Wer kennt es nicht, damals, als im Unterricht mit dem Handy herumgespielt wurde – schließlich musste der neueste Snake-Highscore des besten Kumpels geknackt werden – und der Lehrer darauf aufmerksam wurde, bekam man oft Dinge zu hören wie „Das darfst du dir am Ende der Stunde im Lehrerzimmer abholen!“. Mit dem Fall einer Schülerin aus dem US-Bundesstaat Minneapolis verhält es sich zwar etwas anders, aber er ist dafür umso lesenswerter.

Mit einem kleinen Eintrag auf ihrer Pinnwand fing bei der Zwölfjährigen alles an. Sie schrieb, dass sie diese „Kathy-Person“ hasse, die in der Schulaula Aufsicht geführt hatte, weil sie „gemein“ gewesen sei. Als der Schuldirektor diesen Beitrag las, musste sich die Schülerin per Brief bei der Dame entschuldigen. So weit, so gut. Wenig später erfuhr die Schulleitung, dass die Minderjährige „explizite Nachrichten“ mit einem Mitschüler per Facebook austauschte, woraufhin sie in einen Raum gebeten wurde, um dort all ihre Zugangsdaten und Passwörter zu ihren E-Mail-Postfächern und natürlich auch Facebook offenzulegen. Anschließend durchsuchte die Schulleitung alle privaten Nachrichten der jungen Schülerin, obwohl sie für ihre Freizeitaktivitäten – und um nichts weiter handelt es sich bei dieser Sache – nicht einmal Schuleigentum nutzte.

Nun hat die Schülerin mithilfe der Bürgerrechtsbewegung „American Civil Liberties Union“ geklagt, aufgrund der Verletzung ihrer Grundrechte der freien Meinungsäußerung und Privatsphäre. Die Schule stritt die Vorwürfe ab, da die Eltern ihre Zustimmung gaben. Bevor das Gericht jedoch ein Urteil fällen konnte, zahlte die Schule gleich freiwillig die fünfstellige Summe von 70.000 US-Dollar. Davon kann sich die mittlerweile 15-Jährige dann immerhin einen Teil ihrer Weiterbildung finanzieren. Wären doch alle Schulen so nett.

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Quelle: Spiegel