diesen Disharmonien die auf ausgeklügelte Melodien treffen – zum quälend-leidenden, einfach einzigartigen Gesang von Chino. Schlicht der unvergleichbare Deftones-Klangkosmos, der diese Band über all die Jahrzehnte geprägt hat, aber lange nicht mehr so intensiv und mitreißend war wie nun wieder auf „Ohms“. Die Bitterkeit-Grooves die hier erzeugt werden, ziehen den Hörer schlicht in ihre Welt, in der es kein Sonnenlicht gibt – fantastisch.

Da muss man aufpassen, nicht in wilde Lobhudelei zu verfallen, so kraftvoll und direkt ist die Platte geworden. Ohne an Vielseitigkeit zu verlieren, wohlgemerkt, haben die Deftones hier doch ordentlich kreative Soundstrukturen erschaffen, die jeder Nummer einen anderen Touch verleihen, aber am Ende alles zu einem großen Gesamtkunstwerk verweben.

Die Platte steht dabei unter Strom und in jedem Track entlädt sich diese Spannung. Stark auch, wie extrem alle Tracks mit Melodie und Tempo spielen. Es ist eine mächtige Scheibe, die eine unbeschreibliche Kraft und Volumen ausstrahlt. Hinzu kommt, dass die Wechsel von ruhigen, fast schon sphärischen Phasen und wirklich wütenden Ausbrüchen in den Bann ziehen.

Ein wahres Klangerlebnis ohne Leerlauf mit reichlich Energie und Emotionen, die eine unvergleichliche Eigendynamik entwickeln. Ein meisterhaftes Werk, bei dem man keinen Song herausnehmen sollte. Hören, genießen und sich von der Musik aufsaugen lassen. Verletzlich, spannungsgeladen, traurig, aber auch wütend, das fasst das Innenleben von „Ohms“ gut zusammen.

Eine Achterbahnfahrt, die man so schnell nicht vergessen wird und eines der besten Deftones-Alben. Das zu schaffen, war bei den Kracher-Alben in ihrer Historie kein Leichtes – ganz großes Musikkino!

Deftones „OHMS” (Warner Music) // VÖ: 28. August 2020
Tracklist:
01. Genesis // 02. Ceremony // 03. Urantia // 04. Errorr // 05. The Spell Of Mathematics // 06. Pompeji // 07. This Link Is Dead // 08. Radiant City // 09. Headless // 10. Ohms