Zu große Marktmacht: Bundeskartellamt nimmt Amazon ins Visier – Der Online-Gigant Amazon sieht sich einer verschärften Wettbewerbskontrolle durch das Bundeskartellamt gegenüber. Die Bonner Behörde hat den Konzern entsprechend eingestuft – etwas, das Amazon in Gegensatz zu vielen anderen Firmen nicht einfach hinnehmen möchte.

Am Mittwoch stufte das Bundeskartellamt Amazon als einen Konzern von „überragender marktübergreifender Bedeutung für den Wettbewerb“ ein. So war es zuvor auch bei Googles Mutterkonzern und bei Meta, dem Konzern hinter unter anderem Facebook geschehen – doch im Gegensatz zu diesen Unternehmen wehrt sich Amazon gegen die Einstufung. Der Onlinegigant reagierte: „Wir stimmen den Feststellungen des Bundeskartellamts nicht zu und werden die Entscheidung sowie unsere Optionen, auch Rechtsmittel, sorgfältig prüfen.“

Laufende Untersuchungen gegen Apple

Seit 2021 verfügt die Behörde über die Möglichkeit, Unternehmen mit marktübergreifendem Einfluss solche Praktiken zu untersagen, welche nach Sichtweise des Bundeskartellamts den Wettbewerb gefährden. Im Januar stufte man in Bonn den Google-Mutterkonzern Alphabet entsprechend ein, im Mai wurde dann Meta vom Bundeskartellamt als solches Unternehmen charakterisiert. Weil Apple mit einer Anti-Tracking-Initiative die Werbeeinnahmen anderer Firmen einschränkt, laufen gegenwärtig Untersuchungen gegen den Tech-Riesen.

Kartellamts-Präsident Andreas Mundt erklärte: „Amazon ist der zentrale Schlüsselspieler im Bereich E-Commerce.“ Mundt unterstrich, dass seine Behörde Amazon für marktbeherrschend bei Marktplatz-Dienstleistungen für Dritthändler erachte – es greife somit hier die klassische Missbrauchsaufsicht. Amazon könne seine Doppelrolle als Händler und Marktplatz ausspielen, den Zugang anderer Unternehmen zu Absatz- und Beschaffungsmärkten kontrollieren.

Prime wichtiger Faktor

Insbesondere verweist die Behörde auf den Abo-Service Amazon Prime, welcher nicht nur kostenlose Lieferungen beinhaltet, sondern ebenso den Zugang zu Musik- und Video anbietet. Das Kartellamt erläuterte, dass mehr als 17 Millionen bei „amazon.de“ registrierte User auch über ein Prime-Abonnement verfügen. Amazon argumentiert hingegen, das Unternehmen sei „in erster Linie ein Einzelhändler“.

Für das Jahr 2021 wurde der Gesamtanteil des E-Commerce am deutschen Einzelhandelsumsatz durch den Handelsverband Deutschland eingeschätzt – er macht demnach 14,7 Prozent aus. Amazon trete mit vielen etablierten deutschen und internationalen Unternehmen in Konkurrenz, dies gelte auch für das Geschäft der Firma in anderen Branchen.