Jugendschützern und der Medienaufsicht sind die Pornoportale und ihr unzureichender Jugendschutz schon lange ein Dorn im Auge, nun plant man, endgültig gegen die freie Verfügbarkeit solcher Seiten für Kinder und Jugendliche in Deutschland vorzugehen – und erwägt dafür auch die umstrittenen Netzsperren. Doch die Reichweite und der Einfluss der Seiten sind stark. Das Thema wird kontrovers debattiert.

„Der Jugendschutz macht keinen Sinn, wenn jedes Kind vom Kikaninchen zu Pornhub wechseln kann“, betont Medienaufseher Tobias Schmid gegenüber der „Westdeutschen Zeitung“. „Wenn wir einerseits im Fernsehen jeden Trailer kontrollieren, Kinder im Netz aber ungefiltert mit abnormalen Sexualpraktiken konfrontieren, können wir es auch sein lassen.“

Als Beispiel für die Situation betont Schmid, Chef der Landesanstalt für Medien NRW, das Thema „Gangbang“ – eine Videokategorie, die sich auf nahezu jedem einschlägigen Videoportal finden lässt:

„Wenn bei Kindern der Eindruck entsteht, Gangbang ist eine normale Sexualpraktik, in der die Frau benutzt und gedemütigt wird, dann ist das sicherlich ein extremes Problem.“ Der Kern des Jugendschutzes sei verfehlt, wenn Kinder und Jugendliche mit solchen Inhalten aufwüchsen, so Schmid. Sie seien schließlich nicht altersgemäß etwa für einen Zehnjährigen. Darum planen Schmid und seine Kollegen nun in einem bundesweiten Vorstoß, die reichweitenstärksten Portale zu verpflichten, bei ihren deutschsprachigen Zweigen eine wirksame Altersprüfung zu vollziehen.

Viele der Portale haben ihren Sitz im Ausland, etwa auf Zypern, und sind entsprechend schwer in die Pflicht zu nehmen

Doch das schreckt Schmid und andere Medienaufseher nicht: Ein israelischer Glücksspielanbieter habe seinerzeit etwa am deutschen Markt absichtlich seine Bestrebungen auf eine junge Zielgruppe ausgerichtet und dabei den Jugendschutz missachtet. Schmid: 

„Wir haben dann angekündigt, gegen diese App und ihre Verbreitung vorzugehen. Nach zwei bis drei Monaten ist ein Kurswechsel erfolgt und die Anbieter haben uns gefragt, welche Kriterien sie denn erfüllen müssen. Inzwischen halten sie den Jugendschutz ein.“

Nun wolle man diesen Weg auch konsequent im Umgang mit Pornoportalen verfolgen:

„Nachdem die zypriotische Medienaufsicht ein Eingreifen abgelehnt hat, sind nun die deutschen Jugendschutzvorschriften anzuwenden. Auch die EU-Kommission wurde über unser Vorgehen benachrichtigt. Nun gilt: Entweder die Anbieter führen eine ordentliche Altersverifikation ein, oder wir werden ihre Abschaltung durchsetzen.“

Gleich mehrere der Portale gehören in Deutschland udn auch weltweit zu den reichweitenstärksten Internetseiten. Sollten die Betreiber der Pornoportale nicht einlenken, so soll bereits im Juni oder Juli konkret vorgegangen werden: „Dann werden wir die Infrastruktur-Anbieter, also Telekommunikationsunternehmen, um Sperrung der illegalen jugendgefährdenden Inhalte bitten“, so Schmid.

Quelle: wz.de