Dass unerlaubtes Filesharing mittlerweile von Anwaltskanzleien stärker verfolgt wird, ist bekannt. Aber nun trifft es auch User, die Videos streamen. Genauer gesagt wurde über 10.000 Nutzer von der Regensburger Kanzlei U+C im Auftrag des schweizerischen Unternehmens The Archive abgemahnt, weil sie sich auf Redtube bestimmte Pornofilme angesehen hatten. Das zog eine schiere Abmahnwelle über Deutschland nach sich.

Im Detail geht es um diejenigen User, die im August 2013 urheberrechtlich geschützte Pornofilme wie „Amanda's Secret“ oder „Dream Trip“ auf dem Videoportal Redtube angesehen hatten. Die Nutzer wurden im Anschluss angeschrieben – mit der Aufforderung, 250 Euro wegen Abruf von Filmen auf Redtube zu zahlen. Dabei beträgt der eigentliche Schadensersatzwert gerade mal 15,50 Euro! Die Rechtsanwaltsgebühr schlägt dabei mit stolzen 150 Euro zu Buche.

Laut dem Portal „Meedia“ soll diese Kanzlei schon früher mit harten Bandagen gekämpft haben. Damals hatten sie Filesharern gedroht, sie mit Namen und Adresse zu veröffentlichen, sollten sie der geforderten Zahlung nicht nachkommen. Generell stellt sich nun die Frage nach dem Urheberrechechtverstoß, zumal es in Bezug auf derlei Verstöße beim Aufruf von Videos noch keinen Präzedenzfall gab.

Nach der Einschätzung des Kölner Anwalts Christian Solmecke liegt kein Verstoß vor. „Selbst wenn beim Streamen die Filme am Zielrechner gespeichert würden, ist die Verbreitung auf der Videoplattform für die Nutzer nicht offensichtlich als rechtswidrig zu erkennen. Folglich sei das Material bei einem Download als legale Privatkopie einzustufen, wobei beim Streamen üblicherweise ohnehin nur wenige Sekunden Filmmaterial temporär im Arbeitsspeicher hinterlegt werden.“