Marc Zuckerberg möchte den Schutz der Privatsphäre zum Fundament von Facebook machen. Damit reagiert der Firmengründer auf die massive Kritik hinsichtlich des Umgangs mit Nutzerdaten, welche sich insbesondere nach dem Datenskandal um Cambridge Analytica über das soziale Netzwerk ergossen hatte.

„Ich glaube, dass die Kommunikation sich in der Zukunft zunehmend auf vertrauliche, verschlüsselte Dienste verlagern wird, in denen die Menschen sich darauf verlassen können, dass das, was sie einander mitteilen, sicher bleibt“. Eine Zukunft, an der Facebook mitarbeiten wolle, textete der Zuckerberg vergangenen Mittwoch und räumt ein: „Ich verstehe, dass viele Leute nicht glauben, dass Facebook eine solche auf Privatsphäre fokussierte Plattform aufbauen würde oder wollte.“

Wen wundert’s, wenn man bedenkt, dass Zuckerberg in den frühen Jahren von Facebook noch erklärt hatte, dass der Trend dahin ginge, dass Menschen sich immer öffentlicher machen. In der Folge testete der Konzern freimütig die Grenzen bei der Öffnung der Privatsphäre aus und geriet damit immer häufiger in den Fokus von Datenschützern und Aufsichtsbehörden.

Bis es schließlich krachte!

Und nun, einen hausgemachten Skandal später, das große kategorische Umdenken: Nach dem Vorbild des Chatdienstes WhatsApp sollen laut Zuckerberg zukünftig mehr Angebote des Konzerns eine Komplettverschlüsselung erhalten, damit die Inhalte einer Unterhaltung nur von Absender und Empfänger eingesehen werden können.

Wie Zuckerberg weiterhin schrieb, verhindere die sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung außerdem, dass andere – „wir inklusive – sehen, was Menschen in unseren Diensten teilen“. Auch Dienste wie Videochats, E-Commerce-Angebote und Bezahl-Services sollen auf dieser sicheren Basis aufgebaut werden.

Der Plan sieht auch vor, dass sich Nutzer-Daten auf Wunsch nach einer bestimmten Zeit automatisch löschen. „Das würde das Risiko verringern, dass Nachrichten später wieder auftauchen und einem peinlich sind“, erläutert Zuckerberg, dem zufolge das automatische Löschen auch abgeschaltet oder für einige Inhalte gar auf wenige Minuten eingestellt werden könnte.

Werbung und Fake-News

Eine Erklärung, wie sich dies auf das Geschäftsmodell von Facebook auswirken wird – immerhin verdient man dort sein Geld mit zielgerichteter Werbung, die in der Form nur über den Zugang zu Nutzerdaten möglich ist – blieb Zuckerberg in seinem Eintrag schuldig. Gegenüber der New York Times zeigte er sich diesbezüglich jedoch optimistisch: „Es gibt jede Menge Geschäftsmöglichkeiten, insbesondere in Entwicklungsländern. Es können mehr private Werkzeuge rund um den Aufenthaltsort der Leute entwickelt werden.“

Interessanterweise hat das Mehr an Privatsphäre aber auch seine Schattenseiten. Käme die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auf Facebook nämlich auf breiter Front zur Anwendung, würde dies das Aufspüren von Fake-News und illegalen Inhalten deutlich erschweren und die Verbreitung begünstigen. Allerdings arbeite man laut Zuckerberg bereits daran, böswillige Accounts auch ohne Zugang zu den Inhalten zum Beispiel anhand von Verhaltensmustern zu identifizieren.

Der Facebook-Chef betonte ferner, dass man davon absehe, Rechenzentren in Ländern zu errichten, in denen Menschenrechte verletzt oder die Meinungsfreiheit einschränkt werde. Damit erteilte Zuckerberg dem von vielen Experten prognostizierten Markteintritt in China nun wohl eine deutliche Absage.

Quelle: t3n.de